+
Aus Protest hält diese Frau ein Amnesty-International-Plakat hoch, das den zu 1000 Stockhieben verurteilten Blogger Badawi zeugt. 

Zeigen die Proteste Wirkung?

Keine Prügel für Blogger - Kollegin kommt frei

Riad - In Saudi-Arabien wurde die Prügelstrafe gegen den saudischen Blogger Badawi wegen Islambeleidigung erneut ausgesetzt - und eine Kollegin kam frei. Zeigen die internationalen Proteste Wirkung?

In den Fall des wegen Islambeleidigung zu 1000 Stockhieben verurteilten Bloggers Raif Badawi kommt Bewegung. Am Freitag wurde zunächst die Prügelstrafe - vorgesehen waren weitere 50 Schläge - laut Amnesty International ausgesetzt. Dann kam nach Angaben aus Sicherheitskreisen die Bloggerin und Mitbegründerin des liberalen Badawi-Blogs nach drei Monaten auf freien Fuß.

Die Ehefrau Badawis, Ensaf Haidar, bestätigte die Freilassung der Aktivistin Suad al-Schammari am Freitag bei einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hoffe, dass jetzt auch mein Ehemann freikommt“, sagte sie. Al-Schammari war ebenfalls Beleidigung des Islams im Internet vorgeworfen worden.

Ensaf Haidar, die Ehefrau des saudischen Bloggers Raif Badawi, sorgt sich um die Gesundheit ihres Mannes.

Vor drei Wochen war der Blogger Badawi erstmals in der Stadt Dschidda öffentlich mit Stockhieben bestraft worden. Der Fall sorgte international für Empörung. Die Strafe wurde nun zum dritten Mal aus „gesundheitlichen Gründen“ ausgesetzt. Nach dem Tod von König Abdullah hat in der Zwischenzeit König Salman die Herrschaft übernommen. Beobachter sahen in dessen Umgang mit Blogger Badawi eine erste Probe. Badawi war im Mai 2014 zu zehn Jahren Haft, einer Geldstrafe und 1000 Stockschlägen verurteilt worden.

Der Fall hatte auch den Besuch von US-Präsident Barack Obama beim neuen Monarchen am Dienstag überschattet. Washington werde bei den Menschenrechten einen „stetigen, durchgehenden Druck“ auf Saudi- Arabien ausüben, sagte Obama damals dem TV-Sender CNN. Der Präsident räumte ein, dass einige Verbündete Themen wie Menschenrechte und politische Reformen als unbequem und frustrierend empfänden.

Die Ehefrau Badawis ist besorgt über den Gesundheitszustand ihres Mannes. „Sein Arzt hat uns gesagt, dass es ihm gesundheitlich nicht gut geht“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Er leidet an Bluthochdruck und das könnte gefährlich werden.“ Nach Angaben von Amnesty International drohen ihm gesundheitliche Langzeitschäden wie Lähmungen, falls er die Reststrafe von 950 Stockhieben erhält. Badawis Frau hält sich mit den drei gemeinsamen Kindern in Kanada auf.

Kleinere Gruppen von Demonstranten setzten sich in Ottawa und Berlin für die endgültige Aussetzung der Prügelstrafe und Freilassung Badawis ein.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

19 Verletzte bei Explosionen in Munitionsfabrik
Erst vor anderthalb Jahren waren bei einem Unfall auf dem Gelände der Munitionsfabrik 320 Tonnen Schießpulver explodiert - nun kam es gleich zu einer Serie von …
19 Verletzte bei Explosionen in Munitionsfabrik
An diesem Tag kommt durchschnittlich der Frühling
München - In manchen Teilen Deutschlands gab es in diesem Winter einiges Chaos durch Schnee und Eis. Zeit für den Frühling. Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen, …
An diesem Tag kommt durchschnittlich der Frühling
Mehr Zuckerkranke als vermutet
Früher war Diabetes eine Erkrankung der Reichen. Heute gilt sie in Deutschland als Risiko für sozial Schwache. Es gibt mehr Zuckerkranke als gedacht - besonders im Osten …
Mehr Zuckerkranke als vermutet
Zwei deutsche Archäologen im Norden Nigerias entführt
Jenjela - Im Norden Nigerias sind nach Polizeiangaben zwei deutsche Archäologen entführt worden. Weitere Hintergründe sind noch unklar, Begleitschutz hatten sie zuvor …
Zwei deutsche Archäologen im Norden Nigerias entführt

Kommentare