Gemischte Reaktionen auf Papstbesuch

Berlin/Hamburg/Passau - Die Reaktionen auf den Besuch von Papst Benedikt XVI. sind durchwachsen: Während die Vertreter der Katholiken zufrieden sind, hätte sich vor allem die evangelische Kirche im Norden mehr Dialog gewünscht.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, zeigt sich zufrieden mit dem Besuch Papst Benedikts XVI. in Deutschland. “Die Behauptung, dass die deutschen Katholiken Rom und dem Papst kritisch gegenüberstehen, ist nun wirklich widerlegt“, sagte Glück der “Passauer Neuen Presse“ (Montagausgabe) laut Vorabbericht und verwies auf den großen Zuspruch bei den Papstmessen.

Glück sagte, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken fühle sich nach dem Treffen mit dem Papst ermutigt weiterzumachen. Die Kirche müsse endlich auf Menschen mit Lebensbrüchen zugehen und ihren Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten überdenken. Diese sind bisher von der Kommunion ausgeschlossen. Glück sagte, der Dialog sei wichtig, damit die katholische Kirche in Deutschland nicht auseinanderdrifte, sondern ihre Einheit bewahren könne.

Die Evangelische Kirche in Norddeutschland reagiert dagegen enttäuscht auf den Papstbesuch in Deutschland. Der Vorsitzende der Kirchenleitung der Nordelbischen Kirche, Bischof Gerhard Ulrich, sagte dem “Hamburger Abendblatt“ (Montagausgabe) laut Vorabbericht, er sei vom Ergebnis der Gespräche und der Ansprache Benedikts XVI. in Erfurt ernüchtert. “Ich hatte mir einige Hinweise zumindest zu konkreten ökumenischen Problemen gewünscht, wie zum Beispiel zur Teilnahme konfessionsverschiedener Eheleute an der Eucharistie“, sagte er.

Papst Benedikt XVI. in Deutschland: Die besten Bilder

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Ulrich sagte, der Besuch habe mit Sicherheit die katholischen Christen gestärkt. Benedikts Aufruf zur “Treue zu Rom“ zeige aber deutlich die unterschiedlichen Kirchenverständnisse der Konfessionen.

Auch aus der Politik kommt Kritik: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kritisiert die Unnachgiebigkeit Papst Benedikts XVI. in der kirchlichen Reformdebatte. “Innerkirchliche Kritik wird zu schnell als illoyal und ungehorsam hingestellt, statt zu sehen, dass sie aus Sorge erfolgt“, sagte Kretschmann der Zeitung “Die Welt“ (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Die Kirche könne ja entscheiden, keine Frauen in Weih- und Leitungsämtern zuzulassen. “Aber dann soll sie es bitte begründen und sich auf den Streit darüber einlassen, statt einfach zu sagen, so war es und so bleibt es“, sagte er.

Kretschmann kritisierte auch, dass es beim Papstbesuch nicht stärkere Signale zur Ökumene mit der Evangelischen Kirche gegeben habe. “In Baden-Württemberg ist die Hälfte aller Ehen konfessionsverschieden. Es geht um ganz praktische, seelsorgerische Fragen“, sagte das Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken.

dapd

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