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Wie hoch ist das Demenz-Risiko? Forscher finden mögliches Frühwarnzeichen

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Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Alzheimer oder anderen Demenz-Erkrankungen. Nun haben Forscher ein mögliches Frühwarnsignal erkannt. © ROBERT KALB / robertkalb photographien / Imago

Spazierengehen ist nicht nur gesund, sondern kann auch helfen, Krankheiten früh zu erkennen. Eine aktuelle Studie zeigt, was die Gehgeschwindigkeit über Demenz verrät.

Victoria/Australia - Während der Corona-Pandemie gingen viele Menschen häufiger spazieren. Diese sanfte Art sich zu bewegen stärkt das Immunsystem, lindert Stress und kurbelt den Stoffwechsel an. Doch Spazierengehen ist nicht nur gesund, sondern kann offenbar auch helfen, Krankheiten zu erkennen, bevor sie ausbrechen. Eine aktuelle Studie aus Australien zeigt: Die Gehgeschwindigkeit kann auf Demenz hinweisen.

Studie untersucht Zusammenhang von Gehgeschwindigkeit und Demenz

Ein Rückgang der Gehgeschwindigkeit wird in Fachkreisen seit längerem als Warnzeichen für zunehmende Gebrechlichkeit oder andere Einschränkungen gesehen. Forschungen weisen daraufhin, dass ein langsameres Gehtempo auch in Zusammenhang mit kognitiven Einschränkungen stehen könnte. Wissenschaftler vermuten, dass dies an einem Schrumpfen des rechten Hippocampus liegt, der als Schaltstelle des Gehirns zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis gilt.

Eine Ende Mai im Fachjournal Jama erschienene Studie des Forscherteams um Taya A. Collyer von der Peninsula Clinical School der australischen Monash Universität hat nun einen genaueren Zusammenhang gefunden. Wer jedes Jahr mindestens fünf Prozent langsamer geht und gleichzeitig Anzeichen zeigt, Informationen langsamer zu verarbeiten, hat demnach eine hohe Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken.

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler 17.000 Probanden über 65 Jahre. Die Studienteilnehmer führten jedes zweite Jahr kognitive Tests durch, die Rückschlüsse auf die Gedächtnisleistung, die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit und flüssiges Sprechen zuließen. Zudem wurden die Probanden gebeten, drei Meter zu gehen. Den Mittelwert aus zwei Messungen nahmen die Forscher als Durchschnittsgeschwindigkeit an.

Studie: Wer hat das größte Demenz-Risiko?

Aus Sicht der Forscher kommt dem Gehtempo eine wichtige Rolle zu: „Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Gangs bei der Risikobewertung von Demenz“, schrieb die Hauptautorin Taya Collyer, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Peninsula Clinical School der Monash University im australischen Victoria tätig ist.

Das größte Demenzrisiko zeigten Probanden, die sowohl eine langsamere Gehgeschwindigkeit als auch einen geistigen Verfall zeigten. Die Wissenschaftler sprechen in ihrer Studie von „Dual Decliners“, also Menschen mit einem doppelten Rückgang - sowohl beim Gehen als auch beim Verstehen. Wer hingegen nur in einem von beiden Punkten eine Verschlechterung zeigte, hatte ein geringeres Risiko.

Training kann gegen Demenz vorbeugen

In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen. Regelmäßiges Training soll dem Schrumpfen des Hippocampus vorbeugen können. So zeigte etwa eine randomisierte klinische Studie aus dem Jahr 2011, dass regelmäßiges Aerobic-Training den rechten vorderen Hippocampus um zwei Prozent vergrößerte. Bei der Kontrollgruppe, die im Studienzeitraum nur Dehnübungen machte, schrumpfte der Hippocampus hingegen um 1,43 Prozent. Neben Aerobic können auch andere Sportarten helfen, die Herzfrequenz zu beschleunigen etwa Tanzen, Radfahren, Schwimmen oder andere Cardio-Trainings. Schlafprobleme können laut einer anderen Studie übrigens ebenfalls ein frühes Warnsignal sein und auf Demenz hinweisen.

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