Nach 62 Jahren

Südkorea: Ehebruch-Gesetz abgeschafft

Seoul - Fremdgehen in der Ehe galt in Südkorea bisher als Verbrechen. Menschen, die wegen Ehebruchs angeklagt wurden, drohte im Extremfall sogar Gefängnis. Damit ist jetzt Schluss.

Südkorea ist noch stark von konfuzianistischen Traditionen geprägt - doch nach 62 Jahren wird Ehebruch künftig nicht mehr als Verbrechen geahndet. Das Verfassungsgericht entschied am Donnerstag, dass die zuletzt umstrittene Gesetzesregelung zum Verbot des Ehebruchs verfassungswidrig ist. Sieben von neun Richtern votierten für die Abschaffung des Ehebruchsparagraphen, wie eine Sprecherin des Gerichts in Seoul sagte.

Eheliche Treulosigkeit konnte bisher im Höchstfall mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden. Etwa 5400 Südkoreaner, die seit 2008 wegen des Vorwurfs des Ehebruchs angeklagt oder verurteilt wurden, können nach Angaben der Sprecherin jetzt damit rechnen, dass ihr Fall zu den Akten gelegt oder neu aufgerollt wird. Nur eine kleiner Teil der Betroffenen kam tatsächlich in Haft.

Die Ansichten der Richter spiegeln die seit Jahren geführte Diskussion in dem wirtschaftlichen Tigerstaat um die Abschaffung des Verbots. Fünf der Richter waren der Meinung, dass „der Paragraf die Freiheit des Einzelnen, seinen Sexualpartner zu wählen, und das Recht auf Privatsphäre verletzt“. Die Regelung sei nicht mehr zeitgemäß. Zwei weitere Richter schlossen sich nach Berichten südkoreanischer Medien dieser Meinung an.

Zwei Richter widersprachen: Das Gesetz sei nötig, um die Sexualmoral aufrechtzuerhalten und die Institution der Ehe zu schützen. Zwischen 1990 und 2008 hatte das Verfassungsgericht bei vier Abstimmungen noch für den Erhalt des Gesetztes entschieden.

Etwa 53 000 Südkoreaner wurden seit dem Inkrafttreten des Gesetzesparagrafen 1953 wegen Ehebruchs angeklagt. Südkorea war bisher neben Nordkorea und Taiwan nur noch eines von drei asiatischen Ländern, die Ehebruch unter Strafe stellten, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rentner stolpert mit Bunsenbrenner in der Hand: Lebensgefährlich verletzt
Bei einem schweren Gartenunfall in Hamburg hat sich ein 80 Jahre alter Mann lebensgefährliche Verbrennungen zugezogen.
Rentner stolpert mit Bunsenbrenner in der Hand: Lebensgefährlich verletzt
Flugbetrieb bei British Airways weiter gestört
Lange Schlangen, verärgerte Passagiere: Ein Ausfall der IT-Systeme hat bei der Fluggesellschaft British Airways Chaos ausgelöst. Die BA strebt jetzt einen "fast normalen …
Flugbetrieb bei British Airways weiter gestört
Privatjet von Elvis versteigert
Washington (dpa) - Ein Privatjet, der einst von Rock'n'Roll-Legende Elvis Presley (1935-1977) genutzt wurde, ist jetzt bei einer Online-Auktion versteigert worden.
Privatjet von Elvis versteigert
Tierquälerei: Männer füllen kleinen Alligator mit Bier ab 
Tierschützer und Snapchat-User sind über diese Art der Tierquälerei entsetzt: Zwei Männer haben einen kleinen Alligator Bier verabreicht und die Bilder davon ins Netz …
Tierquälerei: Männer füllen kleinen Alligator mit Bier ab 

Kommentare