Gutachter: Behörde schuld an Frühchen-Tod

Bremen - Ein neues Gutachten zum Tod von drei Frühchen im Bremer Klinikum löst Wirbel aus. Die Bremer CDU will den Untersuchungsausschuss zum Hygieneskandal deshalb fortsetzen.

Ein neues Gutachten zum Tod von mindestens drei Frühchen in Bremen hat eine Reihe von Mängeln im Klinikbetrieb aufgelistet. Der Krankenhaushygieniker Prof. Walter Popp erklärte darin, Fahrlässigkeit habe die Erkrankungen und der Tod der Kinder im vergangenen Jahr verursacht. Dafür seien auch Fehler in der Behörde von Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) verantwortlich, schreibt Popp in einem Gutachten für die Staatsanwaltschaft Bremen, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention seien nicht beachtet worden. Außerdem habe man vor dem Keim-Ausbruch in der Klinik bekannte Probleme bei Reinigung und Desinfektion nicht abgestellt. Außerdem habe es zu wenig Personal und zu wenig Kompetenz in hygienischen Fragen gegeben. „Hätte man ab März 2011 diese Probleme konsequent angegangen, wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Ausbruch mit ESBL-Keimen weit geringer erfolgt, wenn überhaupt.“

„Wahrscheinlich lässt sich heute nicht mehr ermitteln, von wem aus und wie genau der Ausbruch seinen Ausgang nahm“, schreibt Popp in seinem Gutachten. „Insgesamt bedeutet dies, dass viele Fehler in vielen Bereichen gemacht wurden und dass alle diese Fehler zu Übertragungen auf unterschiedlichen Wegen führen mussten.“

Das Gutachten heizte die politische Debatte um Konsequenzen an. Die Bremer CDU forderte am Mittwoch, der Untersuchungsausschuss solle wieder in die Beweisaufnahme einsteigen und beantragte eine Sondersitzung in der Bremischen Bürgerschaft. „Das Gutachten rückt bisherige Erkenntnisse über die Ursachen des Keimausbruchs in ein neues Licht“, sagte der CDU-Gesundheitsexperte Rainer Bensch.

Die FDP, die nicht mehr in der Bürgerschaft vertreten ist, bekräftigte ihre Forderung nach einem Rücktritt von Senatorin Jürgens-Pieper und ihres Staatsrates. „In ihrer Aufsichtspflicht und in ihren dienstlichen Zuständigkeiten für die Abteilung Gesundheit haben beide absolut versagt“, sagte FDP-Landeschef Prof. Hauke Hilz.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zahl der Einbrüche nach Jahren wohl rückläufig 
Berlin - Jahrelang hatte die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland zugenommen. Jetzt zeichnet sich ein Rückgang ab. 
Zahl der Einbrüche nach Jahren wohl rückläufig 
Ministerium warnt vor gepanschtem Wodka
Duisburg - Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium hat vor gepanschtem Wodka gewarnt. Das gesundheitsgefährdende Getränk namens „Diamond Vodka“ sei …
Ministerium warnt vor gepanschtem Wodka
19 Verletzte bei Explosionen in Munitionsfabrik
Erst vor anderthalb Jahren waren bei einem Unfall auf dem Gelände der Munitionsfabrik 320 Tonnen Schießpulver explodiert - nun kam es gleich zu einer Serie von …
19 Verletzte bei Explosionen in Munitionsfabrik
An diesem Tag kommt durchschnittlich der Frühling
München - In manchen Teilen Deutschlands gab es in diesem Winter einiges Chaos durch Schnee und Eis. Zeit für den Frühling. Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen, …
An diesem Tag kommt durchschnittlich der Frühling

Kommentare