Mercedes GLS von Daimler vor einem kleineren Auto
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Sprit fressende SUV und Geländewagen sind laut einer Umfrage ausgerechnet bei Grünen-Wählern besonders beliebt.

Marktforschung zu Autokäufern

Öko-Heuchelei? Bei SUVs liegen Grünen-Wähler vorne

  • Sven Barthel
    VonSven Barthel
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Eine Umfrage zum Thema SUV-Nutzung in Deutschland befördert ein überraschendes Ergebnis zutage: Ausgerechnet bei den Grünen-Wählern steht der „Klimakiller“ auf vier Rädern am häufigsten vor der Haustür.

Nürnberg - So ein „Sports Utility Vehicle“, kurz SUV genannt, ist schon eine coole Sache: Der Zustieg ins Auto ist bequemer, die Übersicht durch die höhere Sitzposition besser, das Platzangebot und der Stauraum sind größer und geländetauglich ist das Gefährt auch noch, was selbst im Stadtverkehr für eine Prise Offroad-Feeling sorgt.

Zudem vermittelt die panzerähnliche Karosserie der SUVs Sicherheit, weshalb man in ihnen auch viele Mütter am Steuer sitzen sieht, die ihren Nachwuchs von A nach B chauffieren. Rund 4,3 Millionen SUVs waren am 01. Januar 2021 laut Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland registriert. Und der Trend scheint weiter bergauf zu gehen.

Inzwischen ist jedes dritte neu zugelassene Auto ein SUV. 927.843 Neuzulassungen waren es allein im Jahr 2020. Eine Entwicklung, die angesichts des zunehmenden Klimabewusstseins und der allgegenwärtigen Nachhaltigkeitsdebatte verwundert, gelten SUVs doch als „Klimakiller“. Denn im Vergleich zu einem normalen Kleinwagen ist ein SUV teils doppelt so schwer.

SUV: Umfrage offenbart überraschenden Zusammenhang zwischen Partei-Zugehörigkeit und KFZ-Wahl

Mehr Gewicht bedeutet auch mehr Bedarf an Energie für den Antrieb und das wiederum bedeutet mehr CO2-Ausstoß. Mit 198 Gramm pro gefahrenen Kilometer ist dieser bei SUVs* doppelt so hoch wie bei Kleinstwagen, die etwa 90 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer in die Luft blasen, so eine Berechnung der Deutschen Energieagentur (dena).

Zudem verursachen die Hochbeiner mehr Feinstaub und Mikroplastik, da ihre Reifen deutlich breiter sind als bei einem regulären PKW und sich durch das hohe Gewicht stärker und schneller abreiben.

Wer also sind die Fahrer dieser XXL-Kisten, deren CO2-Fußabdrücke* Greta die Zornesröte ins Gesicht treiben und nicht im Einklang mit den erklärten Zielen des Pariser Klimaabkommens stehen? Eine Untersuchung des Nürnberger Marktforschungsinstituts Puls, über die die FAZ berichtete, scheint Aufschluss zu geben.

Die Forscher wollten wissen, welche Verbindung zwischen politischen Vorlieben und präferierten Automarken besteht. Dabei sollen 1.042 Personen befragt worden sein, die eine Autoanschaffung in den nächsten sechs Monaten planen oder in den vergangenen 12 Monaten getätigt haben.

Grünen-Anhänger: In der Theorie Klimaschützer, in der Praxis oft Klimasünder

Das Ergebnis überrascht: Demnach „entscheiden sich Grünen-Wähler derzeit am häufigsten für Geländewangen, also SUVs, dem Feindbild schlechthin für alle Klimaschützer“, so die FAZ. Laut der Puls-Studie habe jeder sechste befragte Grünen-Sympathisant einen Geländewagen vor der Haustür stehen. Gefolgt von SPD- und AfD-Wählern und noch vor den Unionsanhängern.

Es scheint also durchaus etwas dran zu sein, am sich hartnäckig haltenden Klischee vom besserverdienenden, grünen Bürgertum*, welches mit dem SUV zum Bio-Laden fährt.

Dass Bekenntnisse zum Klimaschutz und ökologischer Fußabdruck sich oft widersprechen, ist auch eine Erkenntnis des Bundesumweltamtes, das eine Studie veröffentlicht hat, in der es heißt:  „Hohe Ressourcenverbräuche und Treibhausgasemissionen finden sich gerade in den sozialen Milieus, die sich verbal zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bekennen“.

Die Affinität der Grünen-Wähler zu den Sprit verschlingenden SUVs scheint diesen Widerspruch nun zu bestätigen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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