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Ein Blick auf den Frachter Ezadeen.

Mit 450 Flüchtlingen

"Geisterschiff" in Italien angekommen

Rom - Es scheint ein Riesengeschäft ohne Risiko für die Schlepper zu sein. Sie gehen noch auf offenem Meer von Bord und überlassen die Flüchtlinge ihrem Schicksal. Dann liegt es an Italiens Küstenwache, die Katastrophe zu verhindern.

Rund 450 Flüchtlinge haben an Bord des führerlosen Frachters „Ezadeen“ den sicheren Hafen der süditalienischen Stadt Corigiliano Calabro erreicht. Es ist der zweite Vorfall dieser Art innerhalb weniger Tage. Die Menschenschmuggler hatten die überwiegend aus Syrien stammenden Menschen zuvor auf offener See ihrem Schicksal überlassen. Viele der Flüchtlinge an Bord des fast 50 Jahre alten, unter der Flagge Sierra Leones fahrenden Frachters für Viehtransporte litten unter Unterkühlung.

Das Phänomen, Flüchtlinge auf führerlosen Schiffen im Mittelmeer zurückzulassen, stellt allem Anschein nach eine neue Methode der Schleuserbanden dar. Bereits am Mittwoch hatten die italienischen Behörden den Frachter „Blue Sky M“ mit knapp 800 Menschen an Bord auf hoher See gestoppt und an Land begleitet. Von der Besatzung fehlte ebenfalls jede Spur.

Nach Ansicht der EU-Grenzschutzagentur Frontex belegen die „Geisterschiffe“ im Mittelmeer einen „neuen Grad der Grausamkeit“. Der Schmuggel von Flüchtlingen sei ein „Multimillionengeschäft“, sagte Pressesprecherin Ewa Moncure in Warschau. Giovanni Pettorino von der italienischen Küstenwache sagte der Nachrichtenagentur Adnkronos, die Menschenschmuggler hätten wegen der hohen Einnahmen durch die Fahrpreise keine Skrupel, das Schiff mit Autopilot zu programmieren und zu verlassen.

Die manövrierunfähige „Ezadeen“ war von einem Flugzeug entdeckt worden, das nach Angaben der Küstenwache Kontakt zur Besatzung des Frachters aufnehmen wollte, die jedoch nicht antwortete. Gemeldet hatte sich via Funk schließlich eine Passagierin, die erklärte, dass die Besatzung das Schiff verlassen habe.

Der 1966 gebaute Frachter sollte den französischen Mittelmeerhafen Sète ansteuern. Nach Angaben des Schiffsinformationsdienstes MarineTraffic war der letzte bekannte Hafen, in dem der Frachter Mitte Dezember angelegt hatte, Famagusta in der nur von der Türkei anerkannten Türkischen Republik Nordzypern.

Die innenpolitische Sprecherin der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, Monika Hohlmeier (CSU), forderte eine rasche Reaktion der EU auf die jüngsten Vorfälle im Mittelmeer. Innenkommissar Dimitris Avramopoulos müsse eine Sicherheitsstrategie zur Bekämpfung des internationalen Menschenhandels präsentieren, sagte Hohlmeier der Zeitung „Die Welt“.

Die EU-Kommission in Brüssel lobte die Anstrengungen der italienischen Behörden. Sie würden von der europäischen Grenzschutzmission „Triton“ unterstützt. „Die Rettung der „Blue Sky M“ vor zwei Tagen und der „Ezadeen“ zeigen, dass (Menschen-) Schmuggler neue Wege finden, um in das EU-Gebiet zu gelangen“, sagte eine EU-Sprecherin. Der Kampf gegen den Menschenschmuggel bleibe auch im neuen Jahr eine Priorität der Kommission.

dpa

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