Bis zu fünf Jahre Haft in Kinderpornoprozess

Darmstadt - In einem der bundesweit größten Kinderporno- Prozesse vor dem Landgericht Darmstadt sind am Donnerstag sieben Männer zu Haft zwischen zwei Jahren auf Bewährung und fünf Jahren verurteilt worden.

Das Gericht wühlte sich durch eine Vielzahl von Dateien - Massen, die kein Mensch sämtlich sichten kann, sagte Richter Jens Aßling in Darmstadt spürbar erschüttert: Bilder von missbrauchten Säuglingen und Kleinkindern, Szenen von erwachsenen Tätern mit ihren Opfern während der Tat. Mehr als 100 000 Dateien hatten Ermittler bei einer bundesweiten Razzia im August 2009 gefunden. Am Donnerstag fielen die Urteile.

Seit September hatten neun Männer aus verschiedenen Bundesländern wegen der Taten in einem der größten Kinderpornoprozesse vor Gericht gestanden. Das Landgericht Darmstadt verurteilte sieben von ihnen zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und fünf Jahren.

Während die Verurteilten den Richterspruch äußerlich gelassen aufnahmen, zeigte sich das Gericht während der Urteilsbegründung berührt. Selbst der Kammer, die sich häufiger mit solchen Delikten beschäftige, seien solche Szenen so noch nicht untergekommen.

“Kindesmissbrauch und Kinderpornografie sind nicht zu trennen“, hatte Oberstaatsanwalt Andreas May am Vortag in seinem Plädoyer unterstrichen. Aufgeflogen waren die Männer, weil eine Privatperson sich beim “Ausprobieren schwacher Passworte“ Zugang zu den Internettreffpunkten geschaffen und ihre Erkenntnisse an die Ermittlungsbehörden weitergegeben habe, erklärte der Ankläger.

Nach den Hinweisen hatten die Behörden mit eigenen Ermittlungen begonnen. “Den Organisationsgrad und die Größe hätten wir jedoch so nicht für möglich gehalten“, betonte May. Der Prozess mit insgesamt neun Angeklagten und einer Datenmenge “von bisher unbekanntem Ausmaß“, wie es die Kammer nannte, sei bisher vermutlich einzigartig in Deutschland. Allein 500 Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum hätten sich in den Foren getummelt.

Gegen 38 Männer wurde daraufhin wegen Missbrauchs ermittelt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Immer neue Internettreffpunkte seien entstanden, sagte May und sprach von organisierter Kriminalität. Der Prozess habe gezeigt, dass die Gegenseite stets technisch aufrüste, sagte May: Ohne die umstrittene Datenspeicherung auf Vorrat hätte nur ein Bruchteil der aktuell Beteiligten ermittelt werden können.

Zwei der in Darmstadt Angeklagten hatten auch selbst Kinder missbraucht, wie während der Ermittlungen herauskam. Ein 34-Jähriger aus Lage in Nordrhein-Westfalen hatte demnach in Internetchats geäußert, ein heute sieben Jahre altes Mädchen aus der Nachbarschaft missbraucht zu haben. Er war ein Freund der Familie, hatte dem Mädchen Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen “und dabei das Vertrauen der Familie ausgenutzt“, so Richter Aßling. Der Mann erhielt die höchste am Donnerstag verhängte Strafe von fünf Jahren.

Ein Oberfeldwebel aus Schwerin muss für drei Jahre und neun Monate in Haft. Allein bei ihm fanden die Ermittler mehr als 60 000 Dateien mit Kinderpornos. Dem Gericht hatte er erklärt, die Dateien wahllos heruntergeladen und mit der Zeit eine Art Sammelleidenschaft entwickelt zu haben. Viele der Bilder habe er gar nicht angesehen.

Mit den Urteilen gegen die sieben Männer ist der Mammutprozess allerdings noch nicht zu Ende. Ab der kommenden Woche wird gegen zwei weitere Bandenmitglieder weiterverhandelt. Im Fall eines 57- Jährigen aus dem Odenwald sollen laut Gericht Opfer gehört werden - der Mann hatte zu Prozessbeginn dutzendfachen Kindesmissbrauch gestanden. Gegen einen 44-Jährigen aus Mönchengladbach wird weiterverhandelt, weil der Mann bislang zu den Vorwürfen schweigt.

dpa

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