Frau nimmt Mutter Baby weg: Zwei Jahre Haft

Innsbruck - Eine Frau aus Tirol muss zwei Jahre in Haft, weil sie einer jungen Mutter ihr Baby weggenommen hat. Doch das ist nur ein Teil ihrer Strafe - und auch nicht ihr einziges Vergehen.

Zwei Jahre muss eine Frau aus Tirol in Haft, die einer jungen Mutter ihr Baby weggenommen hatte. Das hat das Landesgericht Innsbruck am Donnerstagabend entschieden. Die Frau muss außerdem wegen Vermögensdelikten 70.000 Euro Wiedergutmachung leisten erklärte Gerichtssprecher Günther Böhler der Nachrichtenagentur dpa in Wien. Zudem muss sie eine sechsmonatige Haftstrafe aus einem früheren Verfahren, die zur Bewährung ausgesetzt worden war, nun verbüßen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Fall hatte im Juni 2010 großes Aufsehen erregt. Die Beschuldigte hatte in einem Einkaufszentrum in Salzburg einen Säugling in seiner Trage an sich genommen, während die Mutter Kleidung anprobierte, und war mit dem drei Monate alten Mädchen untergetaucht. Stunden später wurde das Baby nach einer großen Suchaktion im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet in Grassau (Landkreis Traunstein) wohlbehalten aufgefunden.

Die Tirolerin hatte sich zu Prozessbeginn im April schuldig bekannt. Allerdings erklärte sie, sie habe unter Druck gestanden. Sie habe zuvor eine Fehlgeburt erlitten, aber weiterhin eine Schwangerschaft vorgetäuscht und der angegebene Geburtstermin sei näher gerückt. Die Tat sei jedoch nicht geplant gewesen.

Das Schöffengericht sah das anders, erklärte Richter Markus Neyer nach Angaben der Nachrichtenagentur APA und schätzte die Tat als „geplante Handlung“ ein. Die Angeklagte sei durch das Einkaufszentrum gestreift und habe nur auf die passende Gelegenheit gewartet.

Hauptangeklagt war die Frau, weil sie bei ihrem früheren Arbeitgeber, einem Reisebüro, Geld unterschlagen haben soll und mit einem Teil des Geldes selbst auf Reisen ging. Der Schaden soll rund 75 000 Euro betragen haben. Allerdings sah der Schöffensenat keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Frau bereichtert habe. Der Senat wertete das Geständnis und die teilweise Schadenswiedergutmachung als strafmildernd.

Staatsanwältin Renate Nötzold erklärte nach APA-Angaben in ihrem Schlussplädoyer, die Angeklagte sei „kein Opfer der Gegebenheiten“. Sie habe die „Tendenz sich Geschichten auszudenken und Menschen zu manipulieren“.

dpa

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