Clip verursachte weltweite Proteste

Google entfernt islamfeindliches Youtube-Video

Los Angeles - Der Internetkonzern Google muss das islamfeindliche Schmähvideo „Unschuld der Muslime“ aus seinem Videoportal YouTube entfernen.

Ein Berufungsgericht im US-Staat Kalifornien gab der Klägerin Cindy Lee Garcia am Mittwoch Recht, die geltend machte, von den Machern ausgetrickst worden zu sein. Die Schauspielerin hatte angegeben, für den Film verpflichtet worden zu sein, ohne dass die Filmemacher sie über dessen anti-islamische Zielrichtung informiert hätten. Der Film verstoße damit gegen das Garcias Urheberrecht.

Laut dem Gerichtsurteil wurde Garcia von dem Produzenten Mark Basseley Youssef für einen Film mit dem Arbeitstitel "Wüstenkrieger" gecastet. Erst als der Amateurfilm auf YouTube veröffentlicht wurde, habe Garcia festgestellt, dass das Filmmaterial in Wahrheit für einen anti-islamischen Film über das Leben des Propheten Mohammed bestimmt war. Ihre Äußerungen in dem Film wurden dabei neu synchronisiert, so dass sie etwa sagte: "Ist Dein Mohammed ein Kinderschänder?" In dem Amateur-Film wird Mohammed außerdem als Gewalttäter, Frauenheld und Homosexueller verunglimpft.

Zudem hatte Garcia mehrfach Morddrohungen erhalten, wie die Lokalzeitung „San Jose Mercury News“ berichtete. Der Richter Alex Kozinski sah es als erwiesen an, dass Garcia "irreparablen Schaden" erleiden könnte, sollte der Film im Netz bleiben.

Der 14-minütige Trailer des Films von insgesamt 1 Stunde und 14 Minuten hatte im Sommer 2012 weltweite heftige antiwestliche Massenproteste ausgelöst. In dem Zusammenhang wurden bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi der US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet.

Der Filmemacher Youssef, der auch unter den Pseudonymen Nakoula Basseley Nakoula und Sam Bacile auftrat, wurde wegen Verstoßes gegen seine nach einem früheren Vergehen verhängten Bewährungsauflagen inhaftiert, kam vergangenes Jahr aber wieder frei.

Garcia hatte sich vergeblich an Google gewandt und versuchte schon 2012, die Ausschnitte per einstweiliger Verfügung löschen zu lassen. Mit ihrem ersten Versuch war sie vor Gericht jedoch gescheitert. Der Konzern argumentierte mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung.

dpa/afp

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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