Gärtner bereiten die Gärten im Schloss von Versailles am Vorabend seiner Wiedereröffnung vor
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Ludwig XIV. ließ den prächtigen Palast von Versailles als neues Machtzentrum errichten

Das Land der Joie de vivre

Frankreich: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Frankreich ist eine bedeutende Kulturnation, die über Jahrhunderte die Geschicke Europas entscheidend beeinflusste. Es ist das touristisch meistbesuchte Land der Welt und bietet vielfältige historische und natürliche Attraktionen.

  • Frankreich existiert in seiner heutigen Form seit 853.
  • Aktuelles Staatsoberhaupt ist Präsident Emmanuel Macron.
  • Frankreich ist der flächenmäßig drittgrößte Staat Europas nach Russland und der Ukraine.

Paris – Liberté, Égalité, Fraternité: Die zum Motto von Frankreich gewordenen Kernforderungen der Französischen Revolution läuteten das Zeitalter der Demokratie in Europa ein. Der von starken landschaftlichen Kontrasten und einzigartiger Lebenskultur geprägte Staat im Westen Europas ist mit rund 83 Millionen Touristen jährlich das meistbesuchte Land der Welt.

Frankreich: Die frühe Geschichte

Als Ur-Franzosen gelten die keltischen Gallier, nach denen Julius Caesar seine römischen Provinzen westlich und nördlich der Alpen benannte. Nach dem Zerfall des Römischen Weltreiches um das Jahr 500 gelangte der Franke Chlodwig (Clovis auf Französisch) aus dem Geschlecht der Merowinger auf den Thron. Er wird in Frankreich heute als erster französischer König verehrt. Die größte Ausdehnung erlebte das Frankenreich unter Karl dem Großen (Charlemagne), der sich 800 zum Kaiser krönen ließ.

Kurz darauf zerfiel das Riesenreich in zwei Teile: das Westfränkische Reich, aus dem Frankreich hervorgehen sollte, und das Ostfränkische Reich, das viele Jahrhunderte später zu Deutschland wurde. Philipp II. war 1190 der erste König, der sich als König von Frankreich (Roi de France) bezeichnen ließ und nicht mehr als König der Franken.

Die Zeit der Religionskriege

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte konsolidierte sich die französische Monarchie durch Eroberungskriege. Der Hundertjährige Krieg brachte die bis heute verehrte französische Nationalheldin Jeanne d‘Arc (Johanna von Orléans) hervor, ein einfaches Mädchen, dem angeblich Gott in einer Vision befohlen hatte, Frankreich von den Engländern zu befreien. Zwar konnte sie an der Spitze eines Heeres die Belagerung von Orléans beenden, wurde jedoch für ihre Mühe später auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Das 16. Jahrhundert wurde von religiösen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten (Hugenotten) geprägt. Ein blutiges Massaker an den Hugenotten mit Tausenden Toten 1572 ging als Bartholomäusnacht in die französische Geschichte ein. 1589 bestieg mit Heinrich IV. erstmals ein Bourbone den französischen Thron. Mit dem Edikt von Nantes führte er Religionsfreiheit ein und beruhigte die Lage. Zugleich begann für Frankreich der Aufstieg zur europäischen Großmacht.

Frankreich: Absolutismus und Revolution

Im 17. Jahrhundert dominierte Frankreich die europäische Politik und Kultur. Ludwig XIV., der Sonnenkönig, inszenierte sich als absolutistischer Alleinherrscher im Staat und ließ den prächtigen Palast von Versailles als neues Machtzentrum errichten. Nur wenige Jahrzehnte nach seinem Tod begann der Niedergang mit dem Verlust der amerikanischen und indischen Kolonien.

Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, bei dem Frankreich die Kolonialisten gegen England unterstützte, entwickelte sich zum Ventil für die wachsende Unzufriedenheit des französischen Volks. Mit dem Sturm auf das Pariser Bastille-Gefängnis am 14. Juli 1789 begann die Französische Revolution: Das Ancien Régime, die absolutistische Monarchie, war Geschichte und wurde durch die Erste Französische Republik ersetzt.

Aus den Wirren der revolutionären Politik ging General Napoleon Bonaparte als Sieger hervor. Er ließ sich zum Kaiser von Frankreich krönen und führte zahlreiche Kriege. In den eroberten Gebieten etablierte er moderne Errungenschaften der Demokratie wie den Code civil (Zivilrecht) und den Code pénal (Strafrecht), die die Grundlage für demokratische Verfassungen weltweit bildeten.

Frankreich heute

Im 19. Jahrhundert erlebte Frankreich eine erneute wirtschaftliche Blüte mit einem weltumspannenden Kolonialreich, ehe der Erste Weltkrieg zu großen Zerstörungen im Norden und zu gesellschaftlichen Umwälzungen führte. Im Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Zweiteilung des Staates zwischen der deutschen Besatzungszone im Norden und der freien Zone im Süden unter Verwaltung des von den Nazis abhängigen Vichy-Regimes.

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war vom Zerfall des Kolonialreiches und den damit verbundenen Kriegen in Indochina und Algerien sowie von Bestrebungen um eine europäische Versöhnung und Einheit geprägt. 1958 wurde die mittlerweile Fünfte Republik mit neuer Verfassung ins Leben gerufen, die bis heute andauert.

