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Muammar al-Gaddafi ist angeblich noch in Tripolis.

Gaddafi: Verteidigung bis zum letzten Blutstropfen

Doha/Tripolis - Machthaber Muammar al-Gaddafi hat die Libyer dazu aufgerufen, Tripolis bis zum letzten Blutstropfen gegen die Aufständischen zu verteidigen. Die Rebellen sind auf dem Vormarsch.

Die Entscheidungsschlacht um Tripolis hat begonnen. Nach nächtlichen Kämpfen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen gab es am Sonntag in mehreren Stadtvierteln heftige Gefechte. Im Laufe des Tages drangen die Rebellen nach Berichten von Augenzeugen immer weiter in die Hauptstadt vor. Nach Spekulationen über seine Flucht aus Tripolis meldete sich Machthaber Muammar al-Gaddafi am Abend im Staatsfernsehen zu Wort und rief die Libyer dazu auf, die Hauptstadt bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen.

Gaddafi wandte sich in einer vom Fernsehen ausgestrahlten Audio-Botschaft an die Menschen; selbst war er nicht zu sehen. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, versicherte Gaddafi, er sei noch in Tripolis, und seine Truppen würden niemals aufgeben. “Wir werden den Sieg erringen“, rief er und beschwor seine Anhänger, von überall her in die Hauptstadt zu kommen und bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen.

Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, der bedrängte Machthaber habe die Hauptstadt bereits in Richtung algerische Grenze verlassen. Aus gut informierten Kreisen in Tripolis verlautete, er halte sich mit seiner Familie in einer Region unweit der Grenze auf und werde vom Al-Orban-Stamm beschützt. Eine Bestätigung für die Nachricht von der Flucht Gaddafis aus Tripolis gab es zunächst aber nicht - weder von den Rebellen noch von algerischer Seite.

Rebellen in Libyen: Sie kämpfen gegen Gaddafi

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Augenzeugen berichteten, am Sonntag hätten die Rebellen in Tripolis den internationalen Verkehrsflughafen eingenommen sowie den Militärflughafen Mitiga. Gaddafi-Anhänger hätten den Stadtteil Tadschura, in dem die Rebellen bereits in der Nacht die Kontrolle übernommen hatten, mit Mörsergranaten beschossen.

Auch das große Viertel Souk al-Dschumaa werde inzwischen von den Rebellen beherrscht. Anwohner hörten in der Nacht auch Schüsse und Luftangriffe der Nato. Aus gut unterrichteten Kreisen hieß es, die Rebellen hätten das Haus von General Al-Chwaildi Al--Hmeidi, einem engen Vertrauten Gaddafis, im Stadtteil Al-Andalus umzingelt. Rebellen berichteten, sie hätten ein Gefängnis gestürmt und Tausende politische Häftlinge befreit.

Im Laufe des Sonntags bekamen die Aufständischen Verstärkung aus ihren Hochburgen Misrata und Slitan in Tripolis. Nach Augenzeugenberichten trafen Rebellen auf dem Seeweg in der libyschen Hauptstadt ein, um dort in die Kämpfe einzugreifen. Von Osten her seien Aufständische auch auf dem Landweg weiter auf Tripolis vorgerückt und ständen nur noch etwa 27 Kilometer vor den Toren der Stadt, hieß es.

Die USA rechnen damit, dass Gaddafis Tage nunmehr gezählt sind. “Das libysche Volk verdient eine gerechte, demokratische und friedliche Zukunft“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest am Sonntag. Präsident Barack Obama hält sich nach seinem Angaben auch im Urlaub ständig über die Entwicklung in Libyen auf dem Laufenden. Zudem sei man mit dem Nationalen Übergangsrat in Libyen in engem Kontakt.

Luftangriff auf Gaddafi: Bilder des zerstörten Hauses

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief Gaddafi auf, die Macht schnell abzugeben. “Es wäre gut, wenn er möglichst schnell aufgibt, um Blutvergießen zu vermeiden“, sagte Merkel am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. Außenminister Guido Westerwelle erklärte: “Jeder Tag, den Oberst Gaddafi früher das Land verlässt, ist ein guter Tag für Libyen und für das libysche Volk.“

Das libysche Fernsehen hatte in der Nacht eine vorab aufgezeichnete Rede von Gaddafis Sohn Seif al-Islam ausgestrahlt. Darin sagte dieser, es sei ausgeschlossen, dass er und sein Vater das Land verlassen würden. In einer während der Gefechte im staatlichen Fernsehen übertragenen Audiobotschaft nannte Gaddafi die Rebellen “Verräter“ und “Ratten“. Die europäischen Länder und namentlich Frankreich bezichtigte er, hinter dem libyschen Öl her zu sein.

Der arabische TV-Sender Al Arabija berichtete, die Aufständischen hätten Dutzende Soldaten Gaddafis gefangen genommen. Doch auch die Aufständischen erlitten hohe Verluste. Allein bei den Gefechten im Stadtviertel Tadschura kamen nach Angaben eines Rebellenführers laut Al-Dschasira mindestens 123 Aufständische ums Leben.

Blutige Proteste in Libyen

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Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, sagte Al-Dschasira, dass alle Aktionen vorbereitet und koordiniert seien. Die Nato hatte ihre Kampfeinsätze am Samstag stark auf Libyens Hauptstadt konzentriert. Die Kampfjets der internationalen Truppen hätten allein in Tripolis 22 Ziele angegriffen, berichtete die Nato am Sonntag in Brüssel.

Ein kanadischer Nato-Sprecher erklärte, die Angriffe seien nicht mit den Rebellen abgestimmt. “Wir reduzieren die militärische Stärke der Pro-Gaddafi-Truppen“, sagte Oberst Roland Lavoie. “Die Opposition hat das zu ihrem Vorteil genutzt.“ Die Nato schwäche die Fähigkeit der Gaddafi-Truppen, Zivilisten anzugreifen.

Attackiert wurden demnach Militäreinrichtungen, Lagerhallen, gepanzerte Fahrzeuge, Raketen und Raketenwerfer sowie Radarsysteme. Insgesamt habe die Nato am Samstag 36 Kampfeinsätze über Libyen geflogen. Neben Tripolis griff das Bündnis auch Ziele in Sirte, Al-Brega und Slitan an.

dpa

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