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Paviane töten unter bestimmten Bedingungen den geborenen und sogar den ungeborenen Nachwuchs von fremden Weibchen, um sich selbst schneller mit diesen paaren zu können. Foto: Raphael Mututua/Duke University

Fortpflanzung

Gewaltbereite Paviane greifen trächtige Weibchen an

Wenn mächtige Männchen in eine neue Gruppe kommen, möchten sie sich schnell fortpflanzen. Doch schwangere Weibchen und solche mit jungem Nachwuchs sind nicht fruchtbar. Da schaffen sich einige Männchen brutal Abhilfe.

Kenia (dpa) - Männliche Paviane töten unter bestimmten Bedingungen den geborenen und sogar den ungeborenen Nachwuchs von fremden Weibchen, um sich selbst schneller fortpflanzen zu können. Das haben Forscher nun genauer untersucht.

Sie werteten die Daten von Paviangruppen aus, die seit 1971 in einem Reservat in Kenia leben, und veröffentlichten die Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B". Wenn mächtige Männchen neu zu der Gruppe kamen, stieg in einigen Fällen kurz darauf die Zahl der getöteten Jungtiere und Föten.

Von einigen Tierarten, wie Primaten, Löwen oder Walen ist bekannt, dass Männchen unter bestimmten Bedingungen nichtverwandte Säuglinge töten. Denn solange die Mutter das Kind nährt, ist ihre Fruchtbarkeit eingeschränkt. Besonders Tiere, die neu in eine Gruppe zuwandern, erzhöhen auf diese Weise ihre Fortpflanzungschancen. Wenig erforscht war bislang in welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen einige Primaten auch werdende Mütter angreifen und durch Attacken auf den Bauch ungeborene Kinder töten.

Eine Forschergruppe aus den Vereinigten Staaten und aus Kenia untersuchte dieses Verhalten, Fetozid genannt, nun genauer. Das Team um Matthew Zipple, von der Duke University in Durham analysierte Daten der vergangenen 45 Jahre über die kenianischen Paviangruppen. Dokumentiert waren auch die Zyklen der Weibchen, die bei Pavianen an äußerlichen Merkmalen erkennbar sind. Das Team konzentrierte sich jeweils auf den Zeitraum von zwei Wochen nach der Zuwanderung neuer männlicher Tiere. Die Forscher beobachteten das brutale Verhalten der Männchen bei der Studie nicht direkt, sondern zogen ihre Zahlen etwa aus der Rate abgebrochener Schwangerschaften. Auf Schwangerschaften konnten sie aufgrund der äußerlich sichtbaren Zyklus-Zeichen schließen.

Zu Problemen kam es nur, wenn bestimmten Tiere hinzukamen, die sich in kurzer Zeit einen hohen Status sicherten und auch einige Zeit in der Gruppe blieben. Der Status bestimmt sich bei Pavianen nach der Kampfkraft. 75 Alpha-Männchen kamen im Beobachtungszeitraum einzeln neu in Paviangruppen - meist ohne die Mitglieder zu gefährden. In 7 Fällen allerdings stieg die Zahl der Getöteten stark an, da die Ankömmlinge jeweils gleich mehrere Tiere angriffen. Laut der Forscher, töteten diese 7 Pavianen zusammengerechnet mindestens 6 Jungtiere und 13 Föten.

Die Forscher gehen davon aus, dass es sich nicht um eine allgemein übersteigerte Aggressivität oder um ein Machtgebaren handelte, da keine Jungtiere starben, die älter als ein Jahr waren. 15 Weibchen überlebten den Angriff auf ihren geborenen oder ungeborenen Nachwuchs und 11 von diesen paarten sich in der Folgezeit mit dem Angreifer. Keins dieser Weibchen wäre zu dem Zeitpunkt fruchtbar gewesen, wäre der Nachwuchs nicht getötet worden.

Die Forscher gehen daher davon aus, dass der Fetozid, genau wie die Kindstötung, unter bestimmten Bedingungen ein Selektionsmittel ist. Der Selektionsdruck und damit die Angriffe gegen den Nachwuchs nahmen, nach Forscherangaben zu, wenn die Gruppe relativ isoliert lebte und es besonders viel Nachwuchs und wenig Nahrung gab.

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