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„Zweiklassengesellschaft“: Kosten für Führerschein steigen rasend schnell

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Die Kosten für Führerscheine in Deutschland steigen schneller als die Inflation. Der Arche-Gründer Bernd Siggelkow fordert: „Führerschein darf kein Luxus sein“.

Der Führerschein in Deutschland wird immer teurer, zeigen neue Daten des Statistischen Bundesamts. In den Jahren 2021 bis 2023 stiegen die Preise für den Führerschein schneller als die Inflation. Die größte Preiserhöhung gab es im Corona-Jahr 2021, als die Fahrerlaubnis um 9,6 Prozent kostspieliger wurde – bei einer allgemeinen Preisentwicklung von 3,1 Prozent. 2022 lag die Inflation zwar bei 6,9 Prozent, die Preise für den Führerschein legten mit 10,8 Prozent aber noch deutlicher zu.

So ist es auch 2023 geblieben: Führerscheine wurden um 7,6 Prozent teurer bei einer Inflation von 5,9 Prozent. Dem ADAC zufolge kostete ein Auto-Führerschein zuletzt zwischen 2100 und 4400 Euro. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände rechnet mit 2800 bis 3500 Euro. Für den Gründer des Hilfswerks „Die Arche“, Bernd Siggelkow, nicht tragbar.

„Ein Führerschein darf kein Luxus sein“, sagt Siggelkow BuzzFeed News Deutschland, ein Portal von IPPEN.MEDIA. „Er gehört zum Lebensstandard eines Erwachsenen ebenso wie ein Schulabschluss oder eine Ausbildungsstelle.“ Gerade auf dem Dorf kämen Jugendliche und junge Erwachsene ohne einen Führerschein kaum von A nach B, was ihre Lebensqualität stark einschränke.

„Ein Führerschein darf kein Luxus sein“, findet Arche-Gründer Bernd Siggelkow (links).
Arche-Gründer Bernd Siggelkow fordert, dass Mobilität in Deutschland gerechter wird. (Archivfoto) ©  Wolfgang Kumm/dpa, Westend61/IMAGO, Collage

Führerschein: „Wir haben in Deutschland eine Zweiklassengesellschaft bei der Mobilität“

Nur noch 22 Prozent der Fahrschüler sind laut ADAC in der Lage, sich ihren Führerschein selbst zu finanzieren. Vor etwa drei bis vier Jahren lag diese Quote noch knapp bei der Hälfte. Der Anteil junger Menschen, bei denen die Familie alle Ausgaben übernommen hat, stieg im selben Zeitraum von 39 auf 56 Prozent.

Für 2,2 Millionen armutsbetroffene Kinder in Deutschland sei Unterstützung aus der Familie keine Option. „Der Großteil von ihnen macht keinen Führerschein und hat sich damit längst abgefunden“, sagt Siggelkow. Wenn das Amt oder der Arbeitgeber nicht für die Fahrerlaubnis aufkomme, gehe es einfach nicht.

„Armut vererbt sich. Wenn sich die Eltern keinen Führerschein leisten konnten, trägt sich das in die nächste Generation“, sagt der Arche-Gründer. „Wir haben in Deutschland eine Zweiklassengesellschaft bei der Mobilität.“ Dass die Kosten beim Kfz-Führerschein so stark gestiegen seien, sorge dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich beim Autofahren noch weiter auseinandergehe.

Arche-Gründer findet: Arbeitgeber sollten Führerschein „selbst bezahlen“

Und wie können wir dem in Zukunft entgegenwirken? „Arbeitgeber, die für eine Ausbildung den Führerschein voraussetzen, sollten ihn selbst bezahlen“, fordert Siggelkow. „Wir müssen unseren Jugendlichen mehr Chancen geben, die Arbeitskräfte zu werden, die wir brauchen“, sagt er.

Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschland.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, findet: „Sofern der Erwerb eines Führerscheins für die Arbeitsaufnahme eine notwendige Voraussetzung ist, braucht es für Bürgergeldbeziehende einen Rechtsanspruch auf die Übernahme der Kosten durch die Jobcenter“, fordert er bei BuzzFeed News Deutschland.

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