Mehr als 16 Tonnen Rauschgift

Größter Kokainfund aller Zeiten in Deutschland: Experten warnen vor „gigantischem Sicherheitsproblem“

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Im Hamburger Hafen haben Zollfahnder eine Rekordmenge an Kokain entdeckt. Experten sehen den Fund als Weckruf und fordern eine „komplette Neuaufstellung“ im Kampf gegen Drogenschmuggel.

Hamburg - Den Zollfahndern im Hamburger Hafen ist ein Riesen-Coup geglückt. Bei einer Überprüfung von fünf Containern, die aus Paraguay in die Hansestadt kamen, wurden rund 16 Tonnen Kokain entdeckt - der größte Kokainfund aller Zeiten in Deutschland und Europa, wie das Zollfahndungsamt Hamburg am Mittwoch mitteilte. Die Kontrolle fand demnach bereits am 12. Februar statt.

Kokainfund im Hamburger Hafen: Zoll entdeckt mehr als 16 Tonnen Rauschgift

Die fünf untersuchten Container „waren aufgrund einer aufwändigen Risikoanalyse mehrerer europäischer Zollbehörden als verdächtig eingestuft worden“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die betroffenen Container sollten eigentlich Blechdosen mit Spachtelmasse enthalten. Bei einer genaueren Untersuchung in der Containerprüfanlage im Hamburger Hafen wurden allerdings „deutliche Unregelmäßigkeiten“ festgestellt.

„Scheinbar waren nach einer Lage echter Ware direkt hinter der Containertür zahlreiche Blechdosen auch mit anderen Waren gefüllt“, teilte das Zollfahndungsamt Hamburg mit. Nach der Entladung der Container konnten demnach in mehr als 1700 Dosen über 16 Tonnen Kokain entdeckt werden.

Kokainfund in Hamburg: Straßenverkaufswert der Drogen „zwischen 1,5 und 3,5 Milliarden Euro“

„Der Straßenverkaufswert der Drogen liegt zwischen 1,5 und 3,5 Milliarden Euro“, erklärte René Matschke, Leiter des Zollfahndungsamtes, gegenüber dem NDR. Rolf Bösinger, der für den Zoll zuständige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, gratulierte den Fahndern zum Erfolg. „Mit diesem Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität - auch dank der vorbildlichen Zusammenarbeit mit den europäischen Partnerbehörden - hat der deutsche Zoll seine Schlagkraft erneut eindrucksvoll bewiesen“, so Bösinger.

In fünf Containern aus Paraguay hat der Hamburger Zoll mehr als 16 Tonnen Kokain sichergestellt.

Weiterer Kokainfund in Belgien - Verdächtiger in den Niederlanden festgenommen

Nach dem Fund am 12. Februar wurden in Zusammenarbeit mit den niederländischen Ermittlungsbehörden „zahlreiche operative Maßnahmen geplant und durchgeführt“, teilte das Zollfahndungsamt mit. Im Rahmen dieser Ermittlungen konnten am vergangenen Sonntag (21. Februar) weitere 7,2 Tonnen Kokain im Hafen von Antwerpen in Belgien sichergestellt werden. Am Mittwoch wurde in den Niederlanden ein 28-jähriger Mann aus Vlaardingen bei Rotterdam festgenommen. Er sei verdächtig, für die Einfuhr der insgesamt mehr als 23 Tonnen Kokain verantwortlich zu sein.

Nach Kokainfund in Hamburg: Experten warnen vor „gigantischem Sicherheitsproblem“

Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sagte gegenüber dem NDR, dieser Kokainfund im Hamburger Hafen müsse ein „großer Weckruf“ sein. Der Drogenschmuggel sei ein „gigantisches Sicherheitsproblem“. Die enorm hohen Gewinne flössen schließlich in neue Straftaten und auch in die Legalwirtschaft.

Der Zoll sei im Kampf gegen die Drogenkriminalität „fürchterlich schlecht organisiert“, bemängelte Fiedler. Auch Frank Buckenhofer von der Polizei- und Zollgewerkschaft GdP äußerte scharfe Kritik gegenüber dem NDR: „Deutschland ist bei der Schmuggelbekämpfung erbärmlich aufgestellt.“

Fiedler forderte daher eine „komplette Neuaufstellung“ in diesem Bereich. Zuständig dafür sei Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Der Kanzlerkandidat der SPD müsse sich klarmachen, dass er auch Polizeichef sei, so Fiedler. Er sprach sich dafür aus, einen „Drogengipfel“ einzuberufen. (ph)

Rubriklistenbild: © Axel Heimken

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