Irrtum zufällig entdeckt

Häftling 24 Jahre lang vergessen

Sao Paulo - In einem brasilianischen Gefängnis haben Behörden einen Insassen identifiziert, der schon vor über 20 Jahren entlassen werden sollte.

Wie Medien am Sonntag berichteten, wäre die Haft des inzwischen rund 80-Jährigen eigentlich schon 1989 zu Ende gegangen. Der Mann war in den 60er-Jahren verurteilt worden und dürfte mit einem Aufenthalt von nunmehr rund 50 Jahren der am längsten einsitzende Gefangene in Brasilien sein.

Den Berichten zufolge ist der Rekordhäftling schwer krank und hat weder Angehörige noch eine Krankenversicherung. Vermutlich habe er deswegen niemanden auf den Irrtum hingewiesen und sei daher in der Anstalt verblieben. Wo der auf ärztliche Betreuung angewiesene Mann nun unterkommen soll, ist offenbar noch unklar.

Aufgedeckt wurde der Fall in dem Gefängnis im nordöstlichen Bundesstaat Ceara im Rahmen einer seit August in dem Bundesstaat laufenden Inspektion. Dabei sollen die Haftbedingungen der verurteilten Täter sowie der noch auf ihren Prozess wartenden Insassen geprüft werden. Viele von ihnen beschweren sich, dass sie zu lange auf den Beginn ihres Verfahrens warten müssen.

In der gleichen Anstalt, in der die Beamten auf den Dauerinsassen im Seniorenalter stießen, fanden sie fünf weitere Insassen, deren Haftzeit ebenfalls seit längerem verstrichen war. In dem Gefängnis sollen zudem etwa doppelt so viele Gefangene einsitzen wie zugelassen. Der Bau muss Behördenangaben zufolge dringend renoviert werden. Weder gebe es dort regelmäßig fließendes Wasser noch eine Kanalisation.

Auch in anderen Bundesstaaten Brasiliens sollen demnächst ähnliche Begehungen der Haftanstalten erfolgen. Die Gefängnisse des größten südamerikanischen Landes gelten als chronisch überbelegt, die hygienischen Bedingungen als katastrophal.

kna

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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