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In Deutschland sind viele Kleinkinder nicht gegen gefährliche Masern geschützt. Die Forderung nach einer Impfpflicht wird wieder laut. Foto: Daniel Karmann

73 000 Kleinkinder ohne Schutz

Forscher mahnen mehr Masern-Impfungen an

Manche Eltern sind einfach nicht zu überzeugen, andere versäumen Impftermine. In Deutschland sind viele Kleinkinder nicht gegen gefährliche Masern geschützt. Die Forderung nach einer Impfpflicht wird wieder laut.

Berlin (dpa) - Kleinkinder in Deutschland sind aus Forschersicht noch immer unzureichend gegen Masern geimpft. Nur 63 Prozent der Kinder erhalten vor ihrem zweiten Geburtstag die nötige Doppel-Impfung, wie Wissenschaftler vom Versorgungsatlas mitteilten.

Mehr als 73 000 Kleinkinder der Geburtsjahrgänge 2009 bis 2012 sind demnach nicht gegen Masern geschützt. Zwischen einzelnen Regionen in Deutschland gibt es große Unterschiede, teilweise sinken die Impfquoten.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) nennt diese Entwicklung "besorgniserregend" und fordert eine Impfpflicht. "Ob Kinder die lebenswichtige Masernimpfung bekommen, hängt von ihrem Wohnort und der Einsicht der Eltern ab", sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach.

Die Spitzenreiter wohnen in Niedersachsen. In Peine und Wolfsburg sind 78 Prozent der Kleinkinder vollständig geimpft. Im Süden der Republik sind hingegen die Schlusslichter zu finden: In den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und Rosenheim in Bayern haben nur 36 bis 42 Prozent der Kinder die nötigen beiden Impfungen bekommen. Im Bundesländervergleich liegt Schleswig-Holstein an der Spitze. Bayern belegt im Ranking den letzten Platz.

Unterschiede gibt es auch zwischen Ost- und Westdeutschland: Die Quote für die erste Masernimpfung lag in allen Geburtsjahrgängen in Ostdeutschland etwa ein bis zwei Prozent über der Quote in Westdeutschland. Bei der zweiten Masernimpfung ist es umgekehrt. Hier sind die Kinder im Westen häufiger geimpft als im Osten.

Die Forscher sprechen von einem "löchrigen Impfschutz". "Diese Impflücken bei Kleinkindern können in Kindertagesstätten und -horten fatale Folgen haben, wenn die Infektion eingeschleppt wird", sagt der Leiter des Versorgungsatlas, Jörg Bätzing-Feigenbaum. In Berlin starb im vergangenen Jahr ein vorerkranktes Kleinkind infolge der Masern. Bundesweit erkrankten 2015 nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) knapp 2500 Menschen daran.

In der Politik werde die Tatsache ausgeblendet, dass Eltern zum Teil durch sachliche Argumente nicht zu erreichen oder nachlässig bei Impfterminen seien. Gut gemeinte Kampagnen reichten nicht aus. "73 000 ungeschützte Kinder sind der Beweis. Und sie sind eine Mahnung: Wir brauchen eine Impfpflicht", sagte Fischbach. Eine solche Forderung wurde in den vergangenen Jahren auch in der Politik geäußert, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Experten beschreiben Masern als ernstzunehmende Krankheit, da sie das Immunsystem schwächt und auch schwere Komplikationen wie Gehirnentzündungen mit sich bringen kann. Schwere Verläufe werden vor allem bei Säuglingen und Erwachsenen beobachtet. In seltenen Fällen kann die Krankheit sogar zum Tod führen.

Der Versorgungsatlas ist ein Studienportal des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung. Für ihre Untersuchung haben die Forscher den Impfstatus von 2,2 Millionen gesetzlich versicherten Kindern analysiert.

Versorgungsatlas zu Masernimpfung

Versorgungsatlas

Daten des RKI zu Masern

Ausführliche Studie

Mitteilung Kinderärzte

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