Blitze zucken des Nachts hinter der beleuchteten Stadt am Horizont, und schlagen nahe des Stuttgarter Fernsehturms ein
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Im Raum Stuttgart kommt es häufig zu Gewittern

Wenn es blitzt und donnert

Gewitter: Entstehung, Klassifikation und Gefahren

Es blitzt, donnert und binnen Minuten fällt sintflutartiger Regen: Gewitter wurden einst gefürchtet und tatsächlich können sie gefährlich werden. Wer Vorkehrungen trifft, braucht Blitz und Donner jedoch nicht zu fürchten.

  • Gewitterwolken entstehen, wenn große Mengen feuchtwarmer Luft in die Atmosphäre steigen.
  • Gewitter treten zu jeder Jahreszeit auf; im Sommer sind sie häufiger.
  • Zwischen 20 und 40 Gewitter kann man an einem Ort in Deutschland im Jahr erleben.

Offenbach – Mehr als 700.000 Blitze zählt der Deutsche Wetterdienst allein hierzulande täglich. Auf der Welt sind durchschnittlich in jedem Augenblick rund 1.600 Gewitter aktiv. Starke Winde bis hin zu Sturm- und Orkanböen begleiten Blitz und Donner häufig.

Gewitter: So entsteht es

Obwohl Gewitter überall und zu jeder Jahreszeit auftreten können, blitzt und donnert es in den Sommermonaten deutlich häufiger. Der Grund liegt am Wetter, das für die Entstehung des Gewitters verantwortlich ist: Sonneneinstrahlung lässt Wasser verdunsten. Die feuchtwarmen Luftmassen steigen hoch in die Atmosphäre und kondensieren. Eine Gewitterwolke (Cumulonimbus) bildet sich. Erkennbar ist sie an ihrer charakteristischen Amboss-Form.

Im Inneren der Wolke sind Wasser- und Eisteilchen kontinuierlich in Bewegung und reiben sich aneinander. Durch diesen Vorgang laden sie sich mit positiver und negativer Energie auf. Im oberen Teil nehmen die positiv, im unteren die negativen geladenen Teilchen zu. So baut sich ein Spannungsfeld auf, das sich schließlich durch eine Art Kurzschluss entlädt: Es blitzt. Dieser Blitz kann sich zwischen zwei Wolken abspielen oder auf die Erde treffen.

Gewitter: Auf Blitz folgt Donner

Der Entladungsvorgang dauert nur wenige Millisekunden. Für das menschliche Auge ist daher nicht sichtbar, dass es sich nicht um einen, sondern um mehrere „Blitzschübe“ handelt. Dabei werden große Mengen Energie freigesetzt: Ein Blitz ist bis zu 500.000 Ampere stark und erhitzt die unmittelbare Umgebungsluft kurzzeitig auf rund 30.000 Grad.

Aufgrund dieser Aufheizung dehnt sich die Luft explosionsartig aus. In der Folge ertönt ein Donner. Das sich daran oftmals anschließende hörbare „Grummeln“ ist die Reflexion dieser Schockwelle zwischen Luft und Boden.

Es gibt keinen Donner ohne Blitz. Das sogenannte Wetter-Leuchten, weit entfernte Blitze ohne den charakteristischen Knall, sind weit entfernte Gewitter, bei denen der Donner nicht mehr hörbar ist.

Gewitter: Gibt es Vorwarnungen?

Für die Entstehung einer Gewitterwolke treffen eine Reihe von Faktoren zusammen:

  • eine labile Schichtung der Luftmassen durch hohe Erwärmung
  • signifikante Temperaturunterschiede zwischen den oberen und unteren Luftschichten in der Atmosphäre
  • ein Aufsteigen der Luftmassen auf Höhen mit Temperaturen von mindestens minus 25 Grad
  • eine ausreichende Menge an Wasserdampf, der von der Erde in die Luft aufsteigt

Unmittelbar vor Ausbrechen eines Gewitters ist in einigen Fällen eine elektrische Aufladung der Atmosphäre zu beobachten, die sich durch ein Aufleuchten von Luftmolekülen zeigt. Gelegentlich ist dies etwa an Kirchtürmen als sogenanntes Elmsfeuer zu beobachten.

Diese Anzeichen sind ebenfalls Vorzeichen einer Veränderung des Wetters hin zu einem Gewitter:

  • Bildung der typischen Gewitterwolken („Haufenwolken“) in Amboss-Form
  • Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei gleichbleibend hohen Temperaturen
  • aufkommender Wind
  • rasch fallender und gleich anschließend stark steigender Luftdruck
  • starke Regen- und Hagelschauer

Gewitter: Klassifikationen

Die Entstehung von Gewittern ist prinzipiell immer gleich – warme Luftmassen treffen auf kalte. Dahinter stehen jedoch verschiedene Auslösemechanismen. Entsprechend unterteilt man Gewitter in unterschiedlichen Klassen:

Luftmassengewitter: Insbesondere sommerliche Wärmegewitter und Wintergewitter fallen in diese Gewitter-Klasse. Sie bilden sich, wenn die Temperatur der aufsteigenden Luftmassen mit zunehmender Höhe stark abnimmt, es am Boden zugleich wärmer ist. Wintergewitter sind selten; hier fehlt die Hitze am Boden. Dafür kühlen sich die Luftmassen durch polare Kaltluft stärker ab.

