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Coronavirus: US-Forscher haben neuen Risikofaktor für Impfdurchbrüche entdeckt

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Von: Stella Henrich

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Impfdurchbrüche werden immer häufiger – doch das Risiko für eine Corona-Infektion trotz Impfung ist nicht bei allen Menschen gleich hoch. Faktoren wie das Alter spielen dabei beispielsweise eine Rolle. Jetzt haben Forscher einen weiteren Risikofaktor entdeckt.

München – Trotz Corona-Immunisierung erkranken viele Menschen an Covid-19. Die Gründe dafür sind, dass bei vielen die Impfung schon wieder einige Zeit her ist. Mit der Zeit lässt die Schutzwirkung nach. Außerdem steigt bei einer hohen Zahl Geimpfter natürlich auch die Zahl der Durchbrüche.

Eine neue US-Studie hat jetzt herausgefunden, welche Erkrankungen dafür verantwortlich sein könnten, dass Menschen trotz Impfung erkranken. So haben die Forscher herausgefunden, dass nicht nur bei älteren Menschen und solchen mit einem schlechten Immunsystem wie etwa Organtransplantierte oder Chemo-Patienten die Impfungen in der Regel nicht so gut wirken und die Schutzwirkung bei ihnen auch wieder schneller nachlasse. Auch bei Patienten mit psychischen Erkrankungen bestehe offenbar ein höheres Risiko, an Corona trotz einer Covid-19 Impfung zu erkranken, schreiben die Wissenschaftler des San Francisco Veterans Affairs Health Care Systems. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt „JAMA“.

Coronavirus: Durchbruchinfektionen höher bei psychischen Erkrankungen

Die Forscher analysierten dafür die Daten von 263.697 Patienten, die vollständig gegen COVID-19 geimpft waren. Die meisten davon waren Männer über 60. Bei etwas mehr als der Hälfte von ihnen (51,4 Prozent) wurde innerhalb der vergangenen fünf Jahre eine oder mehrere psychische Erkrankungen diagnostiziert. 14,8 Prozent hatten eine Durchbruch-Infektion mit COVID-19. Zu den diagnostizierten Erkrankungen gehörten unter anderem bipolare Störung, posttraumatische Belastungsstörung, Angst- und Essstörungen.

Die Analysen der Wissenschaftler ergaben ein erhöhtes Aufkommen von Durchbruchsinfektionen bei Patienten mit psychischen Erkrankungen – und das blieb auch bestehen, wenn andere Risikofaktoren wie etwa Rauchen herausgerechnet wurden.

Coronavirus: Zwei Störungen erhöhen Risiko

Zwei Diagnosen erhöhen das Risiko laut den Auswertungen der Forscher besonders stark: Anpassungsstörungen. Damit ist die Schwierigkeiten gemeint, ein einmaliges oder fortlaufendes belastendes Ereignis zu akzeptieren. Und Substanzgebrauchsstörungen, damit sind bestimmte Verhaltensmuster gemeint, bei denen Personen weiterhin Substanzen wie Alkohol, Drogen, Koffein anwenden, obwohl sie dadurch gesundheitliche oder psychische Probleme erleiden können.

Am meisten stieg das Risiko für eine Durchbruchsinfektion insgesamt für ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen. Bei Studienteilnehmern ab 65 stellten demnach alle psychischen Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für Impfdurchbrüche dar; bei jüngeren Menschen hatten dagegen nur Angststörungen, Anpassungsstörungen und Substanzgebrauchsstörungen einen negativen Einfluss auf dieses Risiko.

Coronavirus: Zwei Erklärungen für Studien-Ergebnisse

Zum einen weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass psychiatrische Störungen, darunter Depressionen, Schizophrenie und bipolare Störungen, in der Vergangenheit mit einer verminderten zellulären Immunität und einer abgeschwächten Reaktion auf Impfstoffe in Verbindung gebracht wurden; es könnte also sein, dass auch die SARS-CoV-2-Impfung bei ihnen schlicht weniger gut wirkt beziehungsweise der Impfschutz schneller nachlässt oder die Immunisierung weniger gut vor neuen Varianten schützt.

Das Bild zeigt eine junge Frau auf einer Treppe sitzend; sie hält ihre Hände vor ihr Gesicht. Sie trägt eine orange farbene Jacke und eine hellblaue Jeanshose.
Laut US-Forschern erhöhen Angststörungen das Risiko für einen Impfdurchbruch. (Symbolbild) © Rolf Poss/imago

Zum anderen könnte aus ihrer Sicht ein risikofreudigeres Verhalten, das mit einigen psychischen Erkrankungen einhergeht, das Ansteckungsrisiko und damit das Risiko für Durchbruchsinfektionen erhöhen. Diese Hypothese müsse allerdings in weiteren Studien überprüft werden.

Zukünftige Forschungen sollten demnach „sowohl immunologische und Verhaltensmechanismen identifizieren, die dem erhöhten Risiko einer Sars-CoV-2-Durchbruchinfektion bei Personen mit psychiatrischen Störungen zugrunde liegen“, so die Forscher weiter. Damit könnten Betroffene künftig besser über ihre Risiken aufgeklärt werden und Präventivmaßnahmen ergreifen.

Coronavirus: Schutzimpfung weiterhin sinnvoll

Dass es allgemein immer häufiger zu Impfdurchbrüchen kommt, ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) nicht verwunderlich. Als Grund nennt das RKI, dass generell immer mehr Menschen geimpft seien und sich Sars-CoV-2 derzeit wieder vermehrt ausbreite. Dadurch steige auch die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Trotz weiterer Durchbrüche sei eine Impfung gegen Covid-19 sinnvoll.

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