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Ein Kämpfer der libyschen Rebellen.

Gaddafi-Regime: Katar rüstet libysche Rebellen auf

Tripolis - Haben die Aufständischen für den Kampf gegen Gaddafi moderne Waffen aus dem Ausland erhalten? Das Regime in Tripolis behauptet, Katar habe den Rebellen Panzerabwehrraketen geliefert. Kritik am Militäreinsatz kam von den führenden Schwellenländern.

Die Aufständischen in Libyen sollen für den Kampf gegen die Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi angeblich auch moderne Waffen aus dem Ausland erhalten haben. Das Regime in Tripolis wirft dem Golfemirat Katar eine Aufrüstung der Rebellen in Bengasi mit modernen Panzerabwehrwaffen vor. Die Katarer hätten nicht nur Raketen des Typs “Milan“ geliefert, sondern auch Militärberater nach Ost-Libyen geschickt, sagte Vize-Außenminister Chalid al-Koeim in Tripolis. Aus Katar gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Behauptungen.

Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur dpa in Bengasi telefonisch, in einem Militärlager am Rande der ostlibyschen Stadt Tobruk seien am Donnerstag etwa 35 Offiziere aus Katar eingetroffen. Der Übergangsrat der Aufständischen in Bengasi wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Rebellen in Libyen: Sie kämpfen gegen Gaddafi

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Kritik am internationalen Militäreinsatz kam von den fünf führenden Schwellenländer. “Wir teilen den Grundsatz, dass der Einsatz von Gewalt vermieden werden sollte“, erklärten die die Staats- und Regierungschefs der sogenannten Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bei ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag im südchinesischen Sanya (Hainan).

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte Gaddafi zum sofortigen Rücktritt auf. Sein Regime habe jede Legitimität verloren, sagte sie nach einem internationalen Treffen zur Libyenkrise am Sitz der Arabischen Liga in Kairo. Nach einem Waffenstillstand und ohne Gaddafi könnte das libysche Volk dann selbst über die Zukunft des Landes entscheiden. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vertrat die Auffassung, Gaddafi habe seine Legitimität verwirkt, weil er Truppen in den Kampf gegen sein eigenes Volk geschickt habe.

In Libyen wurde am Donnerstag weiter gekämpft. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira meldete unter Berufung auf die Aufständischen, die Regierungstruppen hätten ein Gebiet in der Nähe des Hafens der seit Wochen belagerten westlichen Stadt Misurata angegriffen. 23 Menschen seien getötet worden, darunter drei Ägypter.

Libyen: Kämpfe zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen

Libyen: Kämpfe zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen 

Der europäische Rüstungskonzern MBDA, an dem über EADS auch Deutschland beteiligt ist, hatte in den vergangenen Jahren schon “Milan“-Raketen an das Regime Gaddafis geliefert. Der Wert des gesamten Vertrags belief sich auf 168 Millionen Euro. Er sei auf massiven Druck Frankreichs hin zustande gekommen, heißt es von EADS. Die “Milan“ ist eine leichte Panzerabwehrlenkwaffe für mittlere Entfernungen, die von Frankreich und Deutschland gemeinsam entwickelt worden war.

Ein MBDA-Sprecher sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in Paris, der Vertrag mit Tripolis sei über 1000 Raketen abgeschlossen worden. Es seien aber nicht alle geliefert worden. Waffensystem-Ausbilder seien sofort nach Beginn des Konflikts abgezogen worden. Das Golfemirat Katar hat nach Angaben von MBDA lediglich 100 Milan-Raketen geliefert bekommen.

Der zyprische Außenminister Markos Kyprianou rief zum sofortigen Waffenstillstand in Libyen auf. “Die Thesen der EU sind klar. Der Waffenstillstand muss sofort in Kraft treten“, zitierte die zyprische Nachrichtenagentur CNA den Außenminister nach einem Treffen mit seinem libyschen Amtskollegen Abdul Ati al-Obeidi in der Inselhauptstadt Nikosia. Auf die Frage ob aus seinen Gesprächen mit Obeidi sich ergibt, das Machthaber Gaddafi zurückzutreten bereit sei, sagte Kyprianou: “Nein das ist er nicht“.

Ein Mitglied der libyschen Regierung warnte unterdessen erneut vor Unterstützung für die Aufständischen in Misurata. Jedes Schiff, das in den Hafen von Misurata einlaufen wolle, müsse dafür vorher eine Genehmigung der libyschen Behörden einholen. Wer dies versäume, “begibt sich in Gefahr“. Mehrere Staaten, die sich an der Allianz zum Schutz libyscher Zivilisten beteiligen, hatten in den vergangenen Wochen Schiffe nach Misurata geschickt, die dort vor allem Verletzte abgeholt hatten.

dpa

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