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Bill Mahaney, Chris Allen, Coren Pulleyblank, Jonathan Young und Pierre Tricart (l-r) bei Ausgrabungsarbeiten am knapp 3000m hohen Col de la Traversette in den Alpen. Das Team will Belege dafür gefunden haben, dass der Feldherr Hannibal mit seinem Heer hier über die Alpen nach Italien gezogen war.

Forscher finden Beweise

Antiker Kot verrät Hannibals Alpen-Route

New York - Mit fast 40 Elefanten überquerte Feldherr Hannibal einst die Alpen. Wo genau sein Tross langzog, darüber streiten Experten noch. Jetzt wollen Forscher es bewiesen haben - mit uraltem Kot.

Wohl kaum ein antiker Kriegsschachzug fasziniert die Menschheit so wie Hannibals Alpen-Überquerung. Mit mehreren Tausend Soldaten und Pferden sowie 37 Elefanten soll der Feldherr um 218 vor Christus ins heutige Italien marschiert sein. Seine Alpen-Überquerung gilt als Meisterleistung, die Wissenschaftler begeistert - und verwirrt: Denn wo genau Hannibals Tross langzog, ist noch nicht geklärt.

Bis jetzt - behauptet ein Team von Forschern rund um den Geologen Bill Mahaney von der kanadischen York Universität in Toronto. „Unser internationales Team hat endlich solide Beweise für die wahrscheinlichste Transitroute erbracht“, schreibt Mikrobiologe Chris Allen von der Queens Universität im nordirischen Belfast in einer Zusammenfassung der Studie. Das Ergebnis: Hannibal kam demnach wohl über den Col de la Traversette.

Lagen antike Geschichtsschreiber mit ihren Berichten falsch?

An einem kleinen See am Rand des Alpen-Passes fanden die Forscher eine große Menge uralter Kotreste, möglicherweise von Pferden, die sie auf etwa 200 vor Christus datieren konnten. „Das ist eine der wenigen Stellen in der Gegend, die zum Tränken großer Tiergruppen benutzt werden konnte“, schreibt Forscher Allen. „Sie wurde ursprünglich bei geologischen Expeditionen in die Gegend entdeckt und entspricht Beschreibungen von dem Terrain, durch das Hannibal zog.“

Diese Beschreibungen stammen hauptsächlich von den antiken Geschichtsschreibern Polybios und Titus Livius, die selbst nicht Teil von Hannibals Tross waren, aber möglicherweise mit Augenzeugen oder Nachfahren gesprochen hatten. Auf Basis dieser Quellen hatten die meisten Wissenschaftler bislang zu drei möglichen Routen tendiert: Neben dem Col de Traversette waren das noch zwei weiter nördlich und weniger hoch gelegene Pässe, der französische Col de Montgenèvre und der Col de Clapier zwischen Frankreich und Italien.

Antiker Kot muss erst noch analysiert werden - das kann dauern

„Möglicherweise waren die Berichte von Titus Livius eher Fiktion als Fakt“, schreibt Forscher Allen, der jetzt den Col de Traversette als Route Hannibals ausgemacht haben will. „Warum Hannibal die schwierigere Traversette-Überquerung ausgewählt hat? Darüber können wir im Moment nur spekulieren.“ Möglicherweise habe der Feldherr keine Wahl gehabt, weil feindliche Stämme lauerten.

Abgeschlossen sei der Beweis seines Forscher-Teams aber noch nicht, warnt Allen. Mit genauerer Gen-Analyse der Bakterien in dem antiken Kot müsse erst noch nachgewiesen werden, dass er wirklich von Pferden oder Menschen stamme. Das könne noch eine Weile dauern.

dpa

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