1. Startseite
  2. Welt

Studie über das Gendern verblüfft: Wer das Gender-Sternchen im Alltag will – und wer nicht

Erstellt:

Von: Kathrin Reikowski

Kommentare

Lehrerin nach drei verschiedenen Gender-Schreibweisen geschrieben
Gendern mit Sternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt: Die heftig umkämpfte Grammatikneuerung war Gegenstand einer Studie aus Augsburg. © Uli Deck/dpa/dpa Bildfunk

Eine bundesweite Studie zeigt jetzt, welche Bevölkerungsgruppen das Gendern eher befürworten, welche eher ablehnen. Ein Ergebnis verblüfft.

Augsburg - Bürger*innen, Lehrer/innen, Tänzer:innen - Gender-Schreibweisen haben das Potential, Freundschaften und Familien zu spalten, wie es sonst nur Corona oder der Klimawandel tun. Das Augsburger Institut für Generationenforschung will jetzt Fakten in die überhitzte Debatte bringen. Aus ganz Deutschland nahmen 2398 Menschen zwischen 16 und 71 Jahren anonym an der Studie teil. Von ihnen fanden 46 Prozent die Debatte wichtig, 43 Prozent unwichtig, 11 Prozent neutral.

Die Generation bis zum Alter von etwa 50 Jahre findet es demnach wichtig, sich überhaupt über das Thema Gendern zu unterhalten. In der Altersgruppe darüber lassen Interesse und Verständnis dafür aber schnell nach. Und eine weitere umkämpfte Linie liegt auch bei Ü/U-50. Müssten sich die Menschen für eine Regeln entscheiden, würden die über 50-Jährigen den Schrägstrich wählen (Lehrer/innen), die unter 50-Jährigen das Sternchen (Lehrer*innen). Das Sternchen soll Raum für eine Leerstelle geben - und damit auch Personen ansprechen, die sich keinem der Geschlechter zugehörig fühlen.

Gendern im Alltag - ja oder nein? Es sind nicht die Jüngsten, die sich dafür aussprechen

Während 61 Prozent der Männer die Debatte unwichtig finden, sind es bei Frauen nur 38 Prozent. Von denen wiederum empfindet mit 52 Prozent eine knappe Mehrheit das Thema wichtig. Im Osten Deutschlands hielten 27 Prozent der Menschen das Thema für wichtig, im Westen 51 Prozent. Einigkeit herrschte über alle Alters- und Bildungsgruppen sowie Regionen hinweg darin, dass die Debatte aktuell „nicht gut geführt“. Hier waren es 65 Prozent der Frauen und 68 Prozent der Männer, die das angaben.

Vielleicht überraschend an der Studie: Es waren nicht die jüngeren Teilnehmenden, die der Debatte die größte Wichtigkeit zuschrieben. Hier waren es nur 39 Prozent, während sich bei der mittleren Altersgruppe 44 Prozent für Gendern im Alltag aussprachen. „Die Gruppe mit den meisten Gender-Befürworter:innen ist weiblich, lebt in Westdeutschland, hat einen Hochschulabschluss und ist zwischen 30 und 45 Jahre alt“, sagt Studienleiter Rüdiger Maas.

Fazit der Studie: Mehrheit der Befragten lehnt Art und Weise der Debatte um das Gendern ab

Im Fazit der Studie ist zu lesen: „Die Mehrheit der Befragten lehnt die Art und Weise, wie die Debatte um das Gendern medial diskutiert wird, ab. Das Gros der Befragten steht einer Gendervorgabe und dem Gendern im alltäglichen Sprachgebrauch ablehnend gegenüber.“ 73 Prozent der Männer und 57 Prozent der Frauen hatten eine feste Vorgabe abgelehnt. Befragte hätten darauf hingewiesen, dass die Debatte „einen Systemfehler“ aufzeige und wichtig sei, aber auch, dass es „wichtigere Themen“ gebe.

Maas weist auf wissenschaftliche Erkenntnisse der Cornell University hin: Sprachvorgaben könnten in gemischten Gruppen Kreativitätsprozesse anregen. „In pluralen Gesellschaften, wie in Deutschland, sollten normierte Formen der Sprache intensiver diskutiert werden“, so Maas. Wenn, dann müsste man aber anders diskutieren, das macht die Studie auch klar.

Die so genannte „Gender-Pay-Gap“ ist Teil des Sondierungspapiers einer möglichen Ampel-Koalition in Deutschland. (kat)

Auch interessant

Kommentare