Chile: Herzergreifende Szenen bei der Rettung

San José - Grenzenloser Jubel und Freudentränen: In Chile sind mittlerweile zwei Drittel der Kumpel gerettet. Mit Video und Webcam:

Freudentaumel in Chile: Als Kumpel Nummer 22 der in Chile verschütteten Bergleute ist Samuel Ávalos Acuña sicher an die Oberfläche zurückgekehrt. Damit sind zwei Drittel der Kumpel wieder frei. Die Retter zogen ihn am Mittwoch um 17.04 Uhr Ortszeit (22.04 Uhr MESZ) aus der Rettungskapsel. Der Anfang-40-Jährige war zuvor Straßenverkäufer gewesen und hatte durch die Arbeit in der Mine auf ein besseres Leben gehofft.

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Als erster der 33 Männer wurde Florencio Ávalos um kurz nach Mitternacht Ortszeit (05.10 Uhr MESZ) aus dem unterirdischen Gefängnis befreit. Ungefähr eine Stunde später folgte Mario Sepúlveda, der “Sprecher“ der Kumpel. Mittlerweile sind weitere Kumpel heil an der Oberfläche angekommen. Juan Illanes konnte um 02.01 Uhr Ortszeit (07.01 Uhr MESZ) mit der “Phönix“-Kapsel geborgen werden. Nach dem 51-Jährigen wurde der einzige Nicht-Chilene, der Bolivianer Carlos Mamani, an die Oberfläche zurückgeholt. Bisher verläuft die Bergung reibungslos. Rund um den Globus wurde das längste Grubendrama in der Geschichte live verfolgt.

Live-Übertragung per Webcam: So läuft die Rettung der Kumpel (spanisch)

Der fünfte Kumpel in Chile ist am Mittwoch um 04.10 Uhr Ortszeit (09.10 Uhr MESZ) aus der Rettungskapsel gestiegen. Jimmy Sánchez ist mit 19 Jahren der jüngste Bergmann der Gruppe der 33 Verschütteten. Er ist Vater eines vier Monate alten Babys. Als Sanchez aus der Rettungskapsel stieg, drückte ihm jemand die Fahne seines Lieblingsfußballvereins, Universidad de Chile, in die Hand. Sanchez sagte, er glaube, es sei Gottes Wille gewesen, dass er eine Weile unter Tage bleibe, um darüber nachzudenken, wie er sein Leben ändern könne. Er ergänzte, er habe nachgedacht, “und ich werde eine Menge ändern“. Sanchez war nach einem Grubenunglück Anfang August gemeinsam mit 32 weiteren Bergleuten 69 Tage lang in der Gold- und Kupfermine San José eingeschlossen.

Auch Osman Araya, um die 30 Jahre alt, der erst seit vier Monaten in der Mine gearbeitet hatte, als das Unglück geschah, ist gerettet. Er war während der mehr als zwei Monate in der Tiefe zusammengebrochen. Araya kam am Mittwoch um 5.34 Uhr Ortszeit (10.34 Uhr MESZ) oben an. Er weinte und drückte seine Frau lange und fest.

Als Kumpel Nummer 20 ist Darío Segovia Rojo aus dem chilenischen Unglücksbergwerk sicher nach oben geholt worden. Die Retter zogen den Ende-40-Jährigen 15.59 Uhr Ortszeit (20.59 Uhr MESZ) an die Oberfläche. Er hatte schon im Alter von acht Jahren mit der Arbeit im Bergbau begonnen. Oben empfing ihn seine Familie.

Mario Gómez ist mit rund 60 Jahren der Älteste der Gruppe. Seit seinem 12. Lebensjahr arbeitet er im Bergbau. Gómez erreichte am Mittwoch um 7.59 Uhr Ortszeit (12.59 Uhr MESZ) die Oberfläche. Damit warten jetzt noch 24 Männer in der Tiefe auf ihre Rettung.

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Angehörige und auch die rund 1600 Journalisten aus aller Welt brachten das Lager Esperanza bei der Mine San José mit Jubelschreien, Hochrufen, Beifall und Freudenausbrüchen zum Beben. Luftballons in den chilenischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau stiegen in den klaren Nachthimmel, als Ávalos aus der Rettungskapsel kletterte. “Die Erde hat einen Mann geboren“, formulierte das chilenische Staatsfernsehen. “Das hat den chilenischen Traum erfüllt“, sagte Präsident Piñera.

Fast exakt eine Stunde später stieg Sepúlveda aus der Kapsel, fiel seiner wartenden Frau um den Hals und wurde wie ein Rockstar bejubelt. Er war ausgelassen vor Freude und wirkte bei bester Gesundheit. Er schrie sein Glück heraus und feierte mit den Rettern. Auch er begab sich dann aber in die Obhut der Ärzte. Die Bilder von der unglaublichen Freude über die Rettung konnten auch die anderen Kumpel in 620 Meter Tiefe sehen, die nun ebenfalls einer nach dem anderen nach oben gezogen werden sollen. Dafür waren bis zu zwei Tage veranschlagt. Die Geretteten wurden anschließend in ein bereitstehendes Behelfslazarett geführt, wo sie kurz untersucht werden sollte.

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Zuvor waren zwei Retter zu den Kumpeln herabgelassen worden. Als der erste, Manuel Gonzalez, unten ankam, war auf Live-Bildern zu sehen, wie er von den seit knapp 70 Tagen Verschütteten euphorisch und überglücklich begrüßt wurde. “Ich bin so froh, danke Gott, dass er gut zurückgekommen ist“, sagte der Vater von Ávalos. “Alles Schlimme liegt jetzt hinter uns und alles Schöne vor uns“, sagte Alicia Campos, Mutter von Daniel Herrera. Er steht auf der Liste der zu Rettenden auf Nummer 16. Die Bergleute sitzen seit dem 5. August in ihrem Verlies in der Kupfer- und Goldmine in der Atacama-Wüste fest.

dpa/dapd

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