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Die wissenschaftliche Koordinatorin Andrea Baresel-Brand mit einer Kopie, die von dem Künstler Bartholomäus Spranger stammt oder nach ihm gemalt wurde.

Zwei Jahre nach Tod

Gurlitt-Prüfer erhärten Raubkunst-Verdacht in fast 100 Fällen

Berlin/München - Auch mehr als zwei Jahre nach seinem Tod beschäftigt Cornelius Gurlitts Kunstsammlung die Experten. Sie prüfen unermüdlich, welche Werke als Nazi-Raubkunst gelten müssen.

Fast 100 Bilder aus der umstrittenen Sammlung von Cornelius Gurlitt haben Experten mehr oder weniger sicher als Raubkunst identifiziert. Wie das Projekt „Provenienzrecherche Gurlitt“ am Montag in Berlin mitteilte, gehören Kunst von Henri de Toulouse-Lautrec, Max Liebermann, Edvard Munch und eine Rembrandt-Grafik zu den verdächtigen Werken.

Das Expertenteam hatte in einem halben Jahr mehr als 500 Werke aus der umstrittenen Sammlung untersucht - und in 91 Fällen einen Raubkunst-Verdacht erhärtet. Zuvor hatte die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ binnen eines Jahres 11 Fälle lückenlos geklärt; bei 5 Werken hatte sie dabei eindeutig NS-Unrecht nachgewiesen. Damit wären bislang insgesamt 96 Bilder der Sammlung als mutmaßliche oder tatsächliche Raubkunst eingeordnet.

"Es ist nur ein Zwischenstand"

Das Projekt „Provenienzrecherche Gurlitt“ kümmert sich in der Nachfolge der „Taskforce“ seit dem Jahreswechsel um die Kunstsammlung des 2014 gestorbenen Gurlitt. Von den 680 Werken, deren Herkunft die „Taskforce“ nicht abschließend klären konnte, haben die Experten des Projekts bislang 502 Werke untersucht.

Die Recherchen seien aber noch nicht abgeschlossen, betonte Projektleiterin Andrea Baresel-Brand. „Es ist nur ein Zwischenstand.“ Das Nachfolgeprojekt kam schneller voran als die „Taskforce“, konnte für seine Recherchen allerdings deren Vorarbeiten nutzen.

„Wir sind unserem Ziel, den Fall Gurlitt zügig und transparent aufzuarbeiten einen guten Schritt näher gekommen“, sagte Uwe M. Schneede, Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Das Zentrum ist Träger des Projektes.

Gurlitts Cousine gibt im Rechtsstreit nicht auf

Der spektakuläre Kunstfund in Gurlitts Schwabinger Wohnung hatte 2013 weltweite Aufsehen erregt und eine hitzige Debatte um den Umgang mit von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerken in Deutschland entfacht.

Damals wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft schon 2012 rund 1280 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmt hatte. Zwei Jahre später tauchten weitere 238 Gemälde in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg auf. Bei Hunderten davon bestand Verdacht auf Nazi-Raubkunst. Gurlitt war am 6. Mai 2014 in seiner Schwabinger Wohnung gestorben - ohne seine Bilder noch einmal gesehen zu haben.

Seine millionenschwere Sammlung vermachte er in seinem Testament dem Kunstmuseum Bern, das bis zum heutigen Tag allerdings noch kein einziges Bild bekommen hat. Grund ist ein langwieriger Rechtsstreit, den Gurlitts Cousine Uta Werner angestrengt hat und der inzwischen beim Oberlandesgericht München liegt. Werner erhebt selbst Anspruch auf das Erbe und zweifelt an, dass Gurlitt im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war, als er sein Testament verfasste.

dpa

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