Forderungen nach früherem Gaza-Abzug

- Tel Aviv - Angesichts massiver Siedlerproteste gegen einen Abzug aus dem Gazastreifen hat sich der israelische Vize-Ministerpräsident Ehud Olmert für einen früheren Beginn der Räumung ausgesprochen. Olmert sagte dem israelischen Rundfunk am Donnerstag, er sei dafür, die Räumung von 25 Siedlungen im Gazastreifen und dem Westjordanland auf ein Datum vor dem 17. August zu verlegen. In der Nacht hatte die Polizei 250 protestierende Abzugsgegner festgenommen.

Die Demonstranten hätten trotz eines Verbotes versucht, in den jüdischen Siedlungsblock Gusch Katif zu gelangen, sagte ein Polizeisprecher. Sie waren Teilnehmer eines verbotenen Protestmarsches, den die Polizei in der Ortschaft Kfar Maimon gestoppt hatte. Die Kundgebung, an der in den vergangenen Tagen mehr als 20 000 Menschen teilgenommen hatten, löste sich auf.Der israelische Abzug war ursprünglich für den 20. Juli vorgesehen gewesen, jedoch wegen einer dreiwöchigen Trauerzeit religiöser Juden über die Zerstörung der jüdischen Tempel vor rund zwei Jahrtausenden verschoben worden. Olmert sagte dazu, wenn die Abzugsgegner in dieser Trauerzeit Protestaktionen veranstalten könnten, spreche auch nichts dagegen, den Abzug in diesen Zeitraum zu legen.Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia äußerte vor dem Nahost-Besuch von US-Außenministerin Condoleezza Rice die Hoffnung auf politische Fortschritte. Der zweite Besuch von Rice in der Region innerhalb weniger Wochen zeige, welch große Bedeutung die Situation für die USA habe, sagte Kureia. Die US-Außenministerin wurde noch am Donnerstag zu Gesprächen in Israel und den Palästinensergebieten erwartet.Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon kündigte wenige Stunden vor der Ankunft von Rice den Ausbau der Siedlerstadt Ariel bei Jerusalem an. Scharon sagte bei einem Besuch in Ariel: "Ich bin hierher gekommen, um zu sehen, wie man die Stadt und das Umland ausbauen kann." Er sagte, der Großraum Ariel werde "auf ewig ein untrennbarer Teil des Staates Israel" bleiben.Der palästinensische Minister für Zivilangelegenheiten, Mohammed Dachlan, beschuldigte die radikalislamische Hamas-Organisationen unterdessen, einen Putsch gegen die Palästinenserführung zu versuchen. "Wenn jemand mit einer Panzerfaust eine Polizeistation übernehmen will, ist das ein versuchter Militärputsch", sagte Dachlan der israelischen Tageszeitung "Haaretz". Der Minister sagte, die Hamas sei im Gazastreifen inzwischen stärker als die Palästinenserführung.

Auch interessant

Kommentare