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Georgien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Georgisch-orthodoxe Sioni-Kathedrale in Tiflis
Georgisch-orthodoxe Sioni-Kathedrale in Tiflis © Konrad Zelazowski / IMAGO

Georgien beeindruckt mit seiner Geografie und einer lebendigen Geschichte. Der Staat am Schwarzen Meer hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte in den Bereichen Politik und Wirtschaft gemacht. Er unterhält enge Handelsbeziehungen mit der EU und ist ein Geheimtipp für Touristen.

Tiflis – Der Staat Georgien war schon in der Antike berühmt, wie die griechische Mythologie über die Argonauten und ihre Suche nach dem Goldenen Vlies beweist. Das sagenhafte Königreich Kolchis befand sich auf dem Gebiet des heutigen Westgeorgiens. Da viele Etappen dieser antiken Reise genau beschrieben werden, können Touristen sich heute noch auf die Spuren von Iason und des Schiffes Argo machen.

Georgien: Wissenswertes zur Geografie des Staates

Georgien liegt in Vorderasien und ist damit eine wichtige Schnittstelle zwischen Europa und Asien. Der Staat grenzt im Norden an Russland, im Südosten an Aserbaidschan und im Süden an Armenien sowie die Türkei. Im Westen befindet sich das Schwarze Meer.

Die Geografie des Landes zeigt einige interessante Details: Georgien umfasst eine Fläche von 69.700 Quadratkilometern, was etwa der Größe von Bayern oder Irland entspricht. Davon sind gut 87 Prozent Gebirge und Vorgebirge. Etwa die Hälfte des Landes liegt höher als 1.000 Meter. Der Schchara mit 5.201 Metern bildet hierbei den höchsten Berg des Landes.

Die Oberflächenstruktur Georgiens setzt sich folgendermaßen zusammen:

Der Staat ist zudem reich an Gewässern. Den größten Fluss bildet mit einer Gesamtlänge von 1.364 Kilometern der Kura. Größter See des Landes ist der Parawani mit circa 37,5 Quadratkilometern Fläche.

Wissenswertes zum Klima Georgiens

Innerhalb Georgiens gibt es große klimatische Unterschiede. In der Küstenregion herrschen subtropische, feucht-warme Klimaverhältnisse vor. In Richtung Osten ist das Klima mehr und mehr kontinental und trocken. Hier gibt es warme Sommer und kalte Winter mit wenig Schnee.

Staat Georgien: Eckdaten der Geschichte

In der Antike stand Georgien unter der Herrschaft der Römer, später unter der der Perser und Byzantiner. Seit dem Mittelalter weist die Geschichte des Staates einige interessante Meilensteine auf:

Staat Georgien: Die Demografie

Georgien hat etwa 3,7 Millionen Einwohner (Stand: 2019). Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von rund 65 Einwohnern pro Quadratkilometer. Damit ist der Staat eher dünn besiedelt. Die meisten Menschen leben in den großen Städten. Die bedeutendsten sind:

Die Demografie Georgiens ist zudem multi-ethnisch. Zu den mehr als 25 Volksgruppen im Staat gehören:

Dazu kommen je gut ein Prozent Osseten, Assyrer und Abchasen. Der Rest der Bevölkerung stammt von anderen Volksstämmen wie Kurden oder Lasen.

Die offizielle Amtssprache in Georgien ist Georgisch. Im Nordwesten des Staates befindet sich die autonome Republik Abchasien, dort sprechen die Einwohner zusätzlich Abchasisch.

Georgien: Die Politik des Staates

Georgien ist eine parlamentarische Republik mit zentralisierter Verwaltung. Wie in den USA ist das Staatsoberhaupt der Präsident, der gleichzeitig die Aufgaben des Regierungschefs und bei Bedarf des obersten militärischen Befehlshabers innehat.

Der Präsident des Staates steht einem Kabinett aus 14 Ministern und einigen Regierungskomitees vor. Außerdem nominiert er den Premierminister, den das georgische Parlament bestätigen muss.

Aktuelle Präsidentin von Georgien ist seit dem 1. Dezember 2018 Salome Surabischwili. Sie ist die erste Frau, die diesen Posten in Georgien innehat. Die ehemalige Diplomatin und französische Botschafterin bekleidete von 2004 bis 2005 das Amt der Außenministerin von Georgien. 2006 gründete sie die Oppositionspartei „Georgiens Weg“.

Daneben ist die „Vereinte Nationale Bewegung (ENM)“ die einflussreichste Partei im Land. Sie war vor 2018 Regierungspartei und bildet derzeit die alleinige Opposition.

Bei den Parlamentswahlen von 2020 bezichtigte die ENM die Partei „Georgiens Weg“ des Wahlbetrugs und der Wahlbeeinflussung. Internationale Beobachter bestätigten diese Behauptungen nicht. Dennoch weigerten sich Teile der Opposition, ihre Arbeit aufzunehmen, und erkannten den Sieg von „Georgiens Weg“ nicht an. Seither kommt es im Staat immer wieder zu Protesten und Regierungskrisen.

Georgien und die Wirtschaft

Als die Sowjetunion Anfang 1990 zusammenbrach, stürzte Georgien in eine schwere Wirtschaftskrise. Der einst wohlhabende Staat verarmte zusehends. Grund dafür waren vor allem die Sezessionskriege und die Wirtschaftsblockade von Russland. Die Arbeitslosigkeit stieg rapide an, während die Produktion im Staat 1991 nur noch ein Viertel des Levels von 1989 betrug.

Umfangreiche Kredite, der Abbau der Bürokratie und eine Währungsreform stabilisierten die wirtschaftliche Lage im Land allmählich. Heute besitzt Georgien ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 15,89 Milliarden Dollar (Stand: 2020).

Wichtige Standbeine von Georgiens Wirtschaft sind vor allem:

Die bedeutendsten Handelswaren des Staates stellen landwirtschaftliche Produkte wie Wein, Weintrauben, Tee und Zitrusfrüchte dar. Des Weiteren exportiert das Land die Metalle Mangan und Kupfer sowie kleinere Mengen Chemikalien und Textilien.

Strom wird zunehmend ein wichtiger Handelsartikel. Georgien produziert den Großteil seines Energiebedarfs mithilfe von Wasserkraft selbst. Durch die zahlreichen Flüsse erzeugt es so viel grüne Energie, dass es damit andere Länder beliefern kann. Hauptabnehmer sind Russland und die Türkei.

Staat Georgien: Tourismus und Kultur

Tourismus war bereits zur Zeit der Sowjetherrschaft ein wichtiger Wirtschaftssektor in Georgien. Besonders im Gebirge und an der Schwarzmeerküste entstanden jede Menge Sanatorien, Hotels und Ferienanlagen.

Beliebte Reiseziele sind bis heute Kurorte und Städte wie:

Nach dem Wirtschaftskollaps Anfang der 1990er-Jahre erholte sich dieser Wirtschaftszweig erst allmählich wieder. Ab 2010 entwickelte sich der Tourismus erneut zu einem bedeutenden Sektor. Allein im Zeitraum von 2010 bis 2014 verdoppelte sich die Anzahl der Besucher im Land nahezu. 2019 machten das Hotel- und Gaststättenwesen sowie die Freizeitindustrie acht Prozent des BIP aus.

Georgien gilt aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit als Geheimtipp in der Reisebranche. Die Einwohner nennen den Staat „Gottes eigenes Land“, da Georgien Legenden zufolge Gott als Ruhesitz diente, um sich von der Schöpfungsarbeit auszuruhen.

Ein weiteres Aushängeschild Georgiens sind seine große Gastfreundschaft und eine vitale und facettenreiche Kultur. In dem osteuropäischen Land gibt es noch viele lebendige Traditionen. So sind das Tragen der Landestrachten, Singen und Tanzen im Alltag weitverbreitet. Kinder lernen die traditionellen Lieder und Tanzschritte bereits im Kindergarten.

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