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Gefängnisaufstand in Brasilien.

Zwei Tote in Brasilien

Gefängnismeuterei: Häftlinge köpfen Insassen

Cascavel - Bei einer schweren Meuterei in einem überfüllten brasilianischen Gefängnis sind am Sonntag mindestens vier Menschen auf grausame Weise ums Leben gekommen.

Nach Angaben der Polizei wurden zwei Insassen von den meuternden Häftlingen in dem Gefängnis im südlichen Paraná geköpft, zwei weitere wurden laut dem Nachrichtenportal G1 vom Dach der Haftanstalt von Cascavel im Bundesstaat Paraná gestoßen. Zwei Wachen wurden als Geiseln genommen, als etwa 800 Gefangene die Kontrolle über den Bau übernahmen, in dem rund 1400 Menschen untergebracht sind. Vertreter der Strafvollzugsbehörden sagten dem Portal "G1", die Gefangenen hätten gemeutert, um besseres Essen und saubere Unterkünfte zu erzwingen.

Vertreter des Justizministeriums von Paraná setzten am Montagmorgen (Ortszeit) Verhandlungen mit den Häftlingen fort. Während der Nacht zum Montag wurden in Cascavel ein Bus und ein Auto in Brand gesetzt. Es sei unklar, ob diese Brandanschläge in Verbindung mit der Meuterei stünden, berichtete G1 unter Berufung auf Polizeiangaben.

Hinter der Meuterei steckt offenbar die kriminelle Organisation Primeiro Comando da Capital, wie die Zeitung „Folha de São Paulo“ berichtete. Das Verbrechersyndikat aus São Paulo gilt als eine der mächtigsten Gangs des Landes und hat schon mehrfach blutige Gefängnisrevolten angezettelt.

Die Gewerkschaft der Gefängnisangestellten erklärte, aufgrund von Geldproblemen werde die Einrichtung nicht ausreichend instand gehalten. "Die Gefangenen klagen über schlechtes Essen, es gibt keine Anwälte, die ihre Prozesse vorbereiten, keine grundlegenden Hygieneartikel, zu wenig Justizvollzugsbeamte", erklärte die Gewerkschaft. "All diese Faktoren zusammen mussten zu einer Tragödie führen."

In Brasilien sitzt rund eine halbe Million Menschen in Haft. Viele Gefängnisse sind hoffnungslos überfüllt, weshalb es immer wieder zu Aufständen kommt. Erst im Mai hatte es im Nordosten des Landes eine Gefängnismeuterei gegeben, bei der vier Wärter und mehr als hundert Besucher von Insassen als Geiseln genommen wurden. Der Aufstand wurde durch die Verlegung von 16 Insassen in andere Haftanstalten beendet.

AFP/dpa

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