Erschreckende Prognose

Forscher: In 50 Jahren ist der Eisbär ausgestorben

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München - Das Foto eines abgemagerten Eisbären schockierte die Welt. Doch das Problem ist nicht neu. Forscher warnen schon lange vor den Auswirkungen des Klimawandels. Sterben Eisbären bald komplett aus?

Im Münchner Tierpark Hellabrunn lassen sich Eisbären aus nächster Nähe beobachten. Manche Tierschützer kritisieren, dass das Klima in Deutschland vor allem im Sommer zu warm für die Polarbären sei.

Doch ein schockierendes Foto, das in den vergangenen Wochen die Welt erschreckte, zeigt: Auch die ursprüngliche Heimat der Eisbären, der Nordpol, ist kein sicherer Ort mehr für die Tiere. Im Gegenteil: Viele Eisbären verenden dort, weil sie kein Futter mehr finden. Die Folge: Ein Massensterben. Doch wie kam es dazu?

Eisbären leben ausschließlich in der Arktis. Sie faszinieren Forscher und Touristen - doch genau das macht die Tiere auch so angreifbar. Im letzten Jahrhundert galten das Fell und die Köpfe der Tiere noch als Trophäen für Wildjäger. Das grausame Jagen der Tiere ist jedoch längst verboten. Trotzdem ist der Mensch weiterhin Schuld am Aussterben der Tiere. Durch die Förderung von Erdgas und Erdöl in der Arktis-Region wird der Lebensraum der Tiere immer weiter eingeschränkt. 

Der größte Feind des Eisbären: die Erderwärmung

Ein noch größerer Feind der Polarbären ist jedoch die Erderwärmung. Seit geraumer Zeit erwärmt sich die Arktis doppelt so stark wie andere Meeresregionen. Forscher prognostizieren, dass bis Mitte des 21. Jahrhunderts zwei Drittel der Eisbärenpopulation ausgerottet sein könnten. Schlimmer noch: Wenn das Meereis komplett verschwindet, sterben die Eisbären wohl komplett aus. Die Wildtierbiologin, Sybille Klenzendorf, beschäftigt sich ausführlich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Eisbären. In einer 3sat-Dokumentation bestätigt sie das baldige Aussterben der Tiere: "Die Prognosen sind, wenn nichts am Klimawandel getan wird, dass die Population um 60 Prozent zurückgehen wird - und das in den nächsten 20 bis 30 Jahren", sagt sie. 

Die Forscherin unternimmt häufig Expeditionen nach Alaska. Bei ihrer letzten Reise für den WWF hatte sie eine Eisbärenfamilie an der Beaufortsee besonders im Blick. "Wir wollen sehen, wie sich die Population verändert", sagt Klenzendorf. Wie viele Bären gibt es momentan und was passiert mit ihnen? Das sind die Fragen, denen die Forscher nachgehen. So wird unter anderem der Gewichtszustand der Bären verglichen. Nur wenn die Jungtiere gut genährt sind, kommen sie über den nächsten Winter. 

Erschreckendes Ergebnis: Bis Mitte des 21. Jahrhunderts gibt es kein Polareis mehr

Unterstützung bekommt Biologin Klenzendorf von Klimaforscher Dirk Notz. Er unternimmt ebenfalls regelmäßig Expeditionen in polare Regionen. Bereits am atlantischen Polarmeer lässt sich der Tauprozess mit bloßem Auge erkennen: "Wirklich ungewöhnlich in diesem Jahr ist die Tatsache, dass kaum Eis im Meer schwimmt", sagt Notz. Normalerweise sollte bereits hier alles zugefroren sein. Für den Eisbären bedeutet zu wenig Packeis, dass er sein Jagdrevier verliert. Denn auf der stabilen Eismasse kommt er kaum noch an seine Hauptnahrung, die Robben, heran. 

Dirk Notz entnimmt bei jeder Expedition Eisproben. Das Ergebnis ist erschreckend: "Wenn die Menschen weiterhin dafür sorgen, dass der Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre weiter ansteigt, dann wird sich auch das Meereis im arktischen Ozean immer weiter zurückziehen, bis es Mitte des Jahrhunderts komplett verschwunden sein könnte", sagt er. Dies ist eine der Hauptursachen, warum Eisbären am Nordpol elendig verhungern. Ihr einziger Ausweg ist, in die nördlichsten Regionen der Arktis zu fliehen. Doch auch die werden eines Tages von der Eisschmelze betroffen sein.

sb

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