Justiz-Skandal in Hamburg

Fristen versäumt: Sexualstraftäter kommt auf freien Fuß

Hamburg - In Hamburg wird ein Mann freigelassen, der Kinder missbraucht hat. Grund ist ein Fehler der Behörden. Derweil hat in Darmstadt ein Erzieher den Missbrauch eines kleinen Mädchens gestanden.

Das Hamburger Oberlandesgericht hat die Freilassung eines wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Straftäters aus der Sicherungsverwahrung angeordnet. Die Vollzugsbehörden hätten es versäumt, innerhalb einer vorgegebenen Frist eine externe einzeltherapeutische Behandlung für den 50-Jährigen zu organisieren, sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag. Darum müsse nun die Sicherungsverwahrung auf Bewährung ausgesetzt werden.

Das Gericht verpflichtete den Mann aber, eine Fußfessel zu tragen. Zudem darf er keinen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen. Der 50-Jährige war 2004 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und wegen weiterer Straftaten zu viereinhalb Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Die Anordnung des Gerichts vom Dienstag ist rechtskräftig.

Kita-Erzieher missbrauchte kleines Mädchen

Ein wegen schweren sexuellen Missbrauchs in einer Kindertagesstätte angeklagter Erzieher hat die Tatvorwürfe zum Prozessauftakt eingeräumt. Vor dem Landgericht Darmstadt gab der 29-Jährige am Donnerstag zu, in der Zeit von Juni bis August vergangenen Jahres in einem Kindergarten im hessischen Roßdorf während der Mittagsschlafzeit sexuelle Handlungen an einem vierjährigen Mädchen vorgenommen zu haben.

„Ich bin pädophil“, sagte der Angeklagte. „Ich habe immer gedacht, ich hätte es unter Kontrolle. Das war eine große Fehleinschätzung.“ Bei dem Mann wurden etwa 7900 Bild- und Filmdateien mit kinderpornografischen Inhalt sichergestellt. Er habe gedacht, mit dem Ansehen dieser Aufnahmen seine Neigungen zu unterdrücken. „Ich hatte immer den festen Vorsatz, das nicht öffentlich auszuleben.“

Der Angeklagte studierte zunächst Lehramt für Grund- und Hauptschule und später Sozialpädagogik. Er war zudem in einem Sportverein aktiv, wo er unter anderem eine Kinderturngruppe betreute.

Dass er sich für kleine Mädchen zwischen drei und zehn Jahren interessiere, habe er relativ früh gemerkt. Als Erzieher im Kindergarten habe er seine Neigung jedoch zunächst „nicht so verspürt“, sagte er. „Das Pädagogische stand im Vordergrund.“ Dass es dann doch zu den Übergriffen gekommen sei, habe am „Setting“ im Schlafraum gelegen. „Ich war allein mit den Kindern“, sagte er. Sein Opfer habe nicht wirklich geschlafen, die Nähe zu ihm gesucht.

Unter Tränen berichtete die Mutter, wie sie zufällig von dem Missbrauch erfahren habe. Ihre Tochter habe sich bei Tisch im Intimbereich berührt. Als sie ihrem Kind gesagt habe, dass man das nicht tue, habe es geantwortet, dass der Erzieher dies „auch immer“ mache. Noch am gleichen Abend wurde der Kindergarten informiert, und der Erzieher, der den Missbrauch zunächst abstritt, freigestellt. „Es ist schrecklich“, sagte die Mutter weinend. „Nichts ist mehr so, wie es war.“

Der Angeklagte zeigte sich im Gerichtssaal reuig. „Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen“, sagte er unter Tränen und mit brüchiger Stimme an die Mutter gerichtet. Der forensische Psychiater Joachim Schramm, der den Angeklagten begutachtet hatte, erklärte, er habe selten einen Pädophilen erlebt, der sich so „in aller Deutlichkeit zu seinen Neigungen bekennt“. Zudem habe sich aus seiner Sicht der Angeklagte nach der Verhaftung ernsthaft und authentisch um eine Therapie bemüht. Dass die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten bei den Taten eingeschränkt gewesen sei, wollte Schramm auf Nachfrage der Verteidigung gleichwohl nicht bestätigen.

Das Gericht hatte zwei weitere Termine angesetzt, das Urteil könnte aber auch schon beim nächsten Termin am kommenden Dienstag (3. Mai) fallen. Auf schweren sexuellen Missbrauch steht in der Regel eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren. Zur Bewährung können nur Haftstrafen unter zwei Jahren ausgesetzt werden.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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