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Gift auf Weihnachtsmärkten: Belohnung ausgesetzt

Berlin - Nach Giftattacken auf Berliner Weihnachtsmärkten ergreift ein Betreiber selbst die Initiative. Er setzt eine Belohnung für Hinweise oder die Ergreifung des Täters aus.

Der unbekannte Giftmischer treibt seit einer Woche im Berliner Weihnachtsmarkt-Trubel sein Unwesen. Mindestens zehn Menschen hat er mit gepanschtem Schnaps oder Glühwein vergiftet. “Ich biete eine Belohnung von 1000 Euro für den entscheidenden Hinweis oder die Ergreifung des Täters“, sagt der Chef des Marktes am Einkaufszentrum Alexa, Charles Blume, am Dienstag. “Wer den schnappt, der kriegt von mir das Geld - sofort“, zitierte ihn die “Bild“-Zeitung. Er habe auf seinem Markt außerdem die Zahl der Sicherheitskräfte verdoppelt, zwei zusätzliche Sanitäter und zwei Lockvögel eingestellt.

"Schmutziges und feiges Verhalten"

“Man muss sich als Betreiber etwas einfallen lassen, um die Gäste zu schützen“, sagt Blume. Das Verhalten des Mannes nennt Blume “schmutzig und feige“. Der Täter hatte auf drei Weihnachtsmärkten Besuchern unter einem Vorwand Getränke mit einer Substanz angeboten, die ähnlich wie K.o.-Tropfen wirkt.

Mehrmals näherte er sich Gästen, um mit Schnaps auf die Geburt seiner Tochter anzustoßen. In einem anderen Fall bot ein als Weihnachtsmann verkleideter Unbekannter zwei 15-jährigen Mädchen Getränke an. Acht Frauen und fünf Männern wurde nach dem Genuss übel, einige von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Der Weihnachtsmarkt am Berliner Gendarmenmarkt, für den Besucher einen Euro Eintrittsgeld zahlen müssen, ist bislang von den Angriffen verschont geblieben. “Wir sind gewappnet gegen solche Personen“, sagt einer der Veranstalter, Philipp Dubrau, der seinem Sicherheitspersonal vertraut. Außerdem seien die Gäste gewarnt.

“Ich würde nie etwas von Fremden annehmen, das lernt man doch schon als Kind“, sagt eine Besucherin. “Die, die das machen, sind eigentlich selber schuld“, stimmt ein weiterer Gast zu. Nur eine Frau ist sich unsicher: “Vielleicht hätte ich in Feierlaune auch was angenommen.“ Aber jetzt, seitdem sie davon gehört habe, würde sie das natürlich nicht mehr machen.

Merry und Glen kommen aus Newcastle in England und sind seit drei Tagen in Berlin. Sie haben noch nichts von dem Giftmischer gehört: “Wenn jemand Fremdes mir etwas anbieten würde, fänd' ich das schon merkwürdig“, sagt Merry. Sie finde das beängstigend, da die Berliner Weihnachtsmärkte so freundlich und gemütlich wirkten.

Drei neue Verdachtsfälle

Die Berliner Polizei prüfte am Dienstag drei weitere Verdachtsfälle. Unklar war, ob ein 21-Jähriger, der über Übelkeit klagte, das elfte Opfer des Gift-Schnapses wurde. Der “Berliner Morgenpost“ erzählte er, von einem sehr sympathischen Mann angesprochen worden zu sein. Nach einiger Zeit habe er Übelkeit verspürt und “ein Ziehen in den Beinen“, bis er schließlich ohnmächtig geworden sei.

Auch eine 39 Jahre alte Frau und ihr Bekannter erstatteten am Dienstag Anzeige bei der Polizei. Sie gaben an, am Samstagabend Glühwein von einem Unbekannten angenommen zu haben - auf dem Heimweg bekam die Frau Kreislaufbeschwerden und musste sich übergeben. Ihr Begleiter klagte ebenfalls über Beschwerden.

Insgesamt lagen der Polizei etwa zehn Hinweise auf den Täter vor. Dabei sei auch möglich, dass es sich nicht immer um denselben, sondern auch um Trittbrettfahrer handele.

Die Stimmung auf den Märkten sei aber weiterhin gut, sagen Händler und der Sprecher des Schaustellerverbandes. Glühweinstandbetreiber Peter Hartmann hofft, dass dem Giftmischer-Phantom bald das Handwerk gelegt wird: “Hoffentlich haben wir den bald. Aber wenn der noch mal irgendwo auftaucht, wird der sowieso geschnappt.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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