+
Haitianer bei einer Gedenkfeier anlässlich des ersten Jahrestages nach dem verheerenden Erdbeben.

Haiti gedenkt der Opfer des Erdbebens

Port-au-Prince - Haiti hat am ersten Jahrestag des verheerenden Erdbebens der unzähligen Opfer mit einer Schweigeminute gedacht. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen kritisierte unterdessen die mangelnde Organisation der Hilfe.

Per Lautsprecher wurden in der Hauptstadt Port-au-Prince am Mittwoch die Autofahrer zum Anhalten aufgefordert. Schätzungen zufolge kamen bei dem Beben am 12. Januar 2010 zwischen 230.000 und 300.000 Menschen ums Leben. Mehr als 100.000 Gebäude wurden zerstört, mehr als eine Million Menschen leben noch immer in Zeltstädten und Lagern. Erst fünf Prozent der Trümmer wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen beiseite geräumt.

Haiti: Der Kampf ums Überleben

Haiti: Der Kampf ums Überleben

Tausende Haitianer, die in der traditionellen Trauerfarbe weiß gekleidet waren, waren zuvor zu den Kirchen geströmt, wo sie an Gedenkgottesdiensten für die Opfer teilnehmen wollten. Präsident Rene Preval wollte später am Tag eine Messe in der Nähe der zerstörten Kathedrale in der Hauptstadt Port-au-Prince besuchen. Gemeinsam mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton wohnte Preval der Grundsteinlegung für ein neues Gebäude der Steuerbehörde bei.

Papst Benedikt XVI. ernannte am ersten Jahrestag des Bebens einen neuen Erzbischof für den Karibikstaat: Monsignore Guire Poulard, den Bischof von Les Cayes. Erzbischof Joseph Serge Miot wurde bei der Katastrophe getötet. Die Kathedrale von Port-au-Prince, ein katholisches Priesterseminar und 38 Kirchen wurden bei dem Beben zerstört. In Rom sollte am Mittwoch eine besondere Gedenkmesse für die Opfer der Katastrophe abgehalten werden.

“Ein Armutszeugnis"

Ein Jahr nach dem verheerendem Erdbeben kritisierte die Organisation Ärzte ohne Grenzen die mangelnde Koordination der Hilfe durch die Vereinten Nationen scharf. “Es ist ein Armutszeugnis, was an konkreter Hilfe passiert ist“, sagte Geschäftsführer Frank Dörner am Mittwoch in Berlin in einem dapd-Interview. Es gebe zu wenige Akteure und konkrete Aktionen, zu wenig klare Vorgaben, zu wenig technisches Know-How. Dafür werde “viel heiße Luft“ produziert. Dabei sei die Cholera-Epidemie noch längst nicht vorbei.

Vor Ort sehe man sehr wenig an konkreten Wiederaufbaumaßnahmen, monierte Dörner. Er könne die Unzufriedenheit vieler Betroffener gut verstehen. Er frage sich auch, was mit den vielen Spendengeldern und Hilfszusagen passiert sei. “Die Cholera ist Ausdruck dafür, dass in den Bereichen Wasser und Hygiene viel zu wenig umgesetzt wurde.“

Auch Obama mit Wiederaufbau unzufrieden

US-Präsident Barack Obama erklärte in einer Stellungnahme, das haitianische Volk sei den unvorstellbaren Verlusten mit außergewöhnlichem Mut begegnet. Die Fortschritte im Wiederaufbau seien nicht ausreichend, erklärte er. Zu viele Menschen hätten noch immer keine neue Unterkunft, zu viel Schutt liege noch auf den Straßen.

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BGH weist Schmerzensgeld-Klage im Brustimplantate-Skandal ab
Vor mehr als sieben Jahren kam der Brustimplantate-Skandal beim Hersteller PIP ans Licht - skrupelloser Betrug zulasten der Frauen. Die Opfer kämpfen bis heute um …
BGH weist Schmerzensgeld-Klage im Brustimplantate-Skandal ab
Unwetter-Chaos in Deutschland: Mann von Baum erschlagen
Durch heftige Unwetter kommt es in Teilen Deutschlands zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. In Norddeutschland ist der Bahnverkehr teilweise lahmgelegt, in …
Unwetter-Chaos in Deutschland: Mann von Baum erschlagen
Falscher Polizist gesteht Vergewaltigung von Schüler
Ein Mann hat im Dezember 2015 einen Jungen auf einem Spielplatz bei Schwerin vergewaltigt. Nun gestand er die Tat vor dem Landgericht Schwerin.
Falscher Polizist gesteht Vergewaltigung von Schüler
Waldbrände in Portugal: Zweites Großfeuer eingedämmt
Ein verheerender Waldbrand sucht Portugal heim. Es gibt Dutzende Tote. Noch immer kämpft die Feuerwehr gegen die Flammen. Der Staatspräsident spricht von einer …
Waldbrände in Portugal: Zweites Großfeuer eingedämmt

Kommentare