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Guatemala: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Maya Tempel von Tikal in Guatemala
Maya Tempel von Tikal in Guatemala © ibleng01624364 / IMAGO

Der von Atlantik und Pazifik begrenzte Staat Guatemala ist vor allem für seine Kaffeeproduktion bekannt. Alle Infos über Geschichte, Demografie, Geografie, Politik und Wirtschaft des Landes.

Guatemala-Stadt – Die präsidentielle Republik Guatemala wird von der Hauptstadt Guatemala-Stadt aus verwaltet. Das gesamte Staatsgebiet umfasst rund 110.000 Quadratkilometer. Auf dem Areal leben insgesamt 17 Millionen Menschen, denen Präsident Alejandro Giammatei Falla vorsteht. Wie fast alle Bürgerinnen und Bürger des Landes spricht Giammatei Falla Spanisch und nutzt den Quetzal als Zahlungsmittel. Übersetzt bedeutet Guatemala so viel wie „Land der Bäume“. Geografisch liegt der Staat exakt auf halber Strecke zwischen Nord- und Südamerika.

Guatemala: Die Geschichte des Staates

Bis zur Ankunft des Entdeckers Christoph Kolumbus war die Geschichte des Staates Guatemala von der Maya-Kultur geprägt. Das indigene Volk bewohnte Guatemala bereits vor der christlichen Zeitenwende, wovon bis heute zahlreiche Ruinen künden. Mit Kolumbus begann die Herrschaft der spanischen Krone, die die Ureinwohner sukzessive enteignete und damit entmachtete. Wer nicht bereit war, sich dem spanischen Diktat zu unterwerfen, bezahlte den Widerstand meist mit seinem Leben.

Unabhängigkeit von der spanischen Krone

Das spanische Protektorat hatte rund 300 Jahre Bestand. Genauer gesagt bis zum 15. September 1821, als sich Guatemala von Spanien lossagte und zugleich der Zentralamerikanischen Konföderation beitrat. Von nun an war man unabhängig und arbeitete schrittweise an der Modernisierung des Landes. Gleichwohl hielten die konservativen Regimes an der Gesellschaftsordnung der Kolonialzeit fest. Die Hierarchien lösten sich demzufolge nur langsam auf, sodass der Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozess immer wieder ausgebremst wurde. Eine echte Öffnung hin zu freien Handelsmärkten fand erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts statt, als Großkonzerne den Kaffee- und Bananenanbau forcierten. Hintergrund war die Steigerung des Exportaufkommens beziehungsweise des Bruttoinlandsprodukts.

Streit mit dem Nachbarn

Nach mehreren, teils blutigen Regierungswechseln trat Guatemala 1960 in den Bürgerkrieg ein. Die instabilen Verhältnisse hielten bis ins Jahr 1996 an, als ein Friedensvertrag die Auseinandersetzungen beendete. Der 36 Jahre umfassende Krieg forderte offiziellen Angaben zufolge 200.000 Todesopfer und trieb mehr als eine Million Menschen in die Flucht. Nicht wenige von ihnen fanden im Nachbarland Belize eine neue Heimat. Daraus erwuchs ein neuer Konflikt. Guatemala beansprucht seit den 1960er-Jahren einen Teil des belizischen Territoriums für sich. Speziell die westlichen Landesteile von Belize stehen im Fokus der Auseinandersetzung, da hier die meisten Flüchtlinge aus Guatemala leben. Der Konflikt dauert bis heute an.

Der Staat Guatemala: Die Demografie

Die Demografie des Staates Guatemala weist die Bevölkerung als überwiegend jung aus. Zwei Drittel der Menschen sind jünger als 40 Jahre. Die Guatemalteken werden im Schnitt 72 Jahre alt. Mehr als die Hälfte von ihnen sind europäischer oder europäisch-indigener Abstammung. Der Rest sind Angehörige der Maya-Völkergruppen. Eine Splittergruppe ist asiatischer Herkunft oder zählt zu den Garifuna, wobei Letztere ihre Wurzeln in Afrika haben.

Da die Arbeitslosigkeit ebenso hoch ist wie die Quote der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, gehört Guatemala in die Riege der Auswanderungsländer. Dies bedeutet, dass viele Menschen das Land verlassen, aber nur wenige als Migranten in das Land kommen. Nur ein halbes Prozent der Bevölkerung Guatemalas wurde außerhalb der Landesgrenzen geboren. Demgegenüber verlassen jedes Jahr rund fünf Prozent der Guatemalteken ihre Heimat, um im Ausland ihr Glück zu versuchen. Dennoch ist die Bevölkerungsentwicklung positiv:

Christen in der Überzahl

Rund 70 Prozent der mittlerweile 17 Millionen Einwohner Guatemalas sprechen Spanisch. Der Rest verteilt sich auf Englisch und diverse Maya-Dialekte. Bis heute ist der Einfluss der Ureinwohner auf religiösem Gebiet spürbar. Verschiedene Rituale der Maya haben Eingang in die christliche Liturgie des Landes gefunden. So werden bisweilen Opfergaben auf den Stufen der Kirchen statt auf dem Altar platziert. Alle übrigen Bestandteile der heiligen Messe folgen dem Ritus der römisch-katholischen Kirche, der knapp 50 Prozent der Guatemalteken angehören. Rund 35 Prozent bekennen sich zum protestantischen Glauben, sind aber keine Lutheraner im klassischen Sinn, sondern tendieren zu freien evangelischen Kirchen.

