+
Immer öfter werden Polizisten bei Einsätzen tätlich angegriffen. Foto: Patrick Seeger

"Zunehmende Respektlosigkeit"

Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte nimmt deutlich zu

Sie werden geschlagen, bespuckt oder mit Böllern beworfen. Immer häufiger lassen Bürger ihren Frust an Polizisten aus. Woran das liegt, ist noch nicht hinreichend erforscht.

Berlin (dpa) - Polizisten werden im Einsatz immer häufiger brutal angegriffen. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht, stieg die Zahl der Gewaltdelikte gegen "Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen" innerhalb von vier Jahren um 22 Prozent.

2017 wurden bundesweit 4527 von ihnen Opfer von Gewaltdelikten, wie die Antwort zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Im Jahr 2013 waren 3710 Einsatzkräfte attackiert worden.

Nicht enthalten in dieser Statistik sind Rettungskräfte der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes und der Rettungsdienste. Laut Bundeskriminalamt waren im Jahr 2014 bundesweit 222 Rettungskräfte attackiert worden. In den darauffolgenden Jahren waren jeweils rund 280 ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter von Rettungsdiensten betroffen. Im Frühjahr 2017 hatte der Bundestag einen neuen Straftatbestand beschlossen, der ihrem Schutz dienen soll.

Auch Fälle von einfacher Körperverletzung gegen Polizisten bildet die Statistik nicht ab. Denn diese liegen unterhalb der Schwelle von Straftaten, die in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) als "Gewaltdelikte" erfasst werden. Jeweils zwischen 41 Prozent und 49 Prozent derjenigen, die in den vergangenen Jahren auf Einsatzkräfte losgingen, standen unter Alkoholeinfluss.

Der Anteil weiblicher Tatverdächtiger nahm zuletzt leicht zu. Er lag 2017 bei rund 13 Prozent. Bei "Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte" zeigte die PKS im vergangenen Jahr einen Anstieg von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr für nichtdeutsche Tatverdächtige, bei deutschen Tatverdächtigen verzeichnete die Polizei einen Rückgang um 1,8 Prozent.

Ein Grund für die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte ist nach Ansicht des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, eine "zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Menschen in Uniform und Mitarbeitern von Rettungsdiensten". Im Alltag erlebten seine Kollegen oft: "Ich frage nach dem Ausweis, und ich bekomme die Faust".

Gegen Einsatzkräfte der Bundespolizei wurden im vergangenen Jahr elf Mal Hieb- und Stichwaffen eingesetzt. "Wir haben auch einen Anstieg von Fehlzeiten im Dienst als Folge von schwerer Körperverletzung", sagte Radek.

Der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser sagte: "Erschreckend ist auch, mit welcher Brutalität gegen unsere Sicherheitskräfte vorgegangen wird, wenn Hieb- und Stichwaffen, Reizstoffe, Brand- und Pyrotechnik oder sogar Kraftfahrzeuge als Tatwaffen eingesetzt werden." Strategien im Umgang mit solchen Konfliktsituationen müssten in der Ausbildung ausreichend berücksichtigt werden. Die Innenminister von Bund und Ländern müssten alle Möglichkeiten ergreifen, um zum Beispiel die Feuerwehr oder das THW wirksam zu schützen.

Seit Mai 2017 werden Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte härter bestraft. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) geht das aber nicht weit genug. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Dabei dürfen wir allerdings nicht stehen bleiben: Statt einer Mindeststrafe von drei Monaten halte ich eine solche von sechs Monaten für tätliche Angriffe für angemessen." Wer sich Tag und Nacht für die Sicherheit der Bürger einsetze, müsse konsequent gegen gewalttätige Übergriffe geschützt werden.

Kleine Anfrage der FDP

IMK-Bericht

Änderung Strafgesetzbuch vom Mai 2017

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vermisstenfall Maddie McCann: neue Hoffnung - Ermittler verfolgen „kritische Spur“ 
Maddie McCann ist seit mehr als elf Jahren spurlos verschwunden. Was damals genau passierte, ist bis heute ein Rätsel. Jetzt dürfen  die Eltern Kate und Gerry McCann …
Vermisstenfall Maddie McCann: neue Hoffnung - Ermittler verfolgen „kritische Spur“ 
Markanter Wetter-Wechsel: Erster Schnee und eisige Temperaturen vorausgesagt
In einigen Teilen Deutschlands klettern die Temperaturen derzeit bis auf 20 Grad. Doch jetzt ist eine deutliche Abkühlung in Sicht. Dann sollen Eis und Schnee folgen.
Markanter Wetter-Wechsel: Erster Schnee und eisige Temperaturen vorausgesagt
Lotto am Mittwoch vom 14.11.2018: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Lotto am Mittwoch vom 14.11.2018: Hier finden Sie die aktuellen Lottozahlen vom Mittwoch. 4 Millionen Euro lagen heute im Jackpot.
Lotto am Mittwoch vom 14.11.2018: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
"Aktenzeichen XY...ungelöst" in Limburg: Überfall auf Geldtransporter stellt Polizei vor Rätsel
Ein Raubüberfall in Limburg beschäftigt die Beamten der Polizei seit mehreren Monaten - nun soll mit der TV-Fahndung "Aktenzeichen XY...ungelöst" der entscheidende …
"Aktenzeichen XY...ungelöst" in Limburg: Überfall auf Geldtransporter stellt Polizei vor Rätsel

Kommentare