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Haftstrafen für Eltern des toten Benjamin

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- Stendal - Die Eltern des zweijährigen Benjamin aus Schlagenthin in Sachsen-Anhalt, der tot in einer Mülltonne gefunden wurde, müssen viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Stendal verurteilte das Paar im Alter von 27 und 28 Jahren am Mittwoch wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen. Beide hätten den Jungen und mindestens zwei weitere ihrer sechs Kinder über Jahre hinweg in böswilliger Weise vernachlässigt, sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Henss.

Demnach mussten die Kinder in einer verdreckten, stinkenden Wohnung leben, waren teils unterernährt und hatten schwere Entwicklungsstörungen.

Die Todesursache von Benjamin sei nicht mehr eindeutig feststellbar, sagte Henss. "Es ist wahrscheinlich, dass die Angeklagten für seinen Tod verantwortlich sind, aber nicht zu beweisen." Deshalb seien die Eltern dafür auch nicht strafrechtlich zu belangen.

Das tote Kind war im Februar - eingewickelt in eine Plastiktüte in einer Mülltonne auf dem verwahrlosten elterlichen Grundstück entdeckt worden. Benjamin kam vermutlich bereits knapp ein Jahr zuvor im März 2005 ums Leben. Das genaue Datum und die Umstände sind unbekannt, die Eltern schwiegen im Prozess.

"Wahrscheinlich starb der Junge an einer Infektion", sagte Henss. Gerichtsmediziner konnten dies jedoch wegen des Verwesungszustandes der Leiche nicht mehr eindeutig feststellen. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb im Verlauf des Verfahrens den ursprünglichen Vorwurf des Totschlags fallen gelassen. Sie hatte für das Paar fünf Jahre Gefängnis gefordert, die Verteidigung drei Jahre.

Die zuständigen Sozialbehörden waren im Zusammenhang mit Benjamins Tod kritisiert worden, weil ihnen die Familie als Problemfall bekannt war und es auch Kontakte gab. Ihnen seien jedoch keine Vorwürfe zu machen, so das Gericht. Zwei der fünf noch lebenden Kinder des Paares wurden inzwischen zur Adoption freigegeben.

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