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"Alle Menschen sind Ausländer - fast überall. Alle Rassisten sind Arschlöscher - überall!" ist auf einem Plakat der Freital-Aktion von "Dies Irae zu lesen.

"Solidarität ist stärker als Dummheit und Hass"

Freital: Künstlergruppe setzt Zeichen gegen Rassismus

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Freital - Nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen vor einem Flüchtlingsheim im sächsischen Freital hat die Künstlergruppe "Dies Irae" mit einer Plakataktion ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt.

Freital in Sachsen ist durch wiederholte massive ausländerfeindliche Proteste gegen ein Flüchtlingsheim international in Verruf geraten. Der Wohnort des Pegida-Gründers Lutz Bachmann gilt als Hochburg der selbst ernannten "Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes". Die braunen Hetzer hatten sich bei mehreren Gelegenheiten vor Ort versammelt und hasserfüllte Parolen gebrüllt, Sympathisanten der Asylbewerber waren tätlich angegriffen, der scheidende Oberbürgermeister der Kleinstadt bedroht worden. Auch die sozialen Netzwerke überfluteten sie mit Kommentaren.

Die Mitglieder der Künstlergruppe "Dies Irae" (Tag des Zorns, benannt nach einem Satz aus Verdis "Requiem") verstehen sich als "politische, künstlerische und selbstdenkende Menschen, die den öffentlichen Raum von der visuellen Umweltverschmutzung, auch Außenwerbung genannt, befreien". Das erklärten sie in einem Interview mit dem Blog urbanshit.de. Sie haben jetzt einen originellen Weg gefunden, dem Hass Paroli zu bieten: 21 Werbeplakate, die auf der Hauptverkehrsstraße der Stadt aufgehängt waren, ersetzte das Kollektiv durch Botschaften gegen den Rassismus. "Wer kein Selbstbewusstsein hat, braucht ein Nationalbewusstsein" ist auf einem zu lesen, ein anderes trägt den Spruch "Alle Menschen sind Ausländer - fast überall. Alle Rassisten sind Arschlöscher - überall!", ein drittes fordert: "Hirn einschalten - Rassismus ausschalten".

Auf den sozialen Netzwerken wird die "Ad-Busting"-Aktion gefeiert, die Fotos der Plakate vielfach geteilt, allein auf Facebook nach nur einem Tag bisher über 4500 Mal. Es sei bislang die "größte Intervention" der Gruppe "in einer verhältnismäßig kleinen Stadt, in der ein kleiner brauner pöbelnder Mob so viel unangenehme Aufmerksamkeit herbeiführte", ist auf der Facebook-Seite von "Dies Irae" zu lesen, wo alle Plakate abgebildet sind.

Ihre Motivation für die Aktion erklärt das verantwortliche "Dies Irae"-Mitglied in einem Interview mit der Online-Ausgabe des Süddeutschen-Magazins jetzt:"Als dann diese sogenannten 'besorgten Bürger' in Freital vor das Flüchtlingsheim gingen, blieb mir echt die Luft weg. Ich wollte da ansetzen, wo dieses ganze gefährliche Halbwissen und die Vorurteile gegen Flüchtlinge herkommen." Er habe "Schiss" gehabt, als er nach einer Woche Arbeit im Alleingang die handgefertigten Plakate bei der Nacht- und Nebelaktion aufhängte, jetzt sei er froh, dass alles gut gelaufen ist. 

"Ich wollte einerseits meine Solidarität mit den Flüchtlingen ausdrücken, aber auch mit denen, die vor Ort in der Flüchtlingsarbeit aktiv sind. Ich will denen zeigen, dass unsere Solidarität stärker ist als Dummheit und Hass." Er ist überzeugt, "dass es eine große Gruppe an Freitalern gibt, die mit den Nazi-Parolen eigentlich nicht mitgehen. Wenn diese Leute meine Plakate sehen, werden sie vielleicht auch ermutigt, den Mund aufzumachen."

hn

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