Eisschollen in der Artkis
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Der Thwaites-Gletscher schmilzt schneller als bisher angenommen.

Klimakatastrophe bahnt sich an

Warmwasser lässt Weltuntergangs-Gletscher schmelzen - Meeresspiegel könnte schneller steigen als gedacht

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Wissenschaftler haben auf der Unterseite des Thwaites-Gletschers Warmwasserströme entdeckt. Diese können enormen Gefahren für den Klimawandel bedeuten.

Antarktis - Wissenschaftler bezeichnen den Thwaites-Gletscher in der Antarktis bereits als „Weltuntergangs-Gletscher“. Grund dafür ist, dass er zusammen mit dem Pines-Gletscher in der Westantarktis die Eismassen vom Südpazifik abhält. Sobald er das nicht mehr schafft, wird der Meeresspiegel immens schneller ansteigen als bisher.

Laut Spektrum hat die Wissenschaftlerin Karen Heywood von der University of East Anglia erstmals mit ihrem Team die Unterseite des Gletschers erforscht. Das Ergebnis ihrer Expedition teilte sie im Science Advances mit. Die Daten belegen: Um den Gletscher steht es schlimmer als gedacht.

Weltuntergangs-Gletscher: Tauchroboter stellen bisher unentdeckten Warmwasserkanal fest

Die durch einen eigenständig tauchenden Roboter gesammelten Informationen offenbarten, dass Warmwasserströme auf der Unterseite des Thwaites-Gletschers verlaufen. Diese sorgen dafür, dass der Gletscher von unten ausgehöhlt wird. Daher sei es gut möglich, dass der Teil des Eises, der den Meeresboden berührt, weniger wird. Damit schiebt sich der gesamte Gletscher in Richtung Festland. Dieses Näherrücken beschleunigt den Schmelzvorgang zusätzlich, da neue Bereiche dem Warmwasser ausgesetzt werden.

Der Tauchroboter fand unter dem Gletscher drei Warmwasserkanäle, darunter ein noch komplett Unbekannter. Allein in einem der drei Kanäle stellten die Wissenschaftler fest, dass dort eine Wärmeenergie von etwa 0,9 Terrawatt herrsche. Diese Energie allein schmelze jährlich schon über 75 Kubikkilometer Eis - Mehr als 25 mal so viel, wie Wasser im Starnberger See.

Weltuntergangs-Gletscher: Wissenschaftler befürchten katastrophalen Anstieg des Meeresspiegels

Doch damit nicht genug: Die Wissenschaftler stellten weiter fest, dass eine große Menge des Warmwassers genau an den Stellen fließe, an denen der Gletscher noch auf dem Meeresboden steht. Durch das Schmelzen verliere der Gletscher zusätzlich an Gleichgewicht und Stabilität. Das führt wiederum zu einem schnelleren Schmelzen.

Würde der Gletscher auseinanderbrechen, würde das dazu führen, dass die Eismassen dahinter frei ins Meer treiben. Dies würde zu einem viel zu schnellen Anstieg des Meeresspiegels führen und katastrophale Auswirkungen auf das Weltklima haben. Schon jetzt ist das Schmelzen der Gletscher in der Westantarktis für rund zehn Prozent des weltweit steigenden Meeresspiegels verantwortlich. 40 Prozent davon allein wegen des Thwaites-Gletschers. Wissenschaftler hatten bereits die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf den Golfstrom festgestellt. Erst kürzlich hatten Forscher in der Antarktis Leben in einem Bohrloch entdeckt.

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