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Takashi Niigaki komponierte zahlreiche Werke von "Japans Beethoven" Mamoru Samuragochi.

Ghost-Writer packt aus

War "Japans Beethoven" gar nicht taub?

Tokio - Der angeblich gehörlose Starmusiker Mamoru Samuragochi hat für seine Kompositionen nicht nur einen Ghost-Writer beschäftigt - offenbar war "Japans Beethoven" nicht einmal taub.

Sein langjähriger Helfer Takashi Niigaki sagte am Donnerstag bei einer live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz, er habe als Komplize bei einem sorgfältig inszenierten Schwindel mitgewirkt. "Vom ersten Tag an bis heute hatte ich nie das Gefühl, dass er taub ist", sagte der Ghost-Writer. Samuragochi könne nicht einmal Partituren schreiben.

Erst am Vortag hatte Samuragochi über seinen Anwalt eingeräumt, dass er über knapp zwei Jahrzehnte hinweg Hilfe beim Komponieren hatte. Der populäre 50-jährige Musiker hatte seinen Helfer nach eigenen Worten schon Ende der 1990er Jahre engagiert, "weil mein Gehör immer schlechter wurde". Niigaki habe bei etwa der Hälfte seiner Werke mitkomponiert.

Betrug noch größer als geahnt

Anscheinend war der Betrug aber noch viel größer angelegt: Er habe ursprünglich gedacht, ihm sei lediglich die Rolle des Assistenten zugedacht gewesen, sagte Niigaki. "Aber später fand ich heraus, dass er nicht einmal Partituren schreiben kann." Nach und nach sei er deshalb zum Komplizen geworden. Doch zuletzt habe ihn der Rummel um den "Beethoven des digitalen Zeitalters" zunehmend genervt.

Manchmal habe Samuragochi über Handzeichen und Lippenlesen kommuniziert - zumindest zu Beginn von Gesprächen, sagte Niigaki dem Wochenmagazin "Shukan Bunshun". Je länger sie aber andauerten, schien er sich nach dem Bericht seines 43-jährigen Ghost-Writers zu vergessen und "beteiligte sich ganz normal". "Ich glaube, es fiel ihm schwer, sich taub zu stellen. Vor kurzem habe ich ihn alleine zuhause getroffen - wir haben von Beginn an ganz normal miteinander gesprochen."

Das Fass zum Überlaufen gebracht hätten schließlich die Pläne des japanischen Eiskunstläufers Daisuke Takahashi, der für eine seiner Küren bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi eine angeblich von Samuragochi komponierte Sonate eingeplant hatte. Er habe befürchtet, "dass eine solch kostbare Gelegenheit" Samuragochis falschen Ruhm endgültig festigen könnte, sagte Niigaki. Deshalb habe er sich entschlossen, mit der Fiktion ein für alle Mal aufzuräumen.

Samuragochi war Mitte der 90er Jahre mit klassischen Kompositionen zu Videospielen wie etwa Resident Evil berühmt geworden. Mit 35 Jahren wurde er nach seinen eigenen Angaben taub, setzte seine Arbeit aber fort. Damals entstand auch sein berühmtestes Stück, "Sinfonie No. 1, Hiroshima", eine Ehrung der Opfer des Atombombenangriffs von 1945. In einem Interview aus dem Jahr 2001 hatte Samuragochi seinen angeblichen Gehörverlust als "Geschenk Gottes" bezeichnet.

AFP

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