Frontgewitter: Kalte Luftmassen schieben sich bei diesem Gewitter-Typ unter wärmere, bodennahe Schichten, sodass diese mit in die Atmosphäre aufsteigen. Umgekehrt kann das Phänomen ebenfalls auftreten. Frontgewitter führen üblicherweise zu einem raschen Umschlagen des Wetters mit starken Temperaturunterschieden. Sie können zu jeder Jahreszeit auftreten.

Orographische Gewitter: Sie entstehen, wenn Luftmassen nicht auf andere Schichten, sondern auf ein physisches Hindernis treffen, insbesondere auf hohe Bergketten. Überströmen sie ein Gebirge, steigen sie zwangsläufig auf. Dabei kühlen sie ab und kondensieren, eine Gewitterwolke bildet sich.

Gewitter: Häufigkeiten innerhalb Deutschlands

Im Durchschnitt treten Gewitter im Süden Deutschlands häufiger auf als im Norden. Rund 40-mal pro Jahr kracht es durchschnittlich an einem Ort im Süden der Republik, um die 20-mal im Norden. Höhere Lagen sind dabei grundsätzlich stärker betroffen als das Flachland. Besonders viele Gewitter verzeichnet der Deutsche Wetterdienst in folgenden Gebieten:

  • entlang der Schwäbischen Alb
  • im Großraum Stuttgart
  • im hessischen Ried
  • in der Rhön
  • im Erzgebirge
  • auf der Zugspitze
  • auf dem Brocken im Harz
  • auf dem Feldberg im Schwarzwald

Der Brocken stellt eine lokale Ausnahme dar: Obwohl relativ weit nördlich gelegen, entsteht aufgrund der Lage der Bergkuppe etwa alle zehn Tage im Jahr ein Gewitter.

Weltweit donnert und blitzt es am Lake Maracaibo in Venezuela am häufigsten. An durchschnittlich 297 Tagen im Jahr verzeichnet man dort Gewitter.

Gewitter: Ausprägungen und Gefahren

Eine Warnung vor Gewitter hat gute Gründe. Blitz, Donner und ihre Begleiterscheinungen können gefährlich werden: Starke Regenfälle bergen Gefahr von Überflutungen, Hagelschauer können Fahrzeuge beschädigen und Menschen verletzen. Ein Hagelkorn mit einem Durchmesser von drei Zentimetern prallt mit einer Geschwindigkeit von mehr als 70 km/h auf dem Boden auf und hat das Potenzial, eine Windschutzscheibe zu durchschlagen.

Vereinzelt werden Wassermassen von bis zu 100 Litern Regen pro Quadratmeter verzeichnet. Dies kann in Städten zu Überschwemmungen von Straßen führen, auf dem Land zu Bodenerosionen. Kleine Bäche verwandeln sich binnen kurzer Zeit in Flüsse mit starken Strömungen.

Heftige Windböen, sogenannte Fallböen, können Orkanstärke erreichen, Zweige abknicken und Bäume entwurzeln. Sie treten jedoch nur im Extremfall und örtlich begrenzt in einer solchen Wucht auf.

Hält man sich im Freien auf, besteht Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden. In Deutschland sterben etwa vier Personen im Jahr an den Folgen eines Blitzeinschlags. Das entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 1:20 Millionen. In Westeuropa haben Forscher in den vergangenen zehn Jahren 81 Tote und knapp 970 Verletzte gezählt.

Eine exakte Gewitterwarnung für einen Ort zu treffen, ist schwierig. Das Wetter-Phänomen tritt in der Regel auf eng begrenztem Raum auf. So ist es nicht ungewöhnlich, dass an einem Ort Keller aufgrund extremer Regenfälle volllaufen, während wenige Kilometer weiter die Sonne scheint.

Gewitter: Richtiges Verhalten bei Gewitter

Wie viele Kilometer ein Gewitter entfernt ist, lässt sich ungefähr an der Zeitspanne zwischen Blitz und Donner messen: Man zählt dafür die Sekunden, die zwischen beiden Phänomenen vergehen, und teilt das Ergebnis durch drei. Liegen weniger als neun Sekunden zwischen Blitz und Donner, sollte man sich in Sicherheit bringen, falls man noch im Freien unterwegs ist.

Bei Gewitter sollte man sich möglichst in geschlossenen Räumen aufhalten. Auch im Auto ist man vor dem Wetter sicher. Es wird aufgrund seiner Karosserie zu einem sogenannten Faradaykäfig, einer von allen Seiten geschlossenen Hülle, die als elektrische Abschirmung dient.

Wer sich im Freien befindet und keinen geschlossenen Raum beim Aufkommen eines Gewitters aufsuchen kann, schützt sich durch dieses Verhalten:

  • allein stehende Bäume, hohe Türme und Masten meiden
  • nicht in der Nähe von Metallzäunen aufhalten
  • Gewässer meiden
  • Bodenmulden oder niedrig gelegene Areale aufsuchen
  • in die Hocke gehen, die Füße eng zusammenstellen und die Arme um die Beine schlingen

Der im Volksmund bekannte Spruch „Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen“ stimmt übrigens nicht. Bäume, insbesondere frei stehende, sollte man bei einem Gewitter grundsätzlich nicht aufsuchen.

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