Österreich sperrt Autobahnbrücke am Brenner auf Dauer halbseitig – Urlaubern droht Dauerstau
Am Brenner droht im kommenden Jahr der Kollaps: Eine wichtige Brücke ist ab dann nur einspurig je Richtung befahrbar. Sogar eine Vollsperrung ist möglich. Für Urlauber bedeutet das noch mehr Stau.
Innsbruck/Brenner – Urlauber, Lkw-Fahrer und Anwohner der A8 und A93 müssen ab kommenden Jahr mit heftigen Staus rechnen, auch auf dem weiteren Weg bis zum Brenner. Der österreichische Autobahnbetreiber ASFINAG teilte am Dienstag überraschend mit, dass ab dann auf unbestimmte Zeit eine wichtige Brücke der Brennerautobahn nur noch einspurig je Richtung befahrbar sein wird.

Die 1800 Meter lange Luegbrücke bei Gries am Brenner wurde 1968 errichtet und wurde seitdem mehrfach erneuert. Die ASFINAG hält einen Brückenneubau für unausweichlich, das alte Bauwerk sei dem heutigen Verkehr nicht mehr gewachsen. „Die Einspurigkeit auf der Luegbrücke ist eine Frage der Sicherheit, hier gibt es keine Kompromisse“, erklärt Geschäftsführer Stefan Siegele in der Pressemitteilung, wieso er zu der Maßnahme greift.
Brücke ist laut Autobahnbetreiber nicht mehr dem Verkehr gewachsen
Wie die stetig wachsende Blechlawine Verkehr dieses Nadelöhr passieren soll? „Eine dynamische Gestaltung von Fahrspuren auf der Luegbrücke soll an Verkehrs-intensiven Tagen den Verkehr in Gang halten und massive Staus möglichst reduzieren“, so Siegele weiter. Das soll heißen: Es wird während der Reisewellen zwei Fahrspuren in die Richtung geben, in der die höchste Verkehrsbelastung erwartet wird.

Das heißt aber auch, dass es an diesen Tagen Lkw-Fahrverbote geben wird – zusätzlich zu denen, die schon jetzt regelmäßig verhängt werden. Und das heißt dann wiederum: Stop-and-go in Kufstein und auch an der Brennergrenze, vor allem in der Urlaubszeit. Zuletzt gab es an den Grenzen zeitweise bis zu 110 Kilometer Rückstau. „Eine andere Lösung würde kaum Sinn machen, da es in Tirol keine Ausweichrouten für Lkw gibt“, erklärt ASFINAG-Sprecher Alexander Holzedl.
Sogar eine Totalsperre an der Brennerautobahn steht zur Debatte
Es könnte aber sogar noch schlimmer kommen, sogar eine Totalsperre sei laut Holzedl möglich: „Abhängig ist alles vom Ergebnis der Brückenprüfung, die im ersten Halbjahr 2024 über die Bühne gehen wird. Unabhängige Sachverständige werden uns dann das Ergebnis präsentieren – daraus abgeleitet wird dann die Maßnahme, die notwendig sein wird“, sagt er gegenüber IPPEN.MEDIA.
Meine news
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) ist alarmiert. Gegenüber IPPEN.MEDIA sagt er: „Ich erwarte von der ASFINAG und dem Land Tirol, dass der Verkehr auch in der Bauphase so organisiert wird, dass er weiter fließen kann.“ Logistikunternehmen und auch die Öffentlichkeit bräuchten Planungssicherheit. „Die von der ASFINAG ins Spiel gebrachte vollständige Sperrung der Strecke an einzelnen Tagen für Lkw muss unter der Woche auf jeden Fall vermieden werden“, so Berneiter weiter. Er hofft, dass das Slotsystem für Lkw, an dem derzeit Tirol. Südtriol und Bayern arbeiten, rechtzeitig seine Arbeit aufnehmen kann.
Kleines Dorf stoppte Bau einer neuen Brücke - weil es im Verkehr erstickt
Der Bürgermeister der an der Luegbrücke liegenden Gemeinde Gries, Karl Mühlsteiger, hatte gegen den wesentlich breiter geplanten Neubau geklagt. Er fordert stattdessen einen Tunnel als Ersatz für die marode Brücke, um seine Bürger vor Lärm und Abgasen zu schützen.
Den Tunnel hatten die ASFINAG und der Regierung in Wien aber abgelehnt. Mühlsteiger glaubt, dass die Ankündigung der ASFINAG auf ihn gemünzt ist: „Die wollen immensen Druck auf uns ausüben“, so der Ortschef zu IPPEN.MEDIA. „Das ändert aber nichts daran, dass wir an dem eingeschlagenen Weg nicht ändern. Wir warten auf Verhandlungstermin vor dem Bundesverwaltungsgerichtshof.“ Die Bürger und die Nachbargemeinden stünden hinter ihm.