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Pastor Wegert sagt, er habe in seiner Predigt nicht die Opfer der Germanwings-Katastrophe gemeint.

"Haben den Tod verdient"

Deutscher TV-Pfarrer verspottet Germanwings-Opfer

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München - Das Gottesbild eines deutschen Pfarrers sorgt für Aufregung: In seiner Sonntags-Predigt hat Pastor Wolfgang Wegert auch die Opfer der Germanwings-Katastrophe als "Schuldige" bezeichnet.

150 Menschen sind beim Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ums Leben gekommen. Die Welt steht auch Wochen später angesichts des Unfassbaren unter Schock, die Angehörigen der Opfer werden ein Leben lang versuchen, die Katastrophe zu verarbeiten. Ein deutscher Pastor jedoch hat anscheinend weder Trost noch Mitgefühl, nach seinem christlichen Verständnis haben die Toten ihr Schicksal verdient.

In seiner Predigt, die auch fürs Fernsehen aufgezeichnet wurde, schockte Pastor Wolfgang Wegert (72) am vergangenen Sonntag in Hamburg die Gemeinde mit den Worten "Wenn Menschen sterben, ob im Altersheim oder bei einem Flugzeugabsturz, sterben sie, weil sie schuldig sind."

Auch wenn er den Crash von Flug 4U9525 nicht explizit ansprach, wird doch unweigerlich jeder der Gläubigen sofort an den Germanwings-Crash vom 24. März gedacht haben. Die Auswertungen der Flugscheiber erhärtet den Verdacht, dass die Maschine wohl von dem Co-Piloten bewusst zum Absturz gebracht wurde. Nach Pastor Wegerts Auslegung wäre er quasi ein Werkzeug Gottes. An Bord befanden sich auch Kinder und Babys. Auch sie sollen für ihren eigenen Tod verantwortlich sein?

"Gott würde nichts Ungerechtes tun"

"Aufgrund unserer Sünde haben wir alle den Tod verdient", setzte der Geistliche seine Ausführungen fort. "Ohne Aufschub. Weil wir böse sind, müsste die Sintflut heute noch über diese Welt kommen. Und Gott würde nichts Ungerechtes tun, sondern handeln, was gerecht ist."

Wegert ist überzeugt, dass er nur eine Frage der Zeit ist, bis eine zweite Sintflut die Menschen auf der Erde auslöschen wird. Er fuhr nämlich fort: "Dass die Sintflut heute noch nicht gekommen ist, geht auf Gottes Langmut und Geduld zurück, aber schließlich wird er mit allen Generationen so verfahren wie mit Noahs Generation. Unsere Frage sollte nicht lauten “Warum mussten diese sterben?”, sondern sie müsste lauten “Warum dürfen wir noch leben?”"

Pfarrer lässt umstrittene Passage aus Predigt schneiden

Der Gottesmann merkte offenbar anschließend - wohl anhand der Reaktion der fassungslosen Gottesdienstbesucher -, dass er eine Grenze überschritten hatte. "Eventuell muss das aus der Sendung noch rausgestrichen werden”, warnte er den Aufnahmeleiter. So geschah es dann auch. Auf Youtube ist jedoch eine Audio-Aufnahme der umstrittenen Passage zu hören.

Wegert ist Gründer der evangelikalen Freikirche Missionswerk Arche und verbreitet seine Botschaft weltweit im Radio und im Rahmen der "Fernsehkanzel" seit Ende der 1980er-Jahre bei verschiedenen Privatsendern.

Pfarrer spricht von "Lapsus"

Der Hamburger Morgenpost sagte der Pastor, er habe sich lediglich einen "Lapsus" geleistet. "Als ich das Beispiel mit dem Flugzeugabsturz aussprach, stolperte ich selbst sofort darüber", zitiert ihn das Blatt. "Ich entschuldige mich dafür, ich habe damit nicht den Absturz der Germanwings-Maschine gemeint."

Diese Entschuldigung dürfte viele jedoch kaum zufriedenstellen. In den sozialen Medien ist man fassungslos. Auf seiner Facebook-Seite hagelt es übelste Beschimpfungen für den Gottesmann, "Hasspediger" ist noch einer der harmloseren.

hn

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