Er ließ die Germanwings-Maschine abstürzen

Todes-Pilot verhielt sich beim Aufstieg "auffällig"

Seyne-les-Alpes - Der Co-Pilot, der den Germanwings-Airbus in den französischen Alpen zum Absturz brachte, verhielt sich nach Aussage des Staatsanwaltes schon beim Aufstieg der Maschine auffällig.

Update vom 28. März: Die Ex-Freundin von Andreas L. schildert ihre Erlebnisse aus der gemeinsamen Beziehung im Jahr 2014.

Update vom 28. März: Alle News vom Samstag.

Update vom 27. März 2015: Die Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen erschüttert die Welt. Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic hat deswegen sofort reagiert und neue Regeln eingeführt, die von nun an im Cockpit gelten. Verfolgen Sie die weiteren Entwicklungen in unserem Ticker.

"Lakonisch" klangen die letzten Worte von Co-Pilot Andreas L., bevor er sich allein im Cockpit verriegelte - wenige Minuten später steuerte der 28-Jährige den Germanwings-Airbus mit 150 Menschen an Bord offenbar in voller Absicht gegen eine Bergwand. Der junge, deutsche Co-Pilot habe wohl den festen Willen gehabt, "dieses Flugzeug zu zerstören", lautete die Schlussfolgerung der französischen Staatsanwaltschaft am Donnerstag. So rätselhaft der fürchterliche Absturz des A320 in den französischen Alpen zunächst schien, so unfassbar ist nun die wahrscheinliche Erklärung für die Katastrophe.

Warum der aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur stammende Andreas L. offenbar einen solch unbegreiflichen Akt ausführte, konnte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, auch nicht erklären. Die Auswertung des am Absturzort gefundenen Stimmenrekorders aus dem Cockpit, der eine Rekonstruktion der Ereignisse erlaubte, gab darüber keinen Aufschluss. Klar ist nur, dass es für eine Verbindung des 28-Jährigen zu einer Terrorgruppe keinerlei Hinweise gibt. Rasch tauchte deshalb die Frage nach einem geplanten Suizid auf.

Bei dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf sprach der Co-Pilot den Aufzeichnungen zufolge in den ersten 20 Minuten noch "normal", "heiter" und "höflich" mit seinem Kollegen, dem Flugkapitän. Auffällig schien dem Staatsanwalt allerdings, dass Andreas L. nur "lakonisch" auf die Vorbereitungen des Kapitäns zur Landung in Düsseldorf reagierte.

Als der Kapitän dann das Cockpit verließ, offenbar um auf die Toilette zu gehen, sperrte sich der Co-Pilot im Cockpit ein und sprach ab dem Moment "kein Wort" mehr - vergeblich rief und klopfte der Kapitän an die Tür, vergeblich versuchte die Luftkontrolle, Kontakt zu dem Co-Piloten aufzunehmen.

Andreas L. hatte zu dem Zeitpunkt bereits "absichtlich" den Knopf für Sinkflug im Cockpit gedrückt, wie die Ermittlungen ergaben. "Es war sonst niemand im Cockpit", versicherte der Staatsanwalt. Auch die These, dass der Co-Pilot bewusstlos gewesen sein könnte, schloss er im Grunde aus. Andreas L. habe bis zum Schluss normal geatmet, es habe keine Anzeichen von "Panik" bei ihm gegeben. Robin fügte hinzu: "Das ist nicht die Atmung von jemandem, der gerade einen Infarkt erleidet."

Die Unglücksmaschine, die bereits auf ihrer Reiseflughöhe von 10.000 bis 12.000 Metern angekommen war, sank ab 10.31 Uhr binnen acht Minuten auf rund 2000 Meter ab. "Die Alarmsignale gingen los, um der Besatzung die Nähe des Bodens anzuzeigen", sagte der Staatsanwalt.

Die offensichtlichen Versuche des Kapitäns, daraufhin die Cockpit-Tür aufzubrechen, kamen zu spät: Gegen 10.40 Uhr prallte der Airbus A320 in den südlichen französischen Alpen, wo die Gipfel um die 3000 Meter hoch sind, auf etwa 1500 Metern Höhe gegen eine Bergwand.

Germanwings-Absturz: Bilder vom Unglücksort, Trauer weltweit

Germanwings-Absturz: Einsatzbilder vom Unglücksort

Die Familien der Opfer, von denen viele just am Donnerstag in der Absturzgegend eintrafen, dürften fassungslos vom Ergebnis der Ermittlungen erfahren haben. Sie wissen jetzt aber auch, dass die Opfer wohl erst "im allerletzten Moment" merkten, dass sie sterben würden. Denn Schreie der Passagiere waren auf dem Stimmrekorder erst "in den letzten Augenblicken" vor dem Aufprall zu hören. "Der Tod trat sofort ein, denn diese Maschine, die mit 700 Stundenkilometern gegen den Berg prallte, ist im wahrsten Sinne des Wortes explodiert."

Alle aktuellen Infos zur Katastrophe erfahren Sie im Ticker.

AFP

Rubriklistenbild: © AFP

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