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Internetkritiker Jaron Lanier.

Vom Deutschen Buchhandel verliehen

Friedenspreis für Internet-Kritiker

Frankfurt/Main - Ein Internetkritiker aus Kalifornien bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Erstmals wird ein Wissenschaftler ausgezeichnet, der sich mit der Digitalen Revolution auseinandersetzt.

Der amerikanische Technologiepionier und Internetkritiker Jaron Lanier erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der 54-jährige Informatiker und Autor habe erkannt, welche Risiken die digitale Welt für die freie Lebensgestaltung eines jeden Menschen habe, teilte der Stiftungsrat am Donnerstag in Frankfurt mit. Erstmals geht der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis, eine der bedeutendsten Kulturauszeichnungen Deutschlands, damit an einen Wissenschaftler, der sich mit der Internet-Revolution auseinandersetzt. Der Dachverband der Buchbranche schlägt so eine Brücke zur digitalen Welt, die derzeit auch die Buchbranche massiv verändert.

Lanier weise in seinen Büchern auf die Gefahren hin, „die unserer offenen Gesellschaft drohen, wenn ihr die Macht der Gestaltung entzogen wird und wenn Menschen, trotz eines Gewinns an Vielfalt und Freiheit, auf digitale Kategorien reduziert werden“.

Der einstige Technologie-Guru, der als Vater des Begriffs „virtuelle Realität“ gilt, war als Unternehmer an zahlreichen digitalen Entwicklungen beteiligt. Lanier, der Dreadlocks trägt, hat sich auch als Musiker und Bildender Künstler einen Namen gemacht.

Rechte des Einzelnen auch in digitaler Welt achten

Sein jüngstes Buch („Wem gehört die Zukunft?“) sei ein Appell, wachsam gegenüber Unfreiheit, Missbrauch und Überwachung zu sein, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe weiter. Der digitalen Welt müssten Strukturen vorgegeben werden, um die Rechte des Individuums zu achten und die demokratische Teilhabe aller zu fördern.

Lanier beschäftigt sich seit Jahren mit der immer größer werdenden Diskrepanz zwischen Mensch und Maschine, Wirklichkeit und virtueller Realität sowie dem Missbrauch von Daten für kommerzielle Zwecke. Er betreut derzeit nach Angaben des Börsenvereins als führender Wissenschaftler ein Projekt mehrerer Universitäten zur Erforschung des „Internets 2“ und arbeitet als Forscher für Microsoft Research. Lanier lebt im kalifornischen Berkeley bei San Francisco.

Mit dem seit 1950 vergebenen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland geehrt, die vor allem auf den Gebieten Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.

Ziel der Auszeichnung sei es immer gewesen, brisante Themen aufzugreifen, sagte der Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, der dpa. „Die Überwachung im Internet und das Sammeln von Daten großer Konzerne bewegt uns alle.“ Die Entscheidung des neunköpfigen Stiftungsrats, dem auch Riethmüller angehört, sei zugleich als Zeichen gegen die Ökonomisierung des Internets zu sehen. Auch die Diskussion um die Sammelwut des US-Geheimdienstes NSA gehöre in diesen Zusammenhang.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel nannte die Friedenspreisvergabe eine kluge Entscheidung. Die Analyse Laniers, der die digitale Wirtschaft mittlerweile als destruktiven Monopolkapitalismus beschreibe, müsse dringend diskutiert werden.

Die Auszeichnung wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 12. Oktober in der Paulskirche verliehen. Zu den bekanntesten Preisträgern gehören Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955), Astrid Lindgren (1978), Siegfried Lenz (1988), Mario Vargas Llosa (1996), Jürgen Habermas (2001) und Orhan Pamuk (2005). Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die weißrussische Schriftstellerin und Regimekritikerin Swetlana Alexijewitsch.

dpa

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