Frankreich: Politik

An oberster Stelle in der französischen Politik steht der vom Volk gewählte Staatspräsident, der alle anderen Institutionen kontrolliert. Aktuell ist dies der 2017 gewählte Emmanuel Macron, der mit seiner selbst gegründeten liberalen Partei En Marche antrat. Der Präsident delegiert seine Macht an den Premierminister und die Regierung.

Das Parlament besteht in Frankreich aus zwei Kammern, der Nationalversammlung (Assemblée Nationale) mit 577 direkt vom Volk gewählten Abgeordneten und dem Senat mit 348 Mitgliedern. Diese werden von den Départements (Regierungsbezirken) bestimmt. Derzeit sind neun Parteien in der Nationalversammlung vertreten. Die Regierungskoalition besteht aus Macrons Partei En Marche sowie aus dem zentristischen Mouvement Démocrate (demokratische Bewegung) und der liberalen Partei Agir, la droite constructive (Handeln, die konstruktive Rechte).

Premierminister ist seit 3. Juli 2020 der zuvor weitgehend unbekannte Jean Castex, Bürgermeister der Kleinstadt Prades in den Pyrenäen und bis zu seiner Ernennung Mitglied der Republikaner (Les Republicains).

Frankreich: Fakten im Überblick

  • Fläche: 543.965 Quadratkilometer (ohne Überseegebiete)
  • Einwohnerzahl: 66.993.000 (Stand Januar 2019)
  • Hauptstadt: Paris
  • Sprache: Französisch
  • Staatsoberhaupt: Staatspräsident Emmanuel Macron

Frankreich: Bevölkerung und Sprache

Die Bevölkerung hat in Frankreich vor allem durch Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien in den letzen beiden Jahrzehnten stark zugenommen. 1990 zählte der Staat noch 56,6 Millionen Einwohner, 2010 waren es bereits 64,7 Millionen. Im Jahr 2017 stellten folgende Länder den größten Ausländeranteil:

LandBevölkerungszahl
Algerien823.500
Marokko771.300
Portugal618.200
Italien286.500
Tunesien283.800
Spanien247.700
Türkei246.300
Großbritannien145.900
Rumänien125.600
Komoren119.300

Einzige offizielle Sprache in Frankreich ist Französisch. Daneben bemüht sich der Staat um den Erhalt regionaler Sprachen wie Elsässisch, Bretonisch, Baskisch und Korsisch.

Eine Besonderheit ist das 1994 verabschiedete Toubon-Gesetz, mit dem die französische Sprache vor zu starken Einflüssen anderer Sprachen, insbesondere Englisch, geschützt werden soll.

Nicht zuletzt infolge der über Jahrhunderte andauernden Religionskriege ist Frankreich heute ein streng laizistisches Land. Schon 1905 wurde ein Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat eingeführt. Entsprechend niedrig fallen Angaben zur Konfession aus:

  • Katholizismus: 40 %
  • Islam: 5,1 %
  • Protestantismus: 1,7 %
  • Judentum: 0,3 %
  • Konfessionslos: 50,5 %

Statistiken sind in Frankreich allerdings stets vage, da Fragen nach der Religionszugehörigkeit unzulässig sind.

Frankreich: Geografie und Städte

Die Geografie des Landes wird von starken regionalen Gegensätzen bestimmt. Weite Teile von Frankreich sind von Hügeln und Gebirgsketten durchzogen, darunter die Alpen im Südosten und die Pyrenäen im Süden. Der 4.810 Meter hohe Mont Blanc ist höchster Berg Frankreichs und gleichzeitig auch Europas. An drei Seiten grenzt Frankreich an das Meer: im Norden an den Ärmelkanal, im Westen an den Atlantik und im Süden ans Mittelmeer. Zum französischen Staat gehören neben dem eigentlichen Frankreich (France métropolitaine) die Übersee-Gebiete Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Mayotte und Réunion.

Die größten Städte im Überblick:

RangStadtEinwohnerzahl
1Paris2.187.526
2Marseille863.310
3Lyon516.092
4Toulouse479.553
5Nizza340.017
6Nantes309.349
7Montpellier285.121
8Strassbourg280.966
9Bordeaux254.436
10Lille232.787

Die Zahlen gelten für das eigentliche Stadtgebiet. In der Metropolregion Paris (région parisienne) leben insgesamt über 12 Millionen Menschen und damit über ein Fünftel der Bevölkerung.

Frankreich: Wissenswertes

Frankreich ist eines der wirtschaftlich stärksten Länder Europas. Der Staat mischt sich dabei stärker in den Handel ein, als es in anderen europäischen Ländern der Fall ist, und hält Anteile an vielen Unternehmen. Eine große Rolle spielen unter anderem der französische Automobilbau, der Maschinenbau und der Export von Lebensmitteln und Weinen.

Mit rund 83 Millionen Übernachtungen im Jahr ist Frankreich weltweit führend im Tourismus. Größter touristischer Magnet ist die Hauptstadt Paris mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten und Museen. Weitere beliebte Regionen sind die Mittelmeerküste, die Atlantikküste und im Winter die französischen Alpen. Auch die französische Geschichte lockt zahllose Touristen an, die u. a. den Palast von Versailles, die Schlösser an der Loire und die Gedenkstätten des Ersten und Zweiten Weltkriegs in der Normandie und in Lothringen besuchen.

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