Katrina Holte neben ihrem Ehemann Lars und am Herd
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Dem Gatten stets zu Diensten. Eine junge Frau aus den USA hat sich entschieden das Rollenmodell der 1950er Jahre zu leben.

Frauenrolle rückwärts

Frau kündigt Job, um wie in den 50er-Jahren zu leben und ihrem Mann zu dienen

  • Sven Barthel
    vonSven Barthel
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Die Amerikanerin Katrina Holte lebt in finanzieller Abhängigkeit von ihrem Mann - freiwillig. Die 30-Jährige kündigte ihren Job, um sich ganz ihrem Gatten und dem Haushalt widmen zu können. Ihr Lebensentwurf orientiert sich an den Werten und Regeln der 1950er Jahre. Dennoch glaubt sie eine gleichberechtigte Beziehung zu führen.

Oregon - Mit ihren 30 Jahren zählt Katrina Holte zur Generation „Y“. Sie wird wie das englische Wort „why“ - („warum“) ausgesprochen. Eine Generation, der man nachsagt, alles zu hinterfragen, die als gut ausgebildet gilt, am liebsten in Teams arbeitet und flache Hierarchien befürwortet. Doch die aus dem US-Bundestatt Oregon stammende Holmes will keine moderne Frau sein. Erschöpft von ihrem Job in der Lohnbuchhaltung und nach drei Jahren glücklicher Ehe beschließt sie 2018, die Zeit einfach zurückzudrehen, um wie eine Hausfrau in den 1950er Jahren leben zu können.

Dazu passt sie ihr Aussehen und auch das Haus an den Look und das Feeling der 50er an. Weiß gepuderter Teint, rote Lippen, Wellen-Frisur, Perlenohrringe und selbstgenähte Kleider mit knielangen Tellerröcken und schmaler Taille: Katrina Holte verwandelte sich optisch. Auch der Vorgarten und die Zimmer ihres Hauses in Hillsboro bekommen ein zur Dekade passendes Makeover. Zierliche Polstersessel auf Buchenholzbeinchen und Nierentischchen im Wohnzimmer. Stühle mit abwaschbaren Vinylbezug auf Metallgestell und Pastellfarben in der Küche - ein Gang durch das Zuhause des Paares wird zur Zeitreise.

Putzen, bügeln, kochen - Katrina Holmes nennt es „Traumleben“

Wenn ihr zwei Jahre jüngerer Mann Lars, ein Ingenieur, abends von der Arbeit Nachhause kommt, steht das Essen für ihn bereits auf den Tisch, das Haus ist frisch geputzt und Katrina von Kopf bis Fuß aufgehübscht – bereit, ihrem Gatten die volle Aufmerksamkeit zu schenken und ihn zu umsorgen. Katrinas Tag beginnt um 6:30 Uhr. Noch bevor sie Lars‘ Kleidung herauslegt, bereitet sie für ihn das Frühstück zu und verpackt sein Mittagessen. Sobald Lars aus dem Haus ist, beginnt sie mit der Hausarbeit: „Ich verbringe dann eine gute Stunde damit, die Wäsche zu waschen, abzustauben und zu fegen. Ich achte darauf, dass alles an seinem Platz bleibt“, sagt sie im Gespräch mit der New York Post.


„Ich habe das Gefühl, dass ich so lebe, wie ich es immer wollte. Es ist mein Traumleben, und mein Mann teilt meine Vision“, sagt Katrina Holte, während im Hintergrund ein Doris-Day-Song auf dem Plattenspieler läuft, wie die Zeitung berichtet. „Es ist eine Menge Arbeit. Ich muss tonnenweise Geschirr spülen, Wäsche waschen und bügeln, aber ich liebe es und es hilft mir, für meinen Mann zu sorgen, und das macht mich wirklich glücklich.“

Ihr Leben im Stil der 1950er Jahre scheint der 30-Jährigen Halt zu geben, in Zeiten, die sie als unsicher und moralisch verfallen empfindet. „Ich stimme mit altmodischen Werten überein, wie zum Beispiel eine Hausfrau zu sein, sich um die Familie zu kümmern, die Menschen in ihr zu versorgen und das Haus in einem guten Zustand zu halten, damit sich alle wohlfühlen.“ Sie sehnt sich nach einer vergangenen Ära, als Nachbarn noch nachbarschaftlich waren: „Die Leute, mit denen ich spreche, die diese Ära erlebt haben, sagen, dass es eine Zeit war, in der man seine Tür unverschlossen lassen konnte und sich keine Sorgen machen musste, dass jemand einbricht“, sagt sie. „Heute haben die Leute vergessen, wie man mit Leuten spricht, mit denen man nicht einverstanden ist, und sie haben alle Manieren verloren.“

Trotz finanzieller Abhängigkeit vom Ehemann glücklich

Natürlich habe sie ihren Mann Lars um Erlaubnis gefragt, bevor sie sich aus dem Berufsleben verabschiedete. Durch den Online-Verkauf ihrer handgefertigten Kleider, steuert die Hobby-Schneiderin aber zumindest noch ein bisschen was zur Haushaltskasse bei.

„Ich habe mit meinem Mann gesprochen und ihm gesagt, dass ich Hausfrau sein möchte, und er hat gesagt, dass das für ihn in Ordnung ist“, wird sie von der New York Post zitiert. „Es war ein fantastisches Gefühl, als ich gekündigt habe. Ich kann jetzt tun, was ich will, und mein Haus so führen, wie ich es will. Ich bin jetzt Vollzeit-Hausfrau.“ Und dem Leuchten ihrer Augen nach zu urteilen, eine glückliche noch dazu.

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