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Auf einer Pressekonferenz protestieren ehemalige Bewohner der Gefahrenzone gegen die Einstellung des staatlichen Wohngeldes. Darunter Noriko Matsumoto (m.), ehemalige Bewohnerin der Gefahrenzone. Auch Nuklearforscher Hidetake Ishimaru (l.) und die Freie Journalistin und Autorin Chia Yoshida (r.) mobilisieren gegen die Einsparungen.

Sechs Jahre nach der Katastrophe

Tausenden Fukushima-Flüchtlingen droht Verlust ihrer kostenlosen Wohnungen

Tokio - Nach der Atomkatastrophe in Fukushima wurden den Opfern kostenlose Ersatzwohnungen gestellt. Jetzt soll das staatliche Wohngeld gestrichen werden - eine Tragödie für die Betroffenen.

Fast sechs Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima droht tausenden Flüchtlingen der Verlust ihrer bisher kostenlosen Wohnungen in anderen Teilen Japans. Die Behörden streichen rund 27.000 Menschen, die das Gebiet um den Unglücksreaktor nach der Katastrophe im März 2011 freiwillig verlassen hatten, ab Ende März das Wohngeld. Für viele Betroffene sei die Übernahme der Mietkosten jedoch der "einzige Rettungsanker", sagte die Betroffene Noriko Matsumoto am Dienstag.

Matsumoto lebte früher in Koriyama, rund 50 Kilometer von Fukushima entfernt. Nach der Atomkatastrophe verließ sie ihr Haus, weil ihre zwölfjährige Tochter unter gesundheitlichen Problemen wie Nasenbluten und Übelkeit litt. Obwohl Mutter und Tochter mittlerweile im rund 250 Kilometer entfernten Kanagawa leben, leidet die 55-Jährige nach eigenen Angaben inzwischen selbst unter Beschwerden wie hormonellen Störungen und einem gutartigen Schilddrüsentumor.

Alleinerziehenden Müttern droht Abrutsch in die Armut

"Ich bin wütend, dass die japanische Regierung und die Präfektur Fukushima uns erst stigmatisiert und jetzt fallen gelassen haben", sagte Matsumoto vor Journalisten in Tokio. Für viele der sogenannten "freiwillig Evakuierten" sei das Wohngeld die einzige finanzielle Unterstützung. Alleinerziehende Mütter wie sie selbst drohten nun in die Armut abzurutschen.

Ein Sprecher der örtlichen Regierung wies die Vorwürfe zurück. Alle Gebiete, für die es keine offizielle Evakuierungsanordnung gegeben habe, seien inzwischen wieder sicher, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Bewohner könnten dort wieder ein "normales Leben" führen. Sie hätten daher keinen Anspruch mehr auf eine Ersatzwohnung. Einige Flüchtlinge könnten aber weiterhin ein geringes Wohngeld erhalten.

Folgenschwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl

Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe am 11. März 2011, bei der 18.500 Menschen starben, hatte im Atomkraftwerk Fukushima einen schweren Störfall ausgelöst. Das Kühlsystem fiel aus, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Es war die folgenschwerste Atomkatastrophe seit dem Unglück in Tschernobyl 1986.

Die Umgebung wurde radioaktiv verseucht, mehr als 160.000 Menschen verließen die verstrahlte Gegend. Einige sind bereits zurückkehrt, viele haben sich aber längst ein neues Leben in anderen Teilen Japans aufgebaut oder haben weiter Angst vor der Strahlung. Nach Behördenangaben gilt die Evakuierungsanordnung noch für rund 84.000 Menschen. Die Aufräumarbeiten in Fukushima sollen noch mindestens drei Jahrzehnte dauern.

Folgen: Schilddrüsenkrebs bei Kindern

AFP

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