Guatemala: Die Geografie des Staates

Die Geografie Guatemalas verortet das Land exakt in der Mitte der Landzunge, die Nord- mit Südamerika verbindet. Die Größe des Staates entspricht in etwa der Größe der östlichen deutschen Bundesländer. Das Areal besitzt Grenzen zu vier Anrainerstaaten. Im Süden schließt sich El Salvador an, im Südosten Honduras, im Osten Belize und im Norden Mexiko. Die Grenzlinien verlaufen über eine Gesamtstrecke von 1.700 Kilometern. Das Staatsgebiet Guatemalas gliedert sich in zwei flache Plateaus im Norden und Süden sowie eine zentral gelegene Hochebene. In einem schmalen Streifen der Hochebene liegt die Hauptstadt Guatemala-Stadt, in der mehr als eine Million Menschen leben. Der Ballungsraum dient als Kultur- und Wirtschaftszentrum. Das umliegende Hochland erreicht eine maximale Höhe von 3.000 Metern. Überragt wird die Hochebene vom Tajumulco, dem höchsten Vulkan der Region. Er bringt es auf 4.220 Meter.

Artenvielfalt im Regenwald

Das Klima ist als tropisch einzuordnen, da die Temperaturen ganzjährig zwischen 20 und 30 Grad schwanken. Die Niederschläge sind ungleich verteilt, wobei das an der Atlantikküste gelegene Areal den meisten Regen abbekommt. Resultat ist der flächendeckend vorzufindende Regenwald – bevorzugter Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Schlangen, Krokodile und Leguane haben in Guatemala ebenso ein Biotop gefunden wie Jaguare und Ozelots. Die Regenwaldpopulation macht rund ein Drittel der gesamten Staatsfläche aus. Knapp die Hälfte des Waldes wird bewirtschaftet, der Rest steht unter Naturschutz, wobei dieser regelmäßig von Wilderern unterlaufen wird.

Guatemala: Die Politik im Staat

Guatemala ist eine präsidentielle Republik. Demzufolge existiert im Staat eine Trennung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative. Ein im Vierjahresrhythmus vom Volk gewählter Präsident steht dem Land vor. Alle Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren sind wahlberechtigt. Angehörige des Militärs haben hingegen kein Stimmrecht. Der amtierende Präsident gehört der konservativen Partei „Vamos“ an. Das Parteiensystem ist instabil und besitzt keine gewachsene Tradition. Demokratische Bestrebungen werden immer wieder von (para-)militärischen Einflüssen unterminiert. Gesteigertes Vertrauen in Regierungskreise ist daher selten anzutreffen. Insbesondere die indigene Bevölkerung versagt den staatlichen Behörden ihre Unterstützung und sieht sich bisweilen genötigt, das Recht in eigene Hände zu nehmen. Fälle von Selbstjustiz sind keine Seltenheit. Als eines der letzten Länder auf dem amerikanischen Kontinent – neben den USA – praktiziert Guatemala die Todesstrafe. Zwar ist sie verfassungsrechtlich seit 2017 außer Kraft gesetzt, wird aber nach dem Militärrecht weiterhin ausgeführt.

Der Staat Guatemala: Die Wirtschaft

Die Wirtschaft des Staates Guatemala gilt zwar nicht als florierend, ist aber dennoch die größte Volkswirtschaft im mittelamerikanischen Raum. Gleichwohl ist das Kapital ungleich verteilt. Zwei Drittel der Bevölkerung leben in Armut. Dem gegenüber werden Angehörige der Oberschicht immer reicher, da die Aufstiegsmöglichkeiten dank Vetternwirtschaft und Korruption stark eingeschränkt sind. Zudem werden wichtige Zweige der Wirtschaft von Drogenkartellen kontrolliert.

Zuwächse beim Tourismus

Der Export spielt für die guatemaltekische Wirtschaft eine tragende Rolle. Hauptsächlich wird Kaffee exportiert, aber auch Zucker, Bananen, Textilien und Kardamom finden Anklang auf ausländischen Märkten. Die Ausfuhr zielt schwerpunktmäßig auf Nordamerika (USA, Kanada) und andere zentralamerikanische Märkte. Auch nach Deutschland wird exportiert. Wenn importiert wird, kommen die Waren in der Regel aus den Vereinigten Staaten, Mexiko oder China. Guatemala konzentriert sich bei der Einfuhr vor allem auf Erdöl, Chemikalien, Autos und Elektronikartikel. Weite Teile des Bruttoinlandsproduktes werden über Dienstleistungen erzielt. Hier sei zuvorderst der Tourismus erwähnt, der während der letzten 25 Jahre einen Boom erfahren hat.

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