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Gerichtsakten belegen: Josef Fritzl ein verurteilter Vergewaltiger

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Wien - Der Inzest-Täter Josef Fritzl ist vor gut 40 Jahren wegen der Vergewaltigung einer jungen Frau verurteilt worden. Dies belegen Gerichtsakten, die nun wieder aufgetaucht sind, wie die "Oberösterreichischen Nachrichten" Linz am Freitag berichteten. Er habe sein 24 Jahre altes Opfer 1967 vergewaltigt.

Außerdem habe er im gleichen Jahr versucht, eine 21 Jahre alte Frau bei einem Spaziergang in einen Wald zu zerren, um sie zu vergewaltigen. Nach Angaben des Blattes liegen der Justiz des Landes seit Mittwoch entsprechende Akten vor. Danach sei Fritzl der Polizei auch im Zusammenhang mit einem Exhibitionismusfall gemeldet worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft St. Pölten gilt der Vorgang jedoch inzwischen als "getilgt". Inzwischen hat eine weitere Frau in Linz behauptet, seinerzeit von Fritzl vergewaltigt worden zu sein.

Die Schwägerin Fritzls hatte bereits in einem Interview des Boulevard-Blatts "Österreich" vom Donnerstag erklärt, ihr Schwager habe bereits vor 40 Jahren wegen Vergewaltigung im Gefängnis gesessen. Wegen der Verjährungsfristen wird die Staatsanwaltschaft aber keine Auskunft mehr über diese Fälle geben, sagte deren Sprecher am Freitag in St. Pölten. Josef Fritzl hat gestanden, seine Tochter Elisabeth von 1984 an in ein Kellerverlies eingesperrt und sexuell missbraucht zu haben. Er zeugte sieben Kinder mit ihr.

Die Behörden in Amstetten hatten bisher stets erklärt, ihnen seien keine Fakten bekanntgewesen, die dagegen sprachen, dass Fritzl in den 90er Jahren drei Kinder adoptierte oder als Pflegekinder aufnahm. Die jetzt aufgetauchten Akten über die Vergewaltigung lagerten in den 90ern wegen der Verjährung bereits im einem Archiv. Die drei Kinder, die Fritzl annahm, stammten aus dem Inzest mit seiner Tochter. Den Behörden gaukelte er damals vor, seine weggelaufene Tochter Elisabeth habe die Kinder vor seiner Türschwelle abgelegt.

Die Sonderkommission, die in dem grausigen Verbrechen ermittelt, fand inzwischen heraus, dass der Täter das Kellerverlies, in dem er seine Tochter und drei ihrer Kinder jahrelang gefangen hielt, durch insgesamt zwei Stahltüren gesichert hatte. Bisher war die Polizei davon ausgegangen, dass das Labyrinth durch eine einzige, rund 300 Kilogramm schwere Stahlbetontür verschlossen wurde. Dies sagte der Ermittlungsleiter Franz Polzer am Freitag.

Die Experten versuchen außerdem herausfinden, ob durch die Türen Gas in das Verlies geleitet werden konnte. Fritzl hatte seiner Tochter nach deren Aussage gedroht, dass automatisch Gas in das Kellergefängnis geleitet würde, falls ihm etwas zustoßen sollte. Die Polizei sieht dies als einen der Gründe an, warum die Gefangenen nie versuchten, den heute 73-jährigen Vater zu überwältigen.

Polzer betonte, dass es "keinerlei Hinweise auf Mitwisser und Mittäter" gebe. Spekulationen, dass die Ehefrau des 73-Jährigen von dem Verlies wusste, bezeichnete der Kriminalist als unfair gegenüber der 68-Jährigen. "Das ist eine Sache, die sich nicht in das normale Denkvermögen einfügen lässt", sagte Polzer.

Inzwischen zitierte das Boulevardblatt "Kronenzeitung" ehemalige Mieter des Hauses in der Ybbsstraße, die in der Vergangenheit "Klopfgeräusche" aus dem Keller gehört haben wollten. Sie hätten sich allerdings dabei nichts gedacht, sagten sie dem Blatt vom Freitag.

Der in der Kriminalgeschichte beispiellose Fall lockt unterdessen zahlreiche "Katastrophentouristen" in die kleine Stadt Amstetten. Urlauber aus Deutschland etwa kämen von der Autobahn, um einen Blick auf das "Haus des Horrors" zu werfen. "Die Motivation, die dahinter steht, ist nicht nachzuvollziehen", sagte die Vizebürgermeisterin Ursula Puchebner.

Die Landesklinik Amstetten-Mauer, in der die Opfer untergebracht sind und psychologisch betreut werden, wird inzwischen von Journalisten, Fotografen und Kamerateams aus dem Ausland förmlich belagert, berichtete die Tageszeitung "Der Standard". Die Klinikleitung musste die Gebäude abschließen und einen Sicherheitsdienst engagieren, da Fotografen alles versucht hätten, um Zugang zu den Wohnräumen der Familie zu bekommen.

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