Trinken auf Kosten der Suchthilfe

Freibier für Alkoholiker: Umstrittenes Projekt startet

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München  - Alkoholabhängige sollen ab heute in Essen nicht mehr auf öffentlichen Plätzen herumlungern, sondern die Innenstadt reinigen. Der Lohn: 1,25 Euro pro Stunde vom Jobcenter - und drei Flaschen Bier am Tag.

Es klingt absurd, das dürfte niemand abstreiten: Freibier für Alkoholiker. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Trinker sollen ab dem 1. Oktober nicht mehr nur auf den öffentlichen Plätzen in der Ruhrstadt Essen herumlungern, sondern sich ihr Bier verdienen. Mit Zangen und Müllsäcken sollen sie durch die Essener Innenstadt laufen, Dosen, Flaschen und Papier aufklauben, alles was nachlässig auf den Boden geworfen wurde und das Stadtbild verschandelt. Begleitet werden sie dabei von Mitarbeitern der Essener Suchthilfe, die die Idee zum Projekt "Pick up" hatten. Saubere Stadt - Stoff für die Süchtigen, um es mal ganz platt zusammenzufassen.

Denn für die Arbeit sollen die Trinker 1,25 Euro pro Stunde vom Jobcenter erhalten - und bis zu drei Flaschen Bier am Tag von der Suchthilfe, so berichtet es der WDR. Das Bier sei laut Suchthilfe in erster Linie aber kein Lohn, sondern eine Anschubhilfe, um bei dem Projekt mitzumachen. "Wir kontrollieren das sehr genau, und das Bier darf auch nur bei uns in den Räumen getrunken werden", wird Oliver Balgar von der Essener Suchthilfe beim WDR zitiert.

Süchtige sollen den Tag sinnvoll gestalten

Man erhofft sich, dass die Trinker wieder lernen, ihren Tag zu strukturieren und sinnvoll zu gestalten. Naiv geht man aber nicht heran an die Sache: Es sei klar, dass das Projekt niemand von seiner Sucht befreit, aber es könne ein erster Schritt in den Ausstieg sein, heißt es von den Verantwortlichen.

Das Projekt soll zunächst ein Jahr getestet werden. Bereits im Vorfeld sorgte die Idee laut WDR für Streit zwischen der Suchthilfe und der Stadt - es scheint offenbar erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit gegeben zu haben.

kg

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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