Italienische Forensiker begutachten den Schaden an einem Boot. Im Fall zweier Toter auf dem Gardasee nach einer mutmaßlichen Bootskollision ermittelt die italienische Polizei gegen zwei Deutsche aus München.
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Italienische Forensiker begutachten den Schaden an einem Boot. Im Fall zweier Toter auf dem Gardasee nach einer mutmaßlichen Bootskollision ermittelt die italienische Polizei gegen zwei Deutsche aus München.

Ein Verdacht bleibt

Junges Paar stirbt nach Boots-Crash mit zwei Münchnern am Gardasee: Überwachungsvideo zeigt Vorfall

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
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Ein junges Paar ist auf dem Gardasee ums Leben gekommen. Ein Motorboot soll die beiden quasi umgemäht haben. Ein Video liefert neue Details zur Tatnacht. Nun folgt ein Erklärungsversuch.

Rom/Brescia - Was ist in der Nacht von Samstag (19. Juni) auf Sonntag tatsächlich auf dem Gardasee passiert? Ein junges Paar ist bei einer Bootskollision ums Leben gekommen. Am Sonntag fand ein Einwohner das kleine Holzboot eines italienischen Paares nahe Salò am Westufer mit dem toten 37-Jährigen darin. Taucher bargen Stunden später die Leiche der 25 Jahre alten Frau. Laut Rechtsmedizinern ertrank sie.

Zwei Münchner sollen mit ihrem Luxus-Motorboot das Paar auf ihrem Boot einfach niedergemäht haben. Und nach der Kollision weitergefahren sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden Deutschen wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung. Die Münchner waren mit einer Riva unterwegs. Die beiden Männer sollen jedoch laut Angaben eines Anwalts von dem Crash nichts bemerkt haben.

Für Motorboote gelten übrigens am Gardasee strenge Tempo-Limits: Tagsüber ist die Höchstgeschwindigkeiten aus 20 Knoten (umgerechnet 37,04 km/h) begrenzt und in der Nacht auf 5 Knoten (umgerechnet etwas mehr als 9 km/h), beim Ein- und Auslaufen im Hafen 3 Knoten. Ein normales Riva-Aquarama-Boot ist schon mit zwei V8 Motoren (220 PS) ausgestattet und erreicht leicht 30 Knoten.

In Italien sorgt dieser tödliche Unfall für Schlagzeilen. Immer neue Vorwürfe tauchen auf. Das Leben der jungen Frau hätte vielleicht noch gerettet werden können, vermuten italienische Medien. Obendrein wird spekuliert, ob die Männer betrunken waren.

Tödlicher Bootsunfall am Gardasee: Überwachungsvideo aus der Tatnacht

Dann tauchte ein Video aus einer Überwachungskamera auf. Auch der Corriere della Sera verbreitet es. Es ist aus der Tatnacht und zeigt demnach die beiden Münchner beim Anlegen des Riva-Motorbootes im Hafen von Salò. Auf dem Video ist zu sehen, wie einer der beiden Männer taumelt und dann ins Wasser fällt. Es soll sich um den Freund des Motorbootbesitzers handeln, der sich auch einem Alkoholtest am nächsten Tag verweigert haben soll.

Anwalt: „Bilder seien keine Überraschung gewesen“

Ein Anwalt der beiden Verdächtigen hat sich jetzt zu dem Überwachungsvideo geäußert. „Der Sturz, bei dem es sich um ein einfaches Ausrutschen handelte, wurde durch ein abruptes Manöver des Fahrers verursacht“, teilte das Anwaltsbüro der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Bilder seien nicht überraschend gewesen, da der Sturz bereits vorher bekannt gewesen sei.

Boots-Crash auf dem Gardasee: Münchner Verdächtiger lehnt Alkoholtest ab

Ob der Mann betrunken war, ist zunächst noch unklar. Ihrem Anwalt zufolge hatten die Voruntersuchungen das bislang nicht bestätigt. Sicher sei, dass einer der beiden einen Alkoholtest mit einem negativen Ergebnis gemacht habe.

Die beiden wurden kurz nach dem Unfall auf freien Fuß gesetzt und reisten wieder nach München zurück. Die Familien der Opfer fordern Maßnahmen gegen die beiden, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Anwälte der Familien berichtete. (ml mit Material der dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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