+
Ein Feuerwehrmann geht am Freitag bei Müllheim (Breisgau-Hochschwarzwald) mit Atemschutzmaske an entgleisten Bahnwaggons vorbei.

Explosionsgefahr: Güterzug mit Gefahrgut entgleist 

Müllheim - Ein Güterzug steuert auf die badische Kleinstadt Müllheim zu. Kurz vor dem Bahnhof springen acht Waggons aus den Gleisen. Sie haben hochexplosive Fracht geladen.

Es sind nur wenige Meter bis zum Bahnhofsgebäude. Die schweren Güterzugwaggons, einige von ihnen mit hochexplosivem und gesundheitsschädlichem Gefahrgut beladen, liegen direkt an der Bahnsteigkante.

Bilder vom Unfallort

Güterzug mit Gefahrgut entgleist

Die badische Kleinstadt Müllheim, rund 30 Kilometer südlich von Freiburg, ist nach einem Gefahrgutunfall auf der stark befahrenen Bahnstrecke Karlsruhe-Basel am Freitag nur knapp einer Katastrophe entgangen. “Es gab einen Höllenlärm. Wir wussten alle nicht, was los ist“, sagt eine junge Frau, die im Bahnhof gerade an der Theke des dortigen Bäckerladens stand. Ein aus mehr als 200 Waggons bestehender Güterzug fährt am Freitag durch den Bahnhof der Kleinstadt.

Auf dem Bahnsteig stehen zu diesem Zeitpunkt viele Menschen, die auf einen Zug warten. Was der Lokführer nicht bemerkt: Kurz vor dem Bahnhof lösen sich acht der Waggons vom Rest des Zuges, rasen unkontrolliert auf den Bahnhof zu. Nur wenige Meter davor entgleisen die Waggons, während der erste Teil des Zuges kurz hinter dem Bahnhof zum Stehen kommt. Die entgleisten Waggons reißen die Oberleitung mit, vier Waggons stürzen um. Drei von ihnen sind mit Gefahrgut beladen. Wie sich später herausstellt, mit größeren Mengen des Erdöl-Teer-Gemisches Bitumen und der chemischen Verbindung Natriumchloracetat. Dies ist nach Angaben der Feuerwehr leicht entzündlich und gesundheitsgefährdend.

Die gefährlichen Stoffe treten aus, zu einer Explosion oder einem Brand kommt es aber zum Glück nicht. “Wir hatten eine äußerst brisante Lage. Es ging uns darum, Menschen schnell in Sicherheit zu bringen“, sagt der Einsatzleiter der für den Bahnverkehr zuständigen Bundespolizei, Kai Welzel. Etwa 300 Menschen müssen Wohnungen, Büros und Geschäften verlassen. Ein Wohngebiet liegt direkt an der Bahnstrecke.

Über Stunden ist das Gebiet aus Sicherheitsgründen gesperrt. Am frühen Abend können die Betroffenen zurück in ihre Häuser. Die Waggons liegen zu diesem Zeitpunkt immer noch auf und neben den Schienen. Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten sind damit beschäftigt, die Chemie zu sichern. Zur Unglücksursache kann die Polizei am Freitag zunächst keine Angaben machen. Die stark befahrene Schienenstrecke, eine der bedeutendsten Güterbahnstrecken Europas, muss komplett gesperrt werden. Auf der Strecke kommt es am Freitagnachmittag zum Verkehrskollaps. Bahnreisende müssen auf Busse umsteigen. Weil die Bergung der havarierten Waggons schwierig ist und zudem die Oberleitung nicht mehr funktioniert, wird mit einer längeren Sperrung gerechnet.

Frühestens am Wochenende soll der Schaden wieder behoben sein. Bis dahin sind Tausende Bahnreisende betroffen. Am Freitagnachmittag kommt es auf der Bahnstrecke zu erheblichen Behinderungen.

Von Jürgen Ruf

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

16 Tote bei Busunglück in Italien
Sie waren in Frankreich und wollten zurück in ihre Heimat Ungarn, als ihr Bus in Italien in Flammen aufgeht. Bei dem tragischen Unglück nahe Verona sterben zahlreiche …
16 Tote bei Busunglück in Italien
Umfrage: Mehrheit für öffentliches Stillen
Berlin - Die Mehrheit der Menschen in Deutschland findet öffentliches Stillen laut einer Umfrage in Ordnung.
Umfrage: Mehrheit für öffentliches Stillen
Todesfalle: 16 Schüler sterben in brennendem Bus nahe Verona
Verona - Bei einem schweren Busunglück nahe Verona in Italien sind 16 Menschen ums Leben gekommen. 39 Reisende seien verletzt worden. Es handelt sich um Schüler aus …
Todesfalle: 16 Schüler sterben in brennendem Bus nahe Verona
Weitere Überlebende aus verschüttetem Hotel gerettet
Am Ort des verschütteten Hotels in Italien ist keine Zeit zu verlieren: Am dritten Tag nach dem schweren Lawinenunglück ziehen Katastrophenhelfer immer noch Überlebende …
Weitere Überlebende aus verschüttetem Hotel gerettet

Kommentare