Mirco-Prozess: Was ist dran an den Spekulation?

Krefeld - Im Prozess um die Ermordung des zehnjährigen Mirco ist das Gericht einer seit Wochen kursierenden Spekulation nachgegangen.

Mit der Vernehmung weiterer Zeugen ist am Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco aus Grefrath (Kreis Viersen) fortgesetzt worden. Das Krefelder Landgericht wollte damit Spekulationen ausräumen, wonach der angeklagte Olaf H. mit seinem Geständnis jemanden decken könnte. Das Rätselraten über das Motiv des Angeklagten geht unterdessen weiter.

Die zweite Ex-Frau des Angeklagten hatte am Montag noch einmal gesagt, für sie gebe es mit Blick auf das Geständnis ihres früheren Mannes nur zwei Möglichkeiten. “Entweder sind es wirklich zwei Persönlichkeiten oder er schützt jemanden“, sagte sie. Einen Verdacht, wen er decken könnte, habe sie jedoch nicht.

Das Gericht hörte am Vormittag einen weiteren Zeugen aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten an, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen wurde. Der Vorsitzende Richter betonte mehrfach, dass es keinen Anlass gebe anzunehmen, dass diese Person etwas mit der Tat zu tun habe. Auch nach der Vernehmung waren sich sowohl Gericht als auch die Anwälte aller Prozessparteien in dieser Einschätzung einig.

Streitgespräch gab es offenbar nicht

Das Motiv des mutmaßlichen Mörders blieb weiter unklar. Auch er stehe vor einem großen Rätsel, sagte sein Verteidiger. Olaf H. selbst hatte angegeben, am Tattag von seinem Chef heruntergeputzt worden zu sein und deshalb unter starkem Stress gestanden zu haben. Beim Herumfahren zum Stressabbau sei er dann auf den Jungen gestoßen. Telefonrechnungen zufolge, die sein Chef bei Gericht einreichte, hat es jedoch am Tattag offenbar gar kein Gespräch zwischen H. und seinem Chef gegeben.

Das Gericht geht derzeit auch nicht davon aus, dass Olaf H. den Mord aus Ärger über eine ausgebliebene Erektion verübt haben könnte. Am Freitag (23. September) soll der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten über Olaf H. vorlegen.

Dem Familienvater wird vorgeworfen, Mirco am 3. September 2010 verschleppt, missbraucht und getötet zu haben. Das Urteil soll voraussichtlich am 29. September verkündet werden.

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dapd/dpa

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