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Das Archivbild zeigt einen Blick durch Stacheldraht auf ein Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers Majdanek in Lublin (Polen), in dem die Gaskammern und Verbrennungsöfen untergebracht waren

Aufschrei über Bestatter-Idee

Geschmacklos? Krematorium neben KZ

Lublin - Leichenverbrennung in der Nachbarschaft der Schornsteine des früheren Konzentrationslagers Majdanek? Jüdische Organisationen und Holocaust-Überlebende sind geschockt von der Idee.

Für den Lubliner Beerdigungsunternehmer Henryk Jakóbczak ist es eine Frage von Fortschritt und Kundenfreundlichkeit. Auch im katholischen Polen gewinnt die Urnenbestattung immer mehr Anhänger, doch ein Krematorium gab es in der ostpolnischen Stadt bisher nicht. Die von Jakóbczak geplante Leichenverbrennungsanlage soll neben dem kommunalen Friedhof gebaut werden - und damit in unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Majdanek. Auf dem Gelände des einstigen Todeslagers wird in einem Mahnmal die Asche von rund 80.000 ermordeten Häftlingen aufbewahrt. Der Krematoriumsbau wird daher auch zu einer Frage der Pietät. Ende dieser Woche will sich der Lubliner Stadtrat mit dem Bauprojekt befassen.

Bürgermeister Krzysztof Zuk plädierte schon vor der Ratssitzung am Donnerstag für einen anderen Standort. Ein Ausbau der staatlichen Schutzzonen um ehemalige Vernichtungslager wäre eine Möglichkeit, den Krematoriumsbau nur 300 Meter von Majdanek entfernt zu verhindern. Das geltende Recht schreibt lediglich vor, dass im Umkreis von 100 Metern keine wirtschaftliche Nutzung und keine Bauten erlaubt sind, die die Würde der Gedenkstätten verletzen könnten.

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

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„In diesem Stadtteil sollte es keinerlei Krematorium geben, denn das gab es hier schon“, sagte Edward Balawajder, der ehemalige Direktor der Gedenkstätte Majdanek, dem Magazin „Newsweek Polska“. „Im Ausland wird der Name Majdanek nicht als Stadtteil von Lublin, sondern als ehemaliges Todeslager wahrgenommen“, betont Museumssprecherin Agnieszka Kowalczyk. „Die Absicht, hier ein Krematorium zu bauen, stößt (bei der Gedenkstätte) auf schwere Einwände.“

Auch die Anti-Defamation-League (ADL) hat in der vergangenen Woche in einem Schreiben an den Bürgermeister Protest gegen einen möglichen Krematoriumsbau angemeldet. „Alleine die Idee ist abstoßend, dass eine Firma es in Erwägung zieht, eine moderne Leichenverbrennungsanlage neben dem heiligen Boden anzusiedeln, der der Erinnerung an diejenigen gewidmet ist, die Unglaubliches erlitten haben“, heiß es in der Stellungnahme des amerikanischen ADL-Vorsitzenden Abraham Foxman. Er überlebte selbst den Holocaust.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Erinnerung an die Opfer des Holocaust und Bauprojekte in polnischen Städten, in denen die Nationalsozialisten ihre Todeslager bauten, zu teils erbitterten Kontroversen führten. So machte in Oswiecim vor einigen Jahren eine Diskothek in einem Gebäude Schlagzeilen, in dem während des Krieges Auschwitz-Häftlinge Zwangsarbeit geleistet hatten. Auch ein geplanter Schnellimbiss gleich neben der Gedenkstätte Auschwitz sorgte für Kontroversen - und eine zügige Verabschiedung des Schutzzonen-Gesetzes.

Bei Einwohnern von Oswiecim oder Lublin ist immer wieder zu hören, dass sie „normal“ leben wollten - ohne die Belastungen durch eine Vergangenheit, für die die deutsche Besatzung verantwortlich war. Polen sei schließlich auch ein Opfer der Nazis gewesen. Doch vor der Erinnerung kann man nicht fliehen, betont Roman Litman von der Jüdischen Gemeinde Lublin: „Wenn hier Leichen verbrannt werden, denkt jeder gleich an den Rauch aus den Schornsteinen von Majdanek.“

Von Eva Krafczyk

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