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Fridays for Future: Eklat um Frisur! Musikerin darf nicht spielen und macht Absage öffentlich

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Von: Jennifer Battaglia

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Fridays for Future lässt Sängerin nicht auftreten.
Fridays for Future lässt Sängerin nicht auftreten. © IMAGO / Jan Huebner, Screenshot Instagram/ronjamaltzahn

Zu einer ihrer Demos hat die Klimaschutzbewegung Fridays for Future eine geladene Sängerin wieder ausgeladen. Die Sängerin trägt Dreadlocks und würde sich damit eine fremde Kultur aneignen.

Update vom 23. März, 17.06 Uhr: Friday for Future Hannover hat nun auch ein Statement auf ihrer Webseite veröffentlicht. Die Klimaschutzbewegung möchte sich bei Ronja Maltzahn entschuldigen. Die Nachricht sei unsensibel formuliert gewesen und hätte in dieser Form nicht abgeschickt werden dürfen. Zudem sei es grenzüberschreitend gewesen, der Sängerin vorzuschlagen, sich die Dreadlocks abzuschneiden, um auftreten zu dürfen.

An der Absage ändert sich aber nichts. Die Musikerin bleibt ausgeladen und wird am Freitag nicht auf der Demo in Hannover singen. Grund dafür sind ihre Haare. In ihrem Statement nennen die Klimaaktivisten die genauen Beweggründe für die Ausladung: Dreadlocks seien durch die Versklavung schwarzer Menschen aus afrikanischen Ländern und Indien in die USA gebracht worden, wo sie dann später in Bürgerrechtsbewegungen Schwarzer zum Widerstandssymbol wurden. Tragen weiße Menschen Dreadlocks, handelt es sich laut Friday for Future um kulturelle Aneignung, „da wir als weiße Menschen uns aufgrund unserer Privilegien nicht mit der Geschichte oder dem kollektiven Trauma der Unterdrückung auseinandersetzen müssen.“

Friday for Future Hannover ist es wichtig, schwarze, indigene und People of Color Raum innerhalb der Klimabewegung zu geben. Dies müsse konsequent passieren. Das Auftreten einer weißen Person mit Dreadlocks auf der Bühne könnte aber bei schwarzen, indigenen und People of Color den Eindruck erwecken, dass die Bewegung für sie keinen „Safer Space“ darstellt. Deshalb habe man sich dazu entschieden, Ronja Maltzahn abzusagen

Anmerkung von merkur.de: Dreadlocks gibt es nicht erst seit wenigen Jahrhunderten, sondern sind bereit seit Jahrtausenden in verschiedensten Kulturen und Religionen präsent. Die ersten schriftlichen Belege stammen aus dem Hinduismus circa 1500 v. Chr.

Update vom 23. März, 16.47 Uhr: Die Musikerin meldet sich zu dem Vorfall nun persönlich in ihrer Instagram-Story zu Wort. Dabei betont sie, dass sie mit Fridays for Future am heutigen Nachmittag ein nettes Telefonat geführt habe, in dem die Klimaaktivisten sich für den unsensiblen Ton, der in der Nachricht mitklang, entschuldigten. Sängerin Ronja Maltzahn sagt außerdem, dass sie keinen Konflikt anzetteln wollte, sondern mit ihrer Musik für die Werte von Fridays for Future einsteht.

Sie hofft, dass es für die Bewegung keine negative Presse geben wird. „Eigentlich sehe ich, dass wir gerade ganz andere wichtige Themen in unserer Gesellschaft medial zu bewältigen haben.“ Sie sei sehr bewegt von dem Ukraine-Konflikt. „Ich sehe so viele Themen, wo ich mir wünsche, dass wir hinschauen“, so die Künstlerin abschließend.

Erstmeldung vom 23. März:

Hannover - Sollte sich Ronja Maltzahn bis Freitag die Haare abschneiden, darf sie mit ihrer Band Bad Pyrmont auf der großen Fridays-for-Future-Demo in Hannover auftreten. Entscheidet sich die Musikerin aber gegen einen Haarschnitt, wird sie nicht vor Publikum spielen - so die Vorgabe der Klimaschutzbewegung. Maltzahn trägt Dreadlocks. Für die Klimaaktivisten in Hannover ist diese Frisur ein Zeichen „kultureller Aneignung“ und damit nicht vertretbar.

Fridays for future: Weiße Menschen sollten keine Dreadlocks tragen

Die kurzfristige Ausladung von der Demo hatte die Sängerin heute Nacht (23. März) auf ihren Social-Media-Kanälen publik gemacht.

In der Absage schreibt Fridays for Future Hannover unter anderem, dass man bei der Demo am Freitag auf ein „antikolonialistisches und antirassistisches Narrativ“ setze. Deshalb sei es für die Klimaschutzbewegung nicht vertretbar, eine weiße Person mit Dreadlocks auf ihrer Bühne zu haben. Weiße Menschen sollten keine Dreadlocks tragen, „da sie sich einen Teil einer anderen Kultur aneignen, ohne die systematische Unterdrückung dahinter zu erleben.“

Gemeint ist damit, dass Dreadlocks mit der Unterdrückung und Diskriminierung schwarzer Menschen assoziiert wird. Weiße Menschen erleben diese Diskriminierung hingegen nicht und scheinen die Frisur oft lediglich als Fashion-Statement zu verwenden.

Maltzahn könne sich laut Fridays for Future aber die Haare abscheiden und dann spielen: „Solltest du dich bis Freitag dazu entscheiden, deine Dreadlocks abzuschneiden, würden wir dich natürlich auf der Demo begrüßen und spielen lassen.“

Fridays for Future: Nutzer auf Facebook und Instagram entsetzt

Auf Facebook und Instagram hagelt es heftige Kritik an den Äußerungen der Klimaschutzbewegung. Ein User fragt provokant auf Instagram: „Dürfen dunkelhäutige Menschen mit blond gefärbten Haaren, Rentner mit Skateboards oder Kinder in Rollstühlen auch kommen?“ Ein anderer schreibt: „Damit schadet ihr der gesamten Fridays-for-Future-Bewegung und verliert selbst in der Mitte der Gesellschaft sämtlichen Respekt.“ Und eine weitere Nutzerin kommentiert: „Schämt euch! Lasst Ronja spielen!“

Die Musikerin selbst hatte die Screenshots mit einigen Zeilen Text versehen. Maltzahn schreibt: „Wir hatten uns darauf gefreut, ein Zeichen für Frieden und gegen Diskriminierung mit unserer Musik setzen zu dürfen.“ Es sei schade, aufgrund von äußerlichen Merkmalen davon ausgeschlossen zu werden. „Wir möchten keinen Menschen aufgrund von seiner/ihrer kulturellen Herkunft diskriminieren, sondern vielmehr kultureller Vielfalt eine Bühne geben, sie wertschätzen und zelebrieren, für Gender-Equality, Achtsamkeit und Toleranz einstehen.“

Fridays for Future: In Kürze Stellungnahme erwartet

Auf Nachfrage von merkur.de gab die Fridays for Future Hannover an, dass in Kürze ein Statement zu diesem Vorfall auf ihrer Webseite veröffentlicht wird. Es bleibt also abzuwarten, ob die massive öffentliche Kritik die Bewegung zum Umdenken motiviert hat und Maltzahn und ihre Band am Freitag spielen dürfen oder nicht. (jb